Abschiebung im Rollstuhl: Netzwerk will für den Flüchtling kämpfen

Eindringlicher Appell aus dem Kreis Steinfurt. Unterdessen ruht das Abschiebeverfahren.

Andreas Großpietsch

Der Fall des in Borgholzhausen lebenden Armeniers Gegham Hakobyan beschägftigt viele Menschen - auch über die Grenzen des Kreises Gütersloh hinaus. - © Alexander Heim
Der Fall des in Borgholzhausen lebenden Armeniers Gegham Hakobyan beschägftigt viele Menschen - auch über die Grenzen des Kreises Gütersloh hinaus. (© Alexander Heim)

Borgholzhausen/Kreis Gütersloh. Der Fall des querschnittgelähmten jungen Mannes aus Borgholzhausen, der vom Kreis Gütersloh in seine Ursprungsheimat Armenien abgeschoben werden soll, sorgt weiterhin für Aufregung. Und die geht inzwischen auch über die Kreisgrenzen hinaus.

Im Internet wurde Mechtild Tecklenborg aus Emsdetten auf das Schicksal von Gegham Hakobyan aufmerksam. „Der Fall erinnert uns fatal an das Schicksal von Amrus Aljiti, der trotz schwerer Erkrankung im September 2007 abgeschoben wurde. Er verstarb nur wenige Wochen nach seiner Abschiebung aufgrund unzureichender medizinischer Versorgung in seinem Herkunftsland Kosovo", schreibt sie in einem Brief, der an den Landrat des Kreises, an Bürgermeister Dirk Speckmann sowie an die Ausländerbehörde gerichtet ist. Denn es ist eben jener Fall, der sie seitdem nicht ruhen lässt.

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Netzwerk für Humanität und Bleiberecht

Sie gründete zusammen mit einigen Mitstreitern das „Netzwerk für Humanität und Bleiberecht im Kreis Steinfurt". Es hat sich ein hohes Ziel gesetzt, an dem es bis heute festhält: „So etwas darf nie wieder geschehen, das haben wir uns damals geschworen", erklärt sie.

Seinen Kampf führt das Netzwerk sehr offen mit dem Versuch, die Entscheidungsträger zu überzeugen. In dem genannten Schreiben wird zum Beispiel ein Appell an Bürgermeister Speckmann und Landrat Adenauer gerichtet. Aber natürlich beschäftigen sich die Mitglieder auch mit den juristischen Möglichkeiten in solchen Fällen.

Beim Kreis Gütersloh hat sich an der grundlegenden Einstellung nicht geändert, dass es sich bei den Abschiebungen um die Durchsetzung von Anweisungen übergeordneter Behörden handelt. Der Kreis hat nach eigenem Bekunden keinen Ermessensspielraum.

Der Kreis Gütersloh wartet auf das BAMF

Das heißt allerdings nicht, dass die Ausweisung des 29-Jährigen jederzeit vollzogen werden kann. Im Fall Hakobyan wurde das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) noch einmal ganz konkret um einen Überprüfung der Fakten gebeten.

Für viele Menschen, die sich in Briefen und anderen Wortbeiträgen für die Vermeidung der Abschiebung eingesetzt haben, ist besonders die aktuelle kriegerische Auseinandersetzung zwischen Armenien und seinem Nachbarland Aserbeidjan Grund genug, eine Ausweisungen dorthin vehement abzulehnen.

Der Kreis Gütersloh gibt sich neutral bis abwartend. Sprecher Jan Focken: „ Über das Berichtete hinaus gibt es derzeit keinen neuen Sachstand."

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