BorgholzhausenDieser Roboter serviert Kaffee: Warum das eine besondere Leistung ist

Drei angehende Techniker haben einen Industrieroboter auf das Einschenken von Kaffee programmiert. Das war schwierig genug. Bis zur Übernahme der Weltherrschaft durch Maschinen bleibt noch viel Zeit.

Andreas Großpietsch

Natürlich setzen die Programmierer auf Brockhagener Landmilch. - © Andreas Großpietsch
Natürlich setzen die Programmierer auf Brockhagener Landmilch. © Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. Immerhin, seine Aufgabe beherrscht der Roboter perfekt. Er holt den Becher aus dem Magazin, stellt ihn unter der Kanne ab, öffnet den Hahn und misst, wie viel Kaffee geflossen ist. Ist der perfekte Füllstand erreicht, greift er das Behältnis und setzt es an der Station für Zucker und Milch ab. In drei Stufen von wenig bis ganz viel kann er Milch hinzugießen oder auch bis zu drei Stück Zucker einfüllen. Das klingt nach wenig, wenn man bedenkt, dass Edgard Braun, Lars Markmann und Niklas Reckmann acht Wochen Arbeit in die „Ausbildung" des Geräts gesteckt haben.

Doch bei der Firma de Man im Borgholzhausener Gewerbegebiet am Bahnhof ist man mit der Leistung der drei angehenden Techniker sehr zufrieden. „Denn der Roboter kann rein gar nichts, wenn er zu uns kommt", sagt Tobias de Man, der das Projekt mit betreut hat.

In acht Wochen Arbeit programmierten diese drei angehenden Techniker den Indsutrieroboter zum Kaffeeeinschenlker - von links: Lars Markmann, Edgard Braun und Niklas Reckmann. - © Andreas Großpietsch
In acht Wochen Arbeit programmierten diese drei angehenden Techniker den Indsutrieroboter zum Kaffeeeinschenlker - von links: Lars Markmann, Edgard Braun und Niklas Reckmann. (© Andreas Großpietsch)
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Menschenähnliche Roboter gibt es nur in der Science Fiction

Für ihn und seine 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist der Umgang mit Industrierobotern täglicher Berufsalltag. Und deshalb weiß er genau, wie weit die Filmwelt mit ihren fühlenden, menschenähnlichen Robotern und die Realität der selbstständig arbeitenden Maschinen auseinanderliegen.

„Das Gerät ist nicht intelligent", betont Tobias de Man. Seine Stärken liegen auf anderem Gebiet. Ist die Programmierung gelungen, dann führt die Maschine die gewünschten Handgriffe wieder und wieder durch. Mit erschreckender Präzision und scheinbar unermüdlich – wenn denn Menschen für genug Kaffee und Becher sowie Milch und Zucker sorgen.

Für das Trio Braun, Markmann, Reckmann ist das Praktikum ein wichtiger Schritt auf seinem Weg zu staatlich geprüften Technikern im Bereich Elektrotechnik. Die jungen Männer sind Teilnehmer einer zweijährigen Zusatzausbildung am Carl-Severing-Berufskolleg für Handwerk und Technik der Stadt Bielefeld. Dort erwerben gelernte Elektrotechniker aus Industrie und Handwerk ihre nächste Qualifikationsstufe.

Die Absolventen dürften auch in Corona-Zeiten keine Probleme haben, eine entsprechende Anstellung zu finden. Vor allem, wenn sie sich im Bereich Automation bewährt haben. „Mir hat besonders gut gefallen, dass die drei sich nach einer kurzen Schulung selbst die nötigen weiteren Informationen erarbeitet haben", sagt Tobias de Man.

„Wir arbeiten mit 3 Prozent der Maximalgeschwindigkeit"

Und so aus einem Roboter, der zwar so viel kostet wie ein hochwertiger Mittelklasse-PKW, aber bei seiner Auslieferung zu keiner Bewegung in der Lage ist, eine Maschine entwickelt haben, die immerhin Kaffee ausschenken kann. Und das künftig bei Messen auch tun soll – einfach, um zu zeigen, was die Kunden im Bereich Automation erwarten können – und was nicht.

Dort darf „Robi", wie Edgard Braun, Lars Markmann und Niklas Reckmann ihre Maschine unter sich genannt haben, auch das zeigen, was er gelernt hat – und zwar ohne Käfig. Werden Roboter in der Industrie eingesetzt, müssen die Menschen vor potenziellen Gefahren durch die Maschinen durch Gitter oder Absperrungen geschützt werden.

Denn Kraft steckt auch in dem sehr flexiblen Roboterarm, der so beflissen und vor allem vorsichtig Kaffee ausschenkt. „Wir arbeiten mit 3 Prozent der Maximalgeschwindigkeit", erklärt Niklas Reckmann. Doch bei vollem Tempo würde viel Kaffee verschüttet werden und auch die Maschine selbst würde nicht so lange halten wie gewünscht, wissen die künftigen Techniker. Es sind nicht die einzigen Erkenntnisse aus den vergangenen acht Wochen.

Wo sich der Einsatz von Robotern lohnt

Das Erlernen der Programmiersprache für Roboter gehört ebenso dazu wie das Kennenlernen der praktischen Arbeit in der Robotik. „Wir haben eine Struktur, nach der wir programmieren", erklärt Tobias de Man. Den haben auch die drei jungen Männer in ihrem Projekt umgesetzt. Das ist wichtig, weil die Firma das Gerät auch künftig nutzen will.

Auf einer Messe daf das Gerät sein Können zeigen. Für eine echte Anwendung müsste der Roboterarm in einen Käfig. - © Andreas Großpietsch
Auf einer Messe daf das Gerät sein Können zeigen. Für eine echte Anwendung müsste der Roboterarm in einen Käfig. (© Andreas Großpietsch)

Ein spannender Nebeneffekt war die Nutzung eines modernen 3-D-Druckers, der bei de Man inzwischen zum Alltag gehört. Denn für die Entwicklung der Robotermaschinen zu nützlichen Helfern wird nicht nur Software gebraucht. Teile wie die speziellen Becherhalter, die dem Roboterarm das Zufassen erleichtern, werden immer nur in kleinen Stückzahlen gebraucht.

Der Aufwand, menschliche Arbeitskräfte durch Roboter zu ersetzen, ist hoch. Es lohnt sich da, wo der immer gleiche Handgriff in häufiger Wiederholung durchgeführt wird. Bis die Maschinen komplexe Aufgaben erledigen können, wird es noch einige Jahre dauern. Außer natürlich im Film. Doch bislang stecken auch dort noch Menschen im Kostüm.

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