Borgholzhausens Einzelhändler kämpfen im Lockdown um jeden Kunden

Auch in Borgholzhausen nutzen Geschäftsleute alle Möglichkeiten, um die Ware an den Mann zu bringen. Nur Serviceleistungen laufen weiterhin gut, aber der Blick in die Zukunft trübt die Hoffnung.

Uwe Pollmeier

Man muss nur hoch genug in der Luft sein, um die leeren Einkaufsstraßen in der Piumer Innenstadt nicht erkennen zu können. Corona lässt den Umsatz der Einzelhändler einbrechen, aber es ist auch nicht sicher, ob nach der Pandemie wieder alles besser wird. Foto: Ulrich Fälker - © Ulrich Fälker
Man muss nur hoch genug in der Luft sein, um die leeren Einkaufsstraßen in der Piumer Innenstadt nicht erkennen zu können. Corona lässt den Umsatz der Einzelhändler einbrechen, aber es ist auch nicht sicher, ob nach der Pandemie wieder alles besser wird. Foto: Ulrich Fälker (© Ulrich Fälker)

Borgholzhausen. Exakt eine Woche und einen Tag vor Heiligabend schlossen viele Einzelhändler ihre Türen. Bis heute hat sich daran nichts geändert, Lockerungen wurden in Aussicht gestellt, aber eine feste Perspektive gibt es derzeit noch nicht. Auch in Borgholzhausen können einige Einzelhändler entsprechend der Corona-Schutzverordnung noch gewisse Dingen anbieten, so dass es nicht zum völligen Stillstand gekommen ist. Dennoch hinterlässt die Zeit natürlich Spuren beim Umsatz und drückt den Einzelhändlern aufs Gemüt.

„Das ist alles psychisch gesehen nicht schön, aber wir sind da und arbeiten und irgendwann ist Corona auch rum", sagt Frank Stenzel, der nicht nur in Borgholzhausen, sondern auch in Versmold die Telekommunikationsfachgeschäfte Telecomfort betreibt.

Seine Geschäfte sind derzeit eingeschränkt geöffnet, allerdings darf er in den Geschäftsräumen nur Störungen und Reparaturen annehmen. „Wer etwas kaufen möchte, kann es vorbestellen und abholen", sagt Stenzel. Die Beratung erfolge telefonisch, die Abholung an der Tür.

Die Corona-Zeit sei keine einfache, allerdings verstehe er Kollegen auch nicht, die ihre Öffnungszeiten nun deutlich einschränken. Man sollte zeigen, dass man weiterhin für die Bürger da ist. Sonst könne man sich hinterher auch nicht darüber beschweren, dass frühere Kunden plötzlich woanders einkaufen.

„2021 wird umsatzmäßig sicherlich kein tolles Jahr sein, man sollte halt immer vorsichtig sein", sagt Stenzel. Es sei nicht die Zeit für Expansionen, aber mit zwei Filialen und sechs Vollzeitkräften stehe er gut da. „Wir kommen durch, aber das ist alles nur eine Beschleunigung von dem, was ohnehin in fünf Jahren passiert wäre", befürchtet Stenzel. Corona habe den Wandel vom stationären Handel zum Onlinegeschäft nur schneller vollzogen. Er rechne nicht damit, dass sich das Rad am Pandemieende noch einmal komplett zurückdrehen lässt. „Nach dem ersten Lockdown strömten die Menschen eine Woche lang in die Geschäfte, danach wurde es auch wieder ruhiger", sagt Stenzel.

„Viele kaufen inzwischen aber auch im Internet, das ist halt einfacher"

Thomas Rohlmann, Inhaber des gleichnamigen Elektrofachgeschäfts, versucht ebenfalls, die positiven Aspekte hervorzuheben und nicht ins Dauerjammern zu verfallen. „Waschmaschinen gehen auch in der Pandemie kaputt", sagt Rohlmann, dessen tägliches Geschäft zu rund 40 Prozent aus Serviceleistungen besteht. Der Kundenservice ist derzeit uneingeschränkt unterwegs, um defekte Geräte zu reparieren, oder gegen neue auszutauschen. Die Nachfrage sei ähnlich hoch wie vor Corona.

Elektroexperte Thomas Rohlmann. - © Detlef Hans Serowy
Elektroexperte Thomas Rohlmann. (© Detlef Hans Serowy)

„Man hat sich mittlerweile dran gewöhnt", sagt Rohlmann, gibt aber auch zu, dass ihm die persönlichen Kontakte fehlen. In der Nähe seines Geschäfts gebe es zwei Friseure. „Die haben in den vergangenen Wochen keinen einzigen Cent verdient. Die können nicht einfach zu den Kunden nach Hause fahren", sagt Rohlmann.

Wer bei ihm etwas kaufen möchte, muss es vorbestellen und an der Tür abholen. „Viele kaufen inzwischen aber auch im Internet, das ist halt einfacher", sagt Rohlmann. Sein Team ist nahezu komplett im Einsatz, lediglich eine Mitarbeiterin aus dem Bürobereich musste vorübergehend in die Kurzarbeit geschickt werden.

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