Hörbuch als letzter Gruß: Wandernde Mutter will todkranken Eltern helfen

Rebecca ten Bosch wandert den Hermannsweg, damit sterbende Menschen ihren Kindern ein Hörbuch hinterlassen können. Am 19. Oktober ist sie in Borgholzhausen.

Anke Schneider

Rebecca ten Bosch wandert den Hermannsweg, damit sterbenskranke Mütter und Väter ihren Kindern etwas einmalges hinterlassen können. - © Privat
Rebecca ten Bosch wandert den Hermannsweg, damit sterbenskranke Mütter und Väter ihren Kindern etwas einmalges hinterlassen können. (© Privat)

Borgholzhausen/Bielefeld. Wetterfeste Kleidung, ein nicht zu kleiner Rucksack und Wanderschuhe: So ausgestattete Frauen und Männer gehören in Borgholzhausen schon zum normalen Straßenbild, obwohl sie imm nur kurz zu Besuch sind. Am kommenden Montag wird Rebecca ten Bosch ihren Weg durch die Innenstadt nehmen. Auch sie ist auf dem Hermannsweg unterwegs. Doch die junge Frau wandert nicht nur zu ihrem Vergnügen, sondern will damit auch Geld für ein besonderes Hilfsprojekt sammeln. Profitieren sollen Menschen, die erkrankt sind und an der Schwelle zum Tode stehen.

Rebecca ten Bosch ist 37 Jahre alt, Mutter von zwei Teenagern und lebt im wunderschönen Nordhorn. In ihrer Freizeit engagiert sich die Gastronomie-Fachfrau im „Ladies Circle Grafschaft Bentheim", in dem Frauen sich für gemeinnützige Projekte einsetzen. Derzeit unterstützt die Gruppe das Familienhörbuch-Projekt der Familienhörbuch gGmbh von Judith Grümmer.

Selbstgesprochenes Hörbuch als letzter Gruß an die Lebenden

„Dieses Projekt gibt in Kooperation mit der Universitätsklinik Bonn unheilbar erkrankten Müttern und Vätern mit kleinen und heranwachsenden Kindern die Möglichkeit, kostenfrei eine Audiobiografie zu erstellen", berichtet Rebecca ten Bosch. Mit den Aufnahmen hinterlassen Menschen ihre Lebensgeschichten, erzählt mit ihrer eigenen Stimme, untermalt von musikalischen und geschichtlichen Inhalten.

Es geht um die kleinen und großen Themen des Lebens: um Familienrezepte, gemeinsame Erinnerungen, um Liebe und Lebenslust und auch um den Umgang mit dem Abschied. Die Familienhörbücher sind Zeitdokumente und sollen Eltern, aber vor allem auch den Kindern beim Loslassen und Trauern helfen.

„Da wir alle selbst Mütter von zum Teil noch kleinen Kindern sind, ist es für uns zu einer Herzensangelegenheit geworden, dieses wundervolle Projekt zu unterstützen", so die 37-Jährige. Dabei sei es egal wo die Palliativpatienten therapiert werden, sie müssen nicht Patienten an der Uniklinik Bonn sein. „Wir möchten auch hier in unserer Region Familien ansprechen."

Sie hofft auf Spenden und Menschen, die sie ein Stück begleiten

Um Geld für das Projekt zu sammeln, haben sich die Frauen unterschiedliche Aktionen überlegt. „Wir benötigen Sponsoren, die mithelfen, die notwendigen finanziellen Mittel zur Produktion weiterer Familienhörbücher zur Verfügung zu stellen", so Rebecca ten Bosch. Sie persönlich hat sich deshalb entschieden, ihre bereits länger geplante Wanderung auf dem Hermannsweg zu einem Sponsorenlauf zu machen. Am Wochenende geht es los.

Vom 17. bis zum 24. Oktober wandert die Nordhornerin den 160 Kilometer langen Weg in acht Etappen von Rheine über Hörstel, Lengerich, Bad Iburg, Borgholzhausen, Bielefeld, Oerlinghausen und Detmold bis nach Horn-Bad Meinberg.

Für ihr Vorhaben hat sie sich unter anderem auf Facebookseiten der Gemeinden nach Übernachtungsmöglichkeiten umgeschaut. Auch in Borgholzhausen wird die 37-Jährige Station machen, und zwar vom 20. auf den 21. Oktober. Sie fordert die Menschen auf ihrem Weg auf, die gute Sache zu unterstützen, vielleicht auch ein Stück des Weges mitzugehen. „Lasst uns gemeinsam Familien in dieser schweren Situation helfen", sagt sie. „Wenn jeder nur ein bisschen gibt, kann etwas Großes entstehen."

Weitere Informationen finden Interessierte beim Ladies Circle Grafschaft Bentheim, auf der Facebookseite von Rebecca ten Bosch und auf der Webseite www.familienhoerbuch.de. Die engagierte Nordhornerin ist per E-Mail unter eljore@web.de zu erreichen.

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