Bleibt es beim Erdkabel? Endspurt für Kritiker an geplanter Stromtrasse

Ab dem 27. Januar sind die Planunterlagen für den Borgholzhausener Abschnitt der 380-kV-Höchstspannungsleitung im Internet einsehbar – Amprion hat sie wie vorgesehen eingereicht. Corona soll kein Grund für Verzögerungen werden.

Andreas Großpietsch

Jede Menge massiver Masten am bisherigen Endpunkt hinter dem Hesselner Umspannwerk. Man beachte die freundliche Kuh am Fuß des Stahlungeheuers, die sich als Größenmaßstab anbietet. Im direkten Borgholzhausener Siedlungsbereich soll die Höchstspannungsleitung unterirdisch verlegt werden. - © Andreas Großpietsch
Jede Menge massiver Masten am bisherigen Endpunkt hinter dem Hesselner Umspannwerk. Man beachte die freundliche Kuh am Fuß des Stahlungeheuers, die sich als Größenmaßstab anbietet. Im direkten Borgholzhausener Siedlungsbereich soll die Höchstspannungsleitung unterirdisch verlegt werden. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen/Detmold. Stattliche sieben Ordner voller Papier umfasst der komplette Ausdruck der Unterlagen für das sogenannte Planfeststellungsverfahren, mit dem das Projekt Höchstspannungsleitung jetzt fortgesetzt wird. Die entsprechenden Pakte mit den Gutachten, Plänen und Untersuchungsberichten sind in den Rathäusern von Halle und Borgholzhausen eingetroffen worden. Dort können sie notfalls auch eingesehen werden – wenn es gar nicht anders geht.

Das schreibt die Gesetzgebung vor und selbst das spezielle Planungssicherungsgesetz, das der Bund wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie erlassen hat, schließt ein solches Recht nicht kategorisch aus. Grundsätzlich sollen aber alle Menschen, die sich für das Verfahren interessieren, das Internet nutzen. Am 27. Januar wird die Bezirksregierung die Unterlagen zur allgemeinen Einsichtnahme freischalten.

Michael Weber - © Amprion
Michael Weber (© Amprion)

Vier Wochen Zeit für Einwendungen

Einen Monat lang haben dann alle Beteiligten Zeit, die verschiedenen Schriftstücke und Planunterlagen zu studieren und herauszufinden, ob sie Kritik an dem Bauvorhaben äußern möchten. Diese Auslage endet am 26. Februar. Und auch im Anschluss daran ist der Zeitplan recht straff.

Denn für den nächsten Schritt haben alle Bürger*innen und Institutionen, die sich dazu berufen fühlen, genau bis zum 26. März Zeit. An diesem Freitag müssen die Einwendungen bei der Bezirksregierung eingegangen sein. Ob sie per Hand, mit der Schreibmaschine oder über das Internet verfasst sind, spielt keine Rolle. Alle Einwendungen werden von der Bezirksregierung gesammelt und dann an die Amprion GmbH weitergereicht.

Anders als bei der Autobahnplanung wird hier keine Behörde die Antworten geben. Übertragungsnetzbetreiber Amprion muss auf jede Einwendung eingehen und diese Antworten dann der Bezirksregierung vorlegen. Wie lange dieser Verfahrensschritt dauert, ist nicht bis ins Detail planbar. Schließlich können weder die Menge noch die fachliche Qualität der Eingaben geplant werden. Die Bezirksregierung entscheidet dann, ob noch eine öffentliche Anhörung durchgeführt wird.

Bezirksregierung ist der Schiedsrichter

Und am Ende des Verfahrens entscheidet die Bezirksregierung dann, ob Amprion seinen Antrag ausreichend gut begründet hat. „Der Schiedsrichter hat die Unterlagen jetzt entgegengenommen und wird später dann die Entscheidung treffen, ob alles korrekt war", zieht Michael Weber einen sportlichen Vergleich. In dieses Bild passt sicher auch der Ausdruck vom Marathonlauf, der jetzt noch vor allen Beteiligten liegt. Ein positiver Beschluss im Jahr 2022 ist da nur eine Etappe.

Drei Jahre Bauzeit sind für das eigentlich recht kurze Stück zwischen dem derzeitigen Leitungsende am Umspannwerk in Hesseln und der Landesgrenze vorgesehen. „2026 folgt dann die Inbetriebnahme", sagt Weber – unter der Voraussetzung, dass bis dahin keine größeren Stolpersteine aufgetaucht sind.

4,2 Kilometer Erdverkabelung sind beantragt

Der recht aktive Widerstand gegen die geplante Erdverkabelung könnte zu einem solchen Stolperstein werden. In den vergangenen Monaten waren die Schilder mit Kritik an der Erdverkabelung in Borgholzhausen unübersehbar. Allerdings gilt auch hier die alte Fußballerweisheit: „Entscheidend ist auf dem Platz." Und dieser Platz ist am Ende oft das Verwaltungsgericht.

4,2 Kilometer lang ist die beantragte Erdverkabelung für die Trasse. Davor und dahinter schließen sich jeweils Streckenabschnitte an, die mit Freileitungen auf hohen Masten arbeiten. Im Bereich Hesseln sind die ersten dieser Masten bereits errichtet. Im gesamten Borgholzhausener Tal soll das Kabel unterirdisch verlaufen. Das war das Ergebnis der Beratungen im Planungsdialog und genau das wurde jetzt auch beantragt. Der Bau soll abschnittsweise in einer offenen Grube erfolgen.

Speckmann begrüßt Start des Verfahrens

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„Es geht jetzt zügiger los, als ich es erwartet hatte", räumt Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann ein. „Allerdings begrüße ich das trotz der corona-bedingten Besonderheiten bei der Öffentlichkeitsbeteiligung außerordentlich", erklärt er. „Denn umso schneller besteht auch Klarheit". sagt Speckmann.Klarheit darüber, ob der Planungsdialog letztendlich erfolgreich war, Klarheit darü-ber, ob die Stadt wie gewünscht die Höchstspannungsleitung an der Grenze zur Bebauung unter die Erde bringen kann. Die nicht ganz so rasch erwartete Antragstellung verändert auch die städtische Termingestaltung. Am 3. März wird es eine zusätzliche Sitzung des Bau- und Planungsausschusses geben. Am 18. März muss dann auch der Rat entscheiden – Corona hin der her. Denn auch die Stadt hat nur eben jene vier Wochen Zeit, ihre offizielle Stellungnahme ins Verfahren einzubringen.

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