BorgholzhausenMit 74 in Kraftwerk investiert: „So eine Anlage lohnt sich auf jeden Fall“

Diedrich van Rüschen ist 74 Jahre alt und jetzt Kraftwerksbetreiber. 26 Solarmodule wurden Anfang Dezember auf seinem Haus montiert. Die Stromausbeute ist jahreszeitlich bedingt klein, doch es ist ein ganz anderer Aspekt, der ihn gewaltig ärgert.

Andreas Großpietsch

Ein Baum musste fallen und auch die Installation der Solarelemente auf dem Dach erforderte ein wenig mehr Planung als üblich. Doch jetzt endlich ist die eigene Stromversorgung möglich, freut sich Diedrich van Rüschen. - © Andreas Großpietsch
Ein Baum musste fallen und auch die Installation der Solarelemente auf dem Dach erforderte ein wenig mehr Planung als üblich. Doch jetzt endlich ist die eigene Stromversorgung möglich, freut sich Diedrich van Rüschen. © Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. „Immer wieder werde ich gefragt, ob sich der Bau der Anlage für einen Menschen in meinem Alter denn noch rechnet“, sagt Diedrich van Rüschen. Und es ist nicht so sehr der wenig subtile Hinweis auf die Endlichkeit des menschlichen Lebens, der ihn dabei aufregt. Sondern die grundsätzliche Einstellung des Fragestellers, die sich dadurch offenbart. Denn für den Borgholzhausener ist die Investition in jedem Fall sinnvoll – weil es nicht allein um Geld geht.

Beim neuen Auto fragt ja auch niemand, ob sich das lohnt – obwohl schon beim Kauf klar ist, dass der Käufer nur draufzahlen wird. Bei der Photovoltaikanlage ist das ganz anders, denn sie bietet Erträge – auch wenn es ein wenig dauern kann, bis die Gewinnzone erreicht ist. Diedrich van Rüschen persönlich hat diese Zone allerdings schon mit dem Tag der Installation erreicht, ist er überzeigt – ganz abseits von den rein finanziellen Aspekten des Projekts.

Mit Stromspeicher, WLAN-Anschluss und lückenloser Überwachung auf dem Handy ist Diedrich van Rüschens Anlage ausgestattet. - © Andreas Großpietsch
Mit Stromspeicher, WLAN-Anschluss und lückenloser Überwachung auf dem Handy ist Diedrich van Rüschens Anlage ausgestattet. (© Andreas Großpietsch)

Immer neue Ideen im Kampf gegen den Klimawandel

Es ist sein jüngster persönlicher Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel, dass er sein Hausdach jetzt zur Stromerzeugung nutzt. „Vor fünf Jahren habe ich das Dach der Garage begrünt und im Garten freue ich mich über den Anblick meiner Wildblumenwiese“, nennt er zwei Beispiele. Seine eigenen Strom zu erzeugen, war eine Idee, mit der er sich schon eine ganze Weile beschäftigt hat.

Doch dieser Wunsch war angesichts der Gegebenheiten seines Grundstücks nicht ganz einfach umzusetzen. Möglich wurde die Sache erst, als dort ein prächtiger Kirschbaum abgesägt werden musste. „Der stand ganz nah an der Terrasse und war schon so hoch, dass er die Solaranlage zum Teil verschattet hätte“, erklärt van Rüschen das Problem.

Einen Baum zu fällen, um etwas für die Umwelt tun zu können, schien ihm aber auch nicht so überzeugend zu sein. Da kam ihm der „natürliche Tod“ des großen Gewächses ganz recht und Diedrich van Rüschen konnte sich daranmachen, das Anlagenkonzept zusammen mit einem Unternehmen zu entwickeln. Wegen der großen Gaube im Dach war das kein ganz einfaches Unterfangen, erklärt er.

Stolze 8,84 Kilowatt Peak Leistung konnte er auf dem Dach seines Hauses an der Straße Osterfeld installieren. Zu der Anlage, die insgesamt 22.000 Euro gekostet hat, gehört auch noch ein Stromspeicher mit einer Kapazität von 7,5 Kilowattstunden, der im Keller gleich neben dem Wechselrichter installiert ist.

Unabdingbar für die Anlage ist ein WLAN-Anschluss, denn van Rüschen nutzt eine Variante der üblichen Einspeisevergütung. Der Anbieter nutzt allen Strom, den die Anlage produziert und der weder in der Batterie landet noch durch Geräte im Haus verbraucht wird. „Die Überschüsse werden in die Cloud eingespeist“, erklärt van Rüschen. Die funktioniert virtuell in der Art eines Sparkontos für Elektrische Energie.

Überschüsse werden in der Strom-Cloud virtuell gespeichert

Derzeit nimmt der frisch gebackene Solarkraftwerksbetreiber allerdings eher einen Kredit in der Cloud auf – immerhin ebenfalls zu 100 Prozent zertifizierten Ökostrom. Wenn die Sonne wieder etwas mehr scheint als in den aktuell recht trüben Tagen rund um die Jahreswende, sollte sich die Fließrichtung des elektrischen Stroms aber umkehren und der Kontostand sollte langsam ins Plus drehen.

Genau verfolgen kann van Rüschen die Entwicklung auf einer Smartphone-App, die ihn jederzeit aktuell über das Geschehen informiert. Im Augenblick sind die Erträge ebenso gering wie der Inhalt des Batteriespeichers in seinem Keller, doch beides wird sich ändern, ist er sicher.

Gerne würde er sein Wohnhaus durch eine Luftwärmepumpe ökologisch weiter verbessern, doch dazu müsste er auch noch in eine Fußbodenheizung investieren. Ganz ausgeschlossen ist das trotz des Aufwandes nicht, sagt er.

Mit seinem Beispiel möchte er aber andere Menschen ermutigen, ebenfalls in Klimaschutz-Projekte zu investieren. Leere perfekt ausgerichtete Dächer ohne Photovoltaik sind ihm zuwider. Fast so sehr wie die Frage, ob sich das denn noch lohnt.

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