Borgholzhausen39 von 44 Bewohnern in Dissen infiziert: Wie ist die Lage in Borgholzhausen?

In den Seniorenheimen in Deutschland bleibt die Lage extrem angespannt. In Pium sieht man inzwischen Licht am Ende des Tunnels. Ganz anders im DRK-Heim in Dissen. Dort hat es einen gewaltigen Ausbruch gegeben.

Anke Schneider

Im DRK-Seniorenheim in Dissen sind fast alle Bewohner mit Corona infiziert. Vier von ihnen sind inzwischen gestorben. Das Team durchlebt gerade eine harte Zeit. - © Anke Schneider
Im DRK-Seniorenheim in Dissen sind fast alle Bewohner mit Corona infiziert. Vier von ihnen sind inzwischen gestorben. Das Team durchlebt gerade eine harte Zeit. © Anke Schneider

Borgholzhausen/Dissen. Im Borgholzhausener Seniorenheim entspannt sich die Lage allmählich. „Eine Bewohnerin, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatte, ist noch bis Donnerstag in Quarantäne und wenn das vorbei ist, dann sind wir sauber", schaut DRK-Geschäftsführer Dennis Schwoch optimistisch in die Zukunft. Ein Bewohner, der sich mit dem Corona-Virus infiziert hatte, ist allerdings kürzlich gestorben. „Bei hochbetagten Senioren muss man allerdings vorsichtig sein", so Schwoch. Das müsse nicht bedeuten, dass der Betroffene aufgrund der Virusinfektion gestorben sei.

39 von 44 Bewohnern sind mit der Krankheit infiziert worden

Eine weitere Mitarbeiterin hat sich infiziert und zeigt inzwischen auch Symptome. „Sie ist auch weiterhin in Quarantäne", so Dennis Schwoch. Alle anderen Infizierten hatten keine Symptome. Insgesamt waren 13 Bewohner*innen und sieben Mitarbeiter*innen infiziert.

Christine Törner hat eine harte Zeit hinter sich. - © Anke Schneider
Christine Törner hat eine harte Zeit hinter sich. (© Anke Schneider)

Einige Piumer haben ihre Verwandten im DRK-Seniorenheim in Dissen und hier sieht die Situation ganz anders aus. Seit vier Wochen kämpft die Einrichtung, in der inzwischen 39 von 44 Bewohnern infiziert waren oder sind, gegen das Virus. Unter den Bewohnern gab es bereits vier Todesfälle. Von den 60 Mitarbeitern haben sich bislang insgesamt 25 mit Corona infiziert. Bereits seit dem 22. Dezember steht das ganze Haus unter Quarantäne.

Für die Angehörigen, die ihre Verwandten derzeit nicht besuchen dürfen, ist das eine besonders schlimme Situation. „Ich habe meinen Lebensgefährten seit Oktober nicht mehr gesehen", sagt Lore Redecker aus Borgholzhausen. Sie selbst leidet unter COPD und Asthma und hat sich wegen der sich häufenden Fälle in Seniorenheimen nicht mehr getraut, den 82-Jährigen zu besuchen. Als sie von dem Ausbruch Ende Dezember hörte, hieß es, ihr Lebensgefährte sei nicht betroffen.

Am 6. Januar erhielt die Piumerin Post vom Gesundheitsamt des Landkreises Osnabrück, mit der ihr mitgeteilt wurde, dass ihr Lebensgefährte positiv getestet und in Quarantäne sei. Bei einem Anruf im Seniorenheim entschuldigte man sich dafür, dass man die Angehörigen nicht gleich informiert habe. Der Bewohner sei bereits am 4. Januar positiv getestet worden. „Dass man das durch das Gesundheitsamt erfährt, war ein Schreck", so Lore Redecker.

Am 8. Januar hieß es von Seiten der Einrichtung, der 82-Jährige habe Husten und Fieber. „Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut", so die Piumerin. Man versprach, sich täglich zu melden. „Dann habe ich aber wieder nichts gehört und heute angerufen", sagt Lore Redecker. Ihr Lebensgefährte habe weiterhin nur leichte Symptome.

„Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht"

Lore Redecker leidet sehr unter der mangelnden Informationspolitik des Seniorenheims. Man sitze zu Hause und mache sich große Sorgen. „Ich kann leider nicht mit ihm telefonieren, das kann er nicht mehr", sagt die Piumerin. Darum sei sie darauf angewiesen, dass die Mitarbeiter des Pflegeheims sie auf dem Laufenden hielten.

„Was wir hier durchmachen, wünscht man seinem ärgsten Feind nicht", wirbt Einrichtungsleiterin Christina Törner für Verständnis für Versäumnisse, die es mit Sicherheit gegeben habe. „Wir arbeiten hier ohne freie Tage am Limit, haben alles selber aufgefangen und mussten kein Fremdpersonal dazu holen, was ja auch immer ein Risiko ist", so Christina Törner. Diese Krise habe die Einrichtung nur meistern können, weil das Team zusammengehalten hat. „Alle haben angepackt und niemand war sich für irgendwas zu schade", so Törner weiter. Lob gebühre vor allem der Pflegedienstleitung Nadine Johannmeier. „Vor ihr ziehe ich echt den Hut."

Hineingetragen worden sei das Virus in das Haus durch einen Angehörigen, der seine Mutter abgeholt habe, so die Einrichtungsleiterin weiter. „Es war unglaublich, wie schnell es sich hier verbreitet hat", sagt sie. Am 4. Januar, als die Testergebnisse kamen, sei die Hölle los gewesen. „Da haben wir nicht alle Angehörigen sofort benachrichtigen können."

Fast alle Mitarbeiter in Dissen wollen die Impfung bekommen

Inzwischen sind noch 21 Bewohner infiziert. Der nächste Test soll am 15. Januar starten. Gleichzeitig wurde unter den Mitarbeiter*innen eine Abfrage gestartet, wer sich impfen lassen würde. „Die Quote liegt bei 95 Prozent", so Christina Törner. Viele seien es nach den Infektionen aber ohnehin nicht mehr, die noch eine Impfung bekommen können. „Und solange wir Corona im Haus haben, können wir ohnehin nicht impfen."

In Pium wurde die zweite Impfrunde vom 23. Januar auf den 30. Januar verschoben. „Das haben die Ärzte so entschieden, da nach der ersten Runde noch ein paar Menschen nachgeimpft wurden", so Dennis Schwoch. Bis dahin könnte die Einrichtung in Pium coronafrei sein, hofft der Geschäftsführer.

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