Kein Tempolimit auf der A33: So wird die Entscheidung begründet

Der Landesstraßenbetrieb und die Bezirksregierung erteilen der Forderung der Altkreis-Kommunen nach Tempo 100 eine Absage. Die Begründung dürfte etliche A 33-Anwohner einmal mehr empören.

Frank Jasper

Die zuständigen Behörden sehen keine Gründe, auf der A 33 durch Steinhagen, Halle und Borgholzhausen eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen. - © Frank Jasper
Die zuständigen Behörden sehen keine Gründe, auf der A 33 durch Steinhagen, Halle und Borgholzhausen eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen. (© Frank Jasper)

Steinhagen/Halle/Borgholzhausen. Auf Initiative der SPD-Ortsvereine Halle, Steinhagen und Borgholzhausen hatten die A 33-Anliegerkommunen im Sommer gemeinsam eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 Stundenkilometer für die Autobahn gefordert. Jetzt haben der Landesstraßenbetrieb NRW und die Bezirksregierung Detmold begründet, warum sie dieser Forderung nicht nachkommen werden. Beide Mitteilungen wurden im Steinhagener Bauausschuss veröffentlicht.

In ihren Schreiben weisen beide Behörden zunächst darauf hin, dass der Streckenabschnitt durch den Altkreis Halle bisher nicht als Unfallschwerpunkt aufgefallen sei und aus diesem Grund schon mal kein Tempolimit erforderlich sei. Das dokumentierte Unfallgeschehen stuft die Bezirksregierung im Gegenteil als „unauffällig" ein. Auf der letzten Sitzung der Unfallkommission der Bezirksregierung am 27. August sei die A 33 darum kein Thema gewesen.

Links zum Thema


"Mimimi" statt Mitgefühl: Der Altkreis Halle streitet über A33-Lärm

„Zu schützende Bebauung sollte erkennbar sein"

Aber auch aus Lärmschutzgründen sei eine Geschwindigkeitsreduzierung nicht erforderlich, scheibt der Landesstraßenbetrieb. Der Lärmpegel müsse im Bereich von 70 dBA am Tag beziehungsweise 60 dBA in der Nacht auftreten. Das Tempolimit müsse außerdem geeignet sein, den Lärm um 3 dBA zu senken, damit das Ergebnis für die Anwohner überhaupt hörbar sei. „Dies ist erst bei einer Pegeländerung von rund drei dBA gegeben", heißt es in dem Schreiben.

Eine Beschränkung der zulässigen Geschwindigkeit auf 100 Stundenkilometer würde tagsüber laut Straßen.NRW aber nur zu einer Minderung des Lärmpegels um 1 dBA führen. Nachts würden sogar nur 0,6 dBA erreicht werden. „Selbst bei einer Reduzierung auf 80 km/h wäre keine effektive Wirkung zu erzielen", schreibt der Landesstraßenbetrieb.

Die Bezirksregierung untermauert diese Sichtweise mit Verweis auf die Verkehrs- und Lärmprognose des Planfeststellungsbeschlusses. „Denn ein Vergleich der aktuell verfügbaren Verkehrsdaten für den Streckenabschnitt von Steinhagen über Halle bis Borgholzhausen mit dem Prognosewert aus dem entsprechenden Planfeststellungsbeschluss von 37.000 Kraftfahrzeugen pro Tag zeigt, dass dieser noch deutlich unterschritten wird." Die Bezirksregierung ergänzt, dass dies ebenso für den Wert zur Luftschadstoffemission gilt.

Der Landesstraßenbetrieb teilt in seinem Schreiben außerdem mit, dass die zu schützende Bebauung durch die Autofahrer auf der Autobahn erkennbar sein soll, da ansonsten keine Akzeptanz für eine Beschränkung der Geschwindigkeit zu erwarten sei. Dies sei durch die durchgängigen Lärmschutzwälle und-wände entlang der Trasse nicht gegeben. Dieser Logik folgend, stehen also die bestehenden Schutzmaßnahmen weiteren Schutzmaßnahmen im Weg.

Verkehrszahlen sollen dauerhaft beobachtet werden

Die Bezirksregierung kündigt in ihrem Schreiben weiter an, dass die Verkehrszahlen auf der A 33 dauerhaft beobachtet werden sollen. Zu diesem Zweck soll eine Dauerzählstelle eingerichtet werden.

In Steinhagen hatte der Gemeinderat am 18. Juni den Bürgermeister beauftragt, eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Autobahn zu fordern. Die Praxis habe gezeigt, dass die geltende Richtgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern auf der Autobahn deutlich überschritten werde, hatte sich daraufhin Klaus Besser an die Bezirksregierung und den Landesstraßenbetrieb NRW gewandt. In seinem Schreiben stellte er darüber hinaus fest, dass die Verkehrsunfälle auf dem Steinhagener Streckenabschnitt vorrangig aufgrund erhöhter Geschwindigkeit verursacht wurden. Zuvor hatten bereits Halle und Borgholzhausen – ebenfalls nach entsprechenden SPD-Anträgen – ein Tempolimit auf der A 33 gefordert.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

3 Kommentar

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.