BorgholzhausenDas bessere Internet? Wie ein Dorfplatz digitalisiert werden kann

Die App „Crossiety“ präsentiert sich als das bessere Internet: Weil die Teilnehmer nicht anonym sind, können sich Debatten anders entwickeln. Das Programm wurde bewusst für kleinere Orte entwickelt und bietet trotzdem große Möglichkeiten.

Andreas Großpietsch

Crossiety funktioniert gut in Gemeinschaften von kleinen Städten. Dort kann es die Kommunikation zwischen den Menschen beflügeln. Die Einführung des Programms, das auf Handy, Tablet und PC funktioniert, wird jetzt auch in Borgholzhausen erwogen. - © Ulrich Fälker
Crossiety funktioniert gut in Gemeinschaften von kleinen Städten. Dort kann es die Kommunikation zwischen den Menschen beflügeln. Die Einführung des Programms, das auf Handy, Tablet und PC funktioniert, wird jetzt auch in Borgholzhausen erwogen. © Ulrich Fälker

Borgholzhausen. „Der Erfolg hängt davon ab, ob die Vereine mitmachen", sagt Stefan Neisemeier, der Geschäftsführer von Crossiety Deutschland. In 50 Orten in der Schweiz, wo die App entwickelt wurde, und 20 in Deutschland gibt es das Angebot für das bessere, lokalere Internet. Die Erfahrung zeigt, dass es in manchen Orten deutlich besser angenommen wird als in anderen – und auch dafür gibt es Gründe.

Viele mögen Facebook – und viele gar nicht

„Man braucht immer jemanden, der die Lokomotive macht", haben Neisemeier und sein Kollegen festgestellt. Dass es auch in Borgholzhausen funktionieren kann, glauben die Mitglieder der Hauptausschusses nach der Präsentation quer durch alle Parteien – aber das ist nicht mehr als einer der ganz frühen Schritte. Immerhin einigten sie sich darauf, jetzt den nächsten Schritt zu machen und auf die Vereine zuzugehen – und dieser Schritt wird entscheidend sein.

Wohl keine Jugendmannschaft, die nicht über eine WhatsApp-Gruppe Fahrdienste und Termine abspricht, und auch die Piumer Facebook-Gruppe hat einige hundert Mitglieder. Es wird fleißig im Netz kommuniziert – und zwar von Menschen aller Altersgruppen und schon längst nicht mehr nur von den jüngeren.

Nicht wenigen gefällt das derzeitige Angebot nicht. Zum Beispiel, weil der Ton in Diskussionsgruppen schnell in den Bereich Häme und Beleidigung wechseln kann. Andere empfinden mehr als nur Unbehagen bei dem Gedanken, dass sie amerikanischen Tech-Giganten ihre Daten ausliefern, mit denen die Geschäfte machen.

Das Geschäftsmodell von Crossiety ist anders: Einen Euro pro Einwohner müsste die Stadt für den grundlegenden Dienst zahlen. Werbeaktionen oder Workshops kosten extra. Dafür können die Daten im Unternehmen bleiben, sagte Neisemeier. „Die Server stehen in der Schweiz, weil das Programm dort entwickelt worden ist." Und zwar ganz bewusst als Gegenmodell zum Üblichen.

Einheimische sind verantwortlich

Ganz besonders deutlich wird das auf dem zentralen Marktplatz, auf dem sich jeder Borgholzhausener äußern kann. Das aber auch nur, wenn er es unter seinem echten Namen tut. Die Beobachtung der Agentur: Die Zahl der Nachrichten sinkt dabei deutlich. Aber gleichzeitig steigt deren Relevanz. Von der Idee des geschützten Dorfplatzes ausgehend, können sich daraus viele weitere Gruppen bilden.

Verantwortlich für diese ebenfalls geschützten Bereiche ist dann der jeweilige Einheimische, der die Gruppe ins Leben gerufen hat. In solche Gruppen aufgenommen werden können auch Menschen, die nicht im direkten Crossiety-Umfeld wohnen. Das ist zum Beispiel wichtig für die Vereine, deren Mitglieder natürlich nicht nur aus Borgholzhausen stammen, um im Beispiel zu bleiben.

In der Diskussion im Hauptausschuss wurde das Projekt sehr wohlwollend aufgenommen. Schon seit etlichen Jahren beschäftigen sich Politik und Verwaltung mit der Idee einer Pium-App. Verschiedene Möglichkeiten wurden geprüft, aber restlos überzeugend war wohl kein Vorschlag. Das könnte mit Crossiety anders sein. Gespannt ist man in Pium auch, was die Nachbarstädte sagen.

Denn auch in Versmold und Werther wird die Idee jetzt der Politik präsentiert. Wenn auch Nachbarstädte mitmachen, wäre es auch für Borgholzhausen von Nutzen, betont Neisemeier. Das Programm bietet etliche andere Möglichkeiten wie zum Beispiel die Organisation von Nachbarschaftshilfe oder einem lokalen Marktplatz, der ähnlich wie E-Bay funktioniert, aber eben rein lokal bleibt.

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