Inbetriebnahme 2026: Plan für die Erdverkabelung in Borgholzhausen steht

Heiko Kaiser

Projektleiterin Stephanie Henger erläuterte unter anderem, welche Art von Masten zum Einsatz kommen. - © Amprion
Projektleiterin Stephanie Henger erläuterte unter anderem, welche Art von Masten zum Einsatz kommen. (© Amprion)

Borgholzhausen. Bereits vor der Offenlage hat Amprion die Grundzüge seiner Planungen für die Erdverkabelung besprochen. In zwei jeweils zweistündigen Online-Veranstaltungen präsentierten Amprion-Mitarbeiter das Projekt und beantworteten eingegangene Fragen.

Das Vorhaben

Die Energiewende macht den Bau von 380-Kv-Leitungen notwendig. Durch die Stilllegung von Kraftwerken und Verschiebung der Energieerzeugung beispielsweise durch Offshore-Windparks müssen Leitungsnetze durch das gesamte Land gezogen werden.

Stand des Verfahrens

Im Planfeststellungsverfahren sollen Interessenskonflikte, die solche große Infrastrukturprojekte mit sich bringen, gegeneinander abgewogen werden. Dafür ist die Planfeststellungsbehörde zuständig – hier die Bezirksregierung in Detmold. Das Projekt Leitungsbau in Borgholzhausen befindet sich derzeit noch im ersten Abschnitt, der Planerstellung. Im Dezember will Amprion diese Pläne bei der Bezirksregierung einreichen und plant, dass Unterlagen im ersten Quartal 2021 ausgelegt werden, so dass sie von allen einsehbar sind. Danach haben Institutionen wie zum Beispiel Umweltbehörden- und Verbände oder auch Betroffene die Gelegenheit, Stellungnahmen und Einwendungen abzugeben. Frühestens im dritten Quartal 2022 rechnet Amprion dann mit einem sogenannten Planfeststellungsbeschluss, was mit einer Baugenehmigung für das Großprojekt gleichzusetzen ist. Den Baubeginn plant Amprion im dritten Quartal 2023, die Inbetriebnahme 2026.

Leitungsverlauf

Auf der linken Seite ist rot umrandet die Übergabestation südlich des Riesberges zu sehen. Von dort verläuft das Erdkabel in nördlicher Richtung zumeist entlang der alten Freileitung. Schlenker macht sie in Höhe der Siedlung Heidbreder Weg sowie an der Bielefelder Straße (rechts). - © Heiko Kaiser
Auf der linken Seite ist rot umrandet die Übergabestation südlich des Riesberges zu sehen. Von dort verläuft das Erdkabel in nördlicher Richtung zumeist entlang der alten Freileitung. Schlenker macht sie in Höhe der Siedlung Heidbreder Weg sowie an der Bielefelder Straße (rechts). (© Heiko Kaiser)

Insgesamt beträgt die Leitungslänge 8,2 Kilometer, bestehend aus Freileitung, Teilerdverkabelung und zwei Übergangsbauwerken. Die geplante Trasse folgt zunächst der bestehenden Trasse durch das Hesseltal bis südlich des Riesberges (siehe Karte oben). Hier soll das erste Übergangsbauwerk errichtet werden, an dem die Kabelübergabe von der Freileitung zur Erdverkabelung stattfindet. Diese und die Übergabestation haben einschließlich von Umzäunung und Begrünungsstreifen eine Flächengröße von 120 mal 60 Metern. Die neue Trasse folgt anschließend der bestehenden über den Riesberg hinaus in Richtung Borgholzhausen. In Höhe der Siedlung, die vom Heidbreder Weg umschlossen wird, schwenkt die Leitung in westliche Richtung ab von der bestehenden Trasse. Den Grund nennt Amprion-Projektleiterin Stephanie Henger: „Hier geben wir der Stadt Borgholzhausen die Möglichkeit, das Siedlungsgebiet zu erweitern."

Im weiteren Verlauf in nördlicher Richtung bis zur Übergabestation Klusebrink (rechts) kommt es mehrmals zu Abweichungen von der alten Trasse, da diese fast genau dem Hengbergbach folgt, wo eine Erdverkabelung nicht möglich wäre. Foto: Amprion - © Amprion
Im weiteren Verlauf in nördlicher Richtung bis zur Übergabestation Klusebrink (rechts) kommt es mehrmals zu Abweichungen von der alten Trasse, da diese fast genau dem Hengbergbach folgt, wo eine Erdverkabelung nicht möglich wäre. Foto: Amprion (© Amprion)

Anschließend schwenkt die Erdkabelleitung wieder in die alte Trasse zurück, kreuzt mit einem abermaligen Schenk Richtung Westen den Violenbach und die Bielefelder Straße. Dieser Schwenk ist notwendig um das Wohngebiet Goldbrede zu umgehen. Im weiteren Verlauf bis zur Übergabestation Klusebrink kommt es mehrmals zu Abweichungen von der alten Trasse, da diese fast genau dem Hengbergbach folgt, wo eine Erdverkabelung nicht möglich wäre. Ab Klusebrink verläuft die Leitung für etwa 1,5 Kilometer als Freileitung Richtung Landesgrenze. Insgesamt werden auf der gesamten Strecke elf neue Masten errichtet.

Teilerdverkabelung

Über etwa 4,2 Kilometer zwischen den Übergabestationen Riesberg im Süden und Klusebrink im Norden soll eine Erdverkabelung erfolgen. Die Bauarbeiten erfolgen in zwei Schritten. Zunächst werden die Kunststoffrohre verlegt und im zweiten Schritt werden an drei Stellen, den so genannten Muffenstandorten, die Kabel eingezogen. Das erfolgt in offener Bauweise. Die werde, so Heiner Brand, von Amprion bevorzugt eingesetzt, weil sie ein geringes Ausführungsrisiko bedinge. So könne man unter anderem die Schutzrohranlage sicher positionieren. Die Bauweise sei erprobt und technisch effizient. Dennoch habe man überprüft, ob die geschlossene Bauweise, bei der mit einem Bohrkopf unter hohem Druck das Erdreich ausgespült und anschließend Rohre hineingezogen werden, möglich sei. 80 Bohrungen bis acht Meter Tiefe und acht Bohrungen bis 20 Meter Tiefe hätten ergeben, dass die vorliegenden Gesteinsschichten aufgrund ihrer Kluftigkeit das Bohrspülverfahren nicht zulassen.

Offene Bauweise

So sieht ein Standardgraben aus, den Amprion in offener Bauweise errichtet. - © Amprion
So sieht ein Standardgraben aus, den Amprion in offener Bauweise errichtet. (© Amprion)

Der Arbeitsstreifen für die Gräben der offenen Bauweise ist knapp 54 Meter breit. Er enthält drei Gräben, einen kleineren für die 110 kV-Leitung und zwei größere für die 380-kV-Höchstspannungsleitung. Zwischen Ihnen verläuft die Baustraße. Zwischen Schutzrohr und Oberfläche müssen mindestens 1,40 Abstand sein. Die Rohre werden in so genannten Verfüllbaustoff, die so genannte Flüssigerde, gebettet. Oberhalb dieses Bettungsblockes werden Begleitleitungen verlegt, die notwendig sind, um die Kabel im Betrieb zu überwachen. Die Rückverfüllung des Bodens erfolgt laut Amprion anschließend wieder schichtweise.

Fragen der Teilnehmer

In welcher Höhe beziffert Amprion die Kosten für eine Erdverkabelung?

AMPRION: Die Kosten sind nur ein Randkriterium. Der Kostenunterschied zwischen Freileitung und einer Kabelverbindung in offener Bauweise liegt im Verhältnis 1:6 bis 1:8.

Gibt es es weitere Alternativen zu offener Bauweise und Borspülverfahren?

Es gibt noch die halboffene Bauweise, bei der man das Kabel einpflügt. Das ist hinsichtlich des Bodenschutzes kritisch zu bewerten, da man die Bodenschichten direkt vermischt.

Warum nutzt man die entstehende Abwärme der Kabel nicht?

Es gibt einen Schutzstreifen um die Kabeltrasse. Dort ist es nicht zulässig, Dinge zu installieren, die den Betrieb unseres Kabels gefährden könnten.

Warum hat Amprion die Ergebnisse aus der Testbewirtschaftung an der Trasse in Raesfeld noch nicht öffentlich gemacht? Welche konkreten Fehler wurden gemacht?

Fehler bei der Bodenrückführung haben zu Verzerrungen in den Erträgen geführt. Man hat eine Überhöhung eingebaut in der Annahme, dass sich der Boden senkt. Man hat anschließend den Oberboden erneut abgetragen und den Unterboden glatt gezogen. Dies hat Auswirkungen auf die aktuelle Ernte gehabt. Der Versuchsanbau geht über drei Jahre. Nach deren Ablauf werden die Ergebnisse zur Verfügung gestellt. Die Überhöhung machen wir nicht mehr.

Ist bei der offenen Bauweise die Wiederherstellung des Bodens gewährleistet?

Wir lagern die Bodenmieten direkt neben dem Graben und setzen Vliese ein, um die Bodenschichten zu trennen. Dennoch ist es natürlich ein Eingriff in den Boden, den wir aber versuchen zu minimieren.

Welchen Raum nimmt ein Mast ein?

Etwa eine Fläche von 14 mal 14 Metern.

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