BorgholzhausenGewaltiges Gebäude und Grundstück zum Schnäppchenpreis: Was ist der Haken?

Den Traum vom Leben auf dem Lande mit der Ersteigerung eines alten Hauses preiswert zu starten, könnte bei dieser Scheune in Ostbarthausen gelingen. Doch um das Märchen danach wahr werden zu lassen, wären Zauberkräfte nicht schlecht.

Andreas Großpietsch

Ein gewaltig großes Gebäude auf einem riesigen Grundstück zum Schnäppchenpreis - da muss es doch einen Haken geben? Ja, die gibt es. - © Andreas Großpietsch
Ein gewaltig großes Gebäude auf einem riesigen Grundstück zum Schnäppchenpreis - da muss es doch einen Haken geben? Ja, die gibt es. © Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. Das Dornröschenschloss liegt an der Osnabrücker Straße in Ostbarthausen und ist von imposanter Größe: 250 Quadratmeter beträgt allein die Grundfläche. Und auch das mit den Dornen stimmt – in den letzten Jahrzehnten hatten sie Zeit genug, um zum fast undurchdringlichen Dickicht zu wuchern. Eine Prinzessin sucht man im Inneren des Gebäudes allerdings vergebens – was vielleicht kein Nachteil ist. Denn von einem Märchenschloss ist das Bauwerk, das am Freitag, 8. Januar, ab 9 Uhr im Haller Amtsgericht zwangsversteigert wird, doch noch sehr weit entfernt.

Man braucht neben Fantasie viel Geld und noch viel mehr Tatkraft

Mit viel Vorstellungskraft, einer Menge Geld und märchenhafter Tatkraft könnte das Bauwerk, das vermutlich 1944 errichtet wurde, zu strahlenden Höhe aufsteigen, für die es nie gedacht war. Eigentlich handelt es sich bei dem Bau aus roten Ziegeln um eine Scheune, die zu dem benachbarten, liebevoll sanierten Fachwerkgehöft gehörte. Und in gewisser baurechtlicher Weise besteht diese Verbindung bis heute fort. Darin liegt auch die Chance für eine Umnutzung des Gebäudes zu Wohnzwecken, die durch die Lage im Außenbereich eigentlich ausgeschlossen wäre.

Denn für den gesamten Gebäudekomplex sind drei Wohneinheiten genehmigt. Brauchte der Nachbar vielleicht selbst nur zwei davon und wäre bereit, eine abzugeben, dann könnte man beim zuständigen Bauordnungsamt in Gütersloh eine entsprechende Bauvoranfrage stellen. Wie die Antwort ausfällt, ist aber zumindest ungewiss.

Das steht auch im Gutachten und ist ein entscheidendes Kriterium bei der Bewertung, die zu jeder Zwangsversteigerung gehört. Ein solches Gutachten soll nicht bewerten, was vielleicht aus einer Immobilie werden könnte, sondern den aktuellen Stand darstellen. Und aktuell liegt eine Genehmigung für Wohnzwecke nicht vor. Und das ist nicht das einzige Detail, was nicht vorhanden ist.

Keine Anschlüsse für Strom und Wasser, von Telefon oder Gas ganz zu schweigen. Für das Abwasser müsste man eine Dreikammer-Kleinkläranlage errichten, denn der nächste Kanal ist weit. Bauschäden gibt es auch, was in einem Alter von gut 75 Jahren auch nicht besonders verwunderlich ist. Doch einsturzgefährdet ist das Gebäude nicht, sagt das Gutachten. Der Grund dafür sei die gute Belüftung.

Es gab allerdings schon früher einmal Baupläne und sogar eine Baugenehmigung, die aber bereits vor Jahrzehnten wieder erloschen ist. Im Inneren des Gebäudes gibt es einige abgeschlossene Räumlichkeiten, in denen sich neben Staub auch Schrottautos, alte Reifen und sonstige Hinterlassenschaften angesammelt haben. Das zeigen die Fotos, die sich im Gutachten des Amtsgerichts finden.

All diese mehr oder weniger offenkundigen Mängel sorgen dafür, dass in diesem Gutachten ein Verkehrswert von nur 41.500 Euro festgestellt ist. Dem stehen 5.110 Quadratmeter Grundstück gegenüber. Und ein Gebäude mit den stolzen Abmessungen von etwa 19 mal 13 Metern, das über solide Wände aus 38 Zentimeter starkem Ziegelmauerwerk verfügt. Das Gebäude steht gut 20 Meter von der ehemaligen Bundesstraße 68 entfernt. Das südliche Ende des Grundstücks ist die Bahnlinie, auf der der Haller Willem verkehrt, der direkt daneben übrigens unbeschrankte Bahnübergänge aufweist. Das macht lautes Warnhupen unumgänglich. Hinter den massiven Mauern würde man davon nach einer Sanierung wohl nichts hören. Derzeit könnte der Schall allerdings noch leicht durch die großen ehemals massiven Holztore dringen, die sich in jeweils doppelter Ausführung auf der Nord- und der Südseite der Scheune finden.

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