BorgholzhausenUnter der Parkfläche: Mysteriöser Kellerraum bei Abrissarbeiten entdeckt

Beim Abriss der alten Schule in Kleekamp ist ein Kellerraum aufgetaucht. Der unbekannte Hohlraum hätte nicht nur fast einen schweren Unfall ausgelöst. Er stellt die Verantwortlichen vor ein Rätsel.

Anja Hanneforth

Der Bagger hat neben der alten Schule in Kleekamp einen Kellerraum freigelegt - von dem niemand etwas wusste. - © Anja Hanneforth
Der Bagger hat neben der alten Schule in Kleekamp einen Kellerraum freigelegt - von dem niemand etwas wusste. © Anja Hanneforth

Borgholzhausen. Baggerfahrer Andreas Mandry ist noch ganz weiß um die Nase. „Gott sei Dank habe ich mich da nicht drauf gestellt. Sonst wäre ich sicher eingebrochen." Man merkt dem Mitarbeiter der Firma Heitbrink den Schreck an. Kaum einen halben Meter neben seinem tonnenschweren Arbeitsgerät und einem Haufen Schutt klafft ein Loch im Boden.

Nicht unter dem Gebäude das er abreißen soll. Sondern daneben, unter der Fläche, die einmal als Parkplatz diente. Besonders kurios dabei: Die Existenz des Kellerraums ist niemandem bekannt, auch nicht der Stadt. „Für uns ist das ein Rätsel", bestätigt Ralf Vieweg, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters.

„Leider nicht das Bernsteinzimmer"

Fachbereichsleiter Ralf Vieweg. - © Andreas Großpietsch
Fachbereichsleiter Ralf Vieweg. (© Andreas Großpietsch)

Wie berichtet soll die alte Schule in Kleekamp dem Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses weichen. Die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss, es müssen nur noch die Bodenplatte und die Mauern des eigentlichen Kellers abgebrochen werden. Meter für Meter arbeitet sich Andreas Mandry mit seinem Kettenbagger vorwärts. Bis seine Schaufel ins Leere greift. In einen Hohlraum, von dem niemand ahnt, dass es ihn überhaupt gibt.

„Leider nicht das Bernsteinzimmer", bedauert Mandry. „Einmal etwas Richtiges finden, das wär’s." Stattdessen hätten sich in dem gut drei mal sechs Meter großen Raum lediglich einige Versorgungs- sowie Fernmeldeleitungen befunden, ansonsten sei er leer gewesen. „Wofür er wohl genutzt wurde?", fragt sich der Baggerfahrer. Zum alten Schulgebäude könne er nicht gehört haben, da er ja neben der Schule lag. Entsprechend auch neben dem Keller der Schule, zu dem es aber keinen Zugang gab. „Über den Raum ist einfach irgendwann eine Asphaltdecke gezogen worden, das war’s. Ein Wunder, dass hier nichts passiert ist und kein Auto eingebrochen ist. Oder der Müllwagen, der auf der Parkfläche immer gewendet hat."

„Vielleicht weiß irgendwer von den alteingesessenen Kleekämpern etwas"

Dem kann Ralf Vieweg nur beipflichten. „Wir haben Glück gehabt", sagt er. Was es mit dem Kellerraum auf sich hat, darüber kann er nur mutmaßen. „Vielleicht weiß ja irgendwer von den alteingesessenen Kleekämpern etwas" – Vieweg würde sich über Informationen freuen. Irritierend sei die Sache für ihn, da die alte Schule nur teilunterkellert war. „Zum Bach hin hatte man darauf verzichtet, wohl aus Angst, dass die Räume häufiger mal unter Wasser stehen könnten. „Warum nutzt man also den zusätzlichen Raum nicht, wenn man ihn doch hat?" Die Schule sei 1938 gebaut worden, eine Ölheizung habe sie aber erst später bekommen. „Vielleicht hat man bei deren Einbau die Tür zu dem kleinen Keller verschlossen. Das ist aber nur Spekulation."

Trotzdem hat sich Vieweg Gedanken gemacht. So habe es neben dem Schulgebäude einen Anbau gegeben, in dem früher einmal die Duschen für die Sportler untergebracht waren. Dieser Bau habe einen gewölbeartig gemauerten Keller gehabt. „Und der war vermutlich der Abort der Schule, denn die verfügte lange Jahre selbst über keine eigenen Toiletten." Die seien erst in den 1960er Jahren installiert worden. „War der jetzt aufgetauchte Raum vielleicht auch mal ein Klo?" Dass er schon seit den 1930er Jahren existierte, steht für Vieweg fest. „Alles andere macht keinen Sinn."

Was wird aus der alten Notfalltreppe?

Während die Schule dem Erdboden gleich gemacht wird, ragt ein Element aus den Schuttresten hervor: die eiserne Notfalltreppe, erst vor wenigen Jahren installiert. Sie würde einen guten Aussichtsturm für das neue Dorfgemeinschaftshaus abgeben, finden nicht wenige der Anlieger. „Aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich", bedauert Vieweg. Und der finanzielle Aufwand, sie für sich allein, ohne Anlehnung an das dreigeschossige Gebäude, zu erhalten, wäre einfach zu hoch.

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