BorgholzhausenWoher bekommt Borgholzhausen in Zukunft sein Wasser?

Lange Zeit galt die Anlage als Hoffnungsträger in der Piumer Trinkwasserkrise. Doch neue Erkenntnisse legen eine andere Lösung nahe. Am Stadtgraben könnte ein besserer Brunnenstandort sein.

Andreas Großpietsch

Es ist viel Bewegung in der Neuordnung der Trinkwasserversorgung. Aktuell scheint Brunnen 3 (oben links) zum Auslaufmodell zu werden. Ganz neu ins Spiel kommt eine mögliche Brunnenbohrung am Ende des Fußwegs im Gewerbegebiet Am Stadtgraben (oben rechts). Wassermenge und Wasserqualität des Schüco-Brunnens (unten links) sind gut. Aber es gibt auch Nachteile. Die Brunnen 1 und 2 auf dem Barenberg liefern nicht die größten Mengen, aber die beste Qualität. - © Andreas Großpietsch
Es ist viel Bewegung in der Neuordnung der Trinkwasserversorgung. Aktuell scheint Brunnen 3 (oben links) zum Auslaufmodell zu werden. Ganz neu ins Spiel kommt eine mögliche Brunnenbohrung am Ende des Fußwegs im Gewerbegebiet Am Stadtgraben (oben rechts). Wassermenge und Wasserqualität des Schüco-Brunnens (unten links) sind gut. Aber es gibt auch Nachteile. Die Brunnen 1 und 2 auf dem Barenberg liefern nicht die größten Mengen, aber die beste Qualität. © Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. Es waren drei besonders trockene Jahre, die ausreichten, um die Versorgung der Piumer Bevölkerung mit Trinkwasser von einem Nebenthema plötzlich in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Eigentlich schien die Stadt nach der Sanierung des Wasserwerks gut aufgestellt – doch dann versagten die Brunnen. Ohne die tägliche Belieferung aus Halle müsste die Wasserabgabe wohl rationiert werden. Um diesen Zustand zu ändern, wird die Stadt in den kommenden Monaten etwa eine halbe Million Euro investieren müssen.

Wohin die Reise gehen soll, hat der Betriebsausschuss entscheiden (siehe Info-Text am Ende des Artikels). Die Vorlage der Verwaltung hat es in sich, denn sie empfiehlt, auf die bislang favorisierte Nutzung des Schüco-Brunnens zu verzichten. Und das, obwohl ein Pumpversuch erfolgreich abgeschlossen wurde und mit der Anlage bis zu 60.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr gewonnen werden können.

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Brunnen sind nicht für die Ewigkeit gebaut

Allerdings zeigten sich nach eingehender Untersuchung etliche Gründe, die gegen eine Nutzung sprechen. Da ist zum einen die Lage mitten auf dem Betriebsgelände des Aluminiumspezialisten. Zur Sicherung eines öffentlichen Brunnens ist der Bau eines Pumpenhäuschens unabdingbar. Außerdem muss die Stadt auch jederzeit freien Zugang zu ihrem Brunnen haben.

Gegen die Nutzung dieser Anlage spricht auch ihr Alter. Dass Brunnen keine Bauwerke für die Ewigkeit sind, zeigt sich auch an anderer Stelle. Und zwar dort, wo es der Stadt ziemlich weh tut: beim Brunnen 3 am Jammerpatt. Denn der ist zwar gegenwärtig das Rückgrat der Borgholzhausener Wasserversorgung, zeigt aber eine bedenkliche Tendenz der Fördermenge, die seit Jahren langsam abnimmt.

Der Brunnen ist zu tief

Was allerdings wohl nicht daran liegt, dass auch an dieser Stelle das Grundwasser knapp würde. Das Problem des Brunnens 3 ist mehr ein bautechnisches, das sich mit zunehmendem Alter immer stärker negativ auswirkt. Die Anlage wurde im Jahr 1989 fertiggestellt und hat schon einige Jahre hinter sich. Mit 250 Metern reicht der Brunnen auch sehr tief in den Untergrund – was aber wohl gar nicht nötig wäre.

Denn sein Wasser stammt in erster Linie aus einem Brunnenabschnitt in 134 Metern Tiefe. Und dieser Zulauf ist wohl noch ein Stückchen tiefer als die angezapfte wasserführende Schicht. Im Laufe der Jahre verschließen Ablagerungen die Schlitze, durch die das Grundwasser in den Brunnen eintritt.

Reinigung würde am Jammerpatt nicht funktionieren

Info
• Als der Stadt im Sommer 2020 das Wasser ausging, lag das vor allem an den beiden Brunnen 1 und 2 auf dem Barenberg. Dafür gab es zwei Gründe.
• Zum einen waren die Fördermengen durch Ablagerungen eingeschränkt. Inzwischen sind die Brunnen saniert und können wieder voll liefern.
• Der andere Grund ist die relativ geringe Größe des Grundwasserkörpers, aus dem die Brunnen gespeist werden. Die trockenen Jahre sorgten für Mangel.
• Der jüngste Winter hat diesen Zustand verbessert. Aber noch etwas anderes spricht für die weitere Nutzung.
• Die Qualität des Wassers ist sehr hoch. Vor allem der Kalkgehalt ist sehr niedrig.
• Vermischt mit dem kalkhaltigeren Wasser aus Brunnen 3 ergibt sich eine gute Mischung.

Am Barenberg wurden die Einlassschlitze und der dahinter befindliche Kies in diesem Frühjahr gereinigt – der Fachmann spricht von Regeneration. Am Jammerpatt würde das aber nicht funktionieren. Denn man könnte zwar die Schlitze und auch das direkt dahinterliegende Material mit einer Art „chemischer Reinigung" von den Ablagerungen befreien, doch würde damit nur wenig erreichen.

Denn da die wasserführende Schicht höher liegt, läuft das Wasser außen am Brunnenrohr entlang durch die Kiesschicht, die aber von den Ablagerungen im Laufe der Jahre immer undurchdringlicher gemacht wird. Das allerdings lässt den Effekt einer Regenerierung ins Leere laufen. Deshalb empfiehlt ein Gutachten, einen ganz neuen Weg einzuschlagen.

Fachmann sieht nur einen Weg: Neubau

Darin wird ausgeführt, dass am Bau eines neuen Brunnens eigentlich kein Weg vorbeiführt. Dafür sind zwei Standorte denkbar. Zum einen könnte er direkt neben dem bisherigen Brunnen am Jammerpatt gebohrt werden. Denkbar ist aber auch ein ganz neuer Standort im Gewerbegebiet „Am Stadtgraben". Bei beiden würde derselbe Grundwasserkörper angezapft, der deutlich ergiebiger als der im Barenberg zu sein scheint.

Die Verwaltung schlägt vor, zunächst einmal eine Art Probebohrung im Gewerbegebiet niederzubringen. Die wäre auf jeden Fall zur Erkundung des Wasserstands auch dann gut zu nutzen, wenn daraus kein neuer Brunnen wird. Damit wären die Kosten von rund 25.000 Euro auch gut investiert. Beide Alternativen brauchen ihre Zeit zur Verwirklichung, ehe Borgholzhausen wieder Selbstversorger beim Trinkwasser ist.

So geht es weiter:

 

Am Mittwochabend folgte auch der Diplom-Geologe Dr. Dirk Brehm der vorherigen Einschätzung der Verwaltung. Dr. Brehm emphielt, unbedingt an der Wasserförderung am Barenberg festzuhalten: „Sie haben dort fantastisches Wasser", sagt er. Kein Kalk, kein Nitrat – aber leider auch keine riesigen Mengen des begehrten Guts finden sich dort, wo auch der Hochbehälter steht. Deshalb müsse in absehbarer Zeit ein neuer Brunnen gebohrt werden, der ein ganz anderes Trinkwasserreservoir angreift, erklärte er.

Der beste Standort dafür sei im Gewerbegebiet Am Stadtgraben, nur wenige hundert Meter vom Barenberg entfernt. Aber durch die Lage findet sich dort Wasser von ganz anderer Beschaffenheit. Es versickert im Bereich unterhalb des Luisenturms und des Windrades, ist durchaus kalkhaltig, aber wohl in größerer Menge vorhanden – zumindest in der Theorie. Ganz praktisch soll nun rasch eine Bohrung durchgeführt werden, um zu klären, wie viel Wasser in welcher Qualität dort zu finden sein wird.

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