BorgholzhausenBillig zu haben, doch kein Schnäppchen: Altes Getreidelager birgt Probleme

Zwangsversteigerung: Am 5. Februar des kommenden Jahres kommt das alte Getreidelager direkt an der Bahnhofskreuzung unter den Hammer. Die Stadt will es ersteigern, abreißen und dann wieder loswerden. Hinter dem Verlustgeschäft steckt Überlegung.

Andreas Großpietsch

Vielleicht billig zu haben und trotzdem kein Schnäppchen? Das alte Getreidelager am Bahnhof in Borgholzhausen. - © Andreas Großpietsch
Vielleicht billig zu haben und trotzdem kein Schnäppchen? Das alte Getreidelager am Bahnhof in Borgholzhausen. © Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. Schönheit liegt ja angeblich immer im Auge des Betrachters und so mag es vielleicht den ein oder anderen Zeitgenossen geben, der angesichts des Verkehrswerts ins Grübeln kommt, ob es sich nicht doch lohnt, sich das Gebäude zu sichern. Doch diese Immobilie hat viel mehr als nur einen Haken.

Zum einen gilt das alte Getreidelager als gefährlicher Aufenthaltsort. Der Eigentümer muss dafür sorgen, dass niemand hineingeht und sich in Gefahr bringt. Was nach der Aussage von Menschen, die im Inneren gewesen sind, jederzeit leicht möglich ist. Immerhin: Das jüngste Gutachten aus dem Jahr 2017 bestätigt dem Speichergebäude, dass es nicht komplett einsturzgefährdet ist.

Das liegt an dem Zweck, für den der Bau im Jahr 1938 errichtet worden ist: Er diente als Getreidelager für eine Mühle, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand – ungefähr da, wo jetzt schon seit Jahrzehnten der Pilz-Imbiss lockt. Angesichts der Anforderungen wurden die massiven Teile des Gebäudes im Erdgeschoss in sehr groß dimensionierter Bauweise ausgeführt. Im oberen Teil sind die Wände allerdings aus Holz.

An drei Seiten ist das Ende der Außenwand die Grundstücksgrenze

Das herausragende Manko des Gebäudes ist jedoch das Grundstück, auf dem es steht. Denn trotz seiner 829 Quadratmeter ist es nicht viel größer als das Gebäude, dass darauf steht.

Genau genommen, befindet man sich bereits auf dem Nachbargrundstück, wenn man direkt neben der hinteren Außenwand des alten Speichers steht. An den Seiten ist es nicht besser.

Lediglich nach vorn, zur Straße hin, gehören ein paar unbebaute Quadratmeter Fläche zu dem Grundstück, um das es in der Zwangsversteigerung geht. Das macht auch die städtischen Pläne schwierig.

Der Rat der Stadt hat entschieden, dass die Verwaltung zum einen die Zwangsversteigerung in Gang setzen und danach den Abriss des Gebäudes veranlassen soll. Das ist Teil der Rahmenplanung, durch die der Nicht-Ortsteil Borgholzhausen-Bahnhof nach den Jahrzehnten als Mittelpunkt der Verkehrsbelastung zu neuer Blüte gebracht werden soll.

Das Gebäude soll so schnell wie möglich beseitigt werden

Konkrete Pläne will die Stadt zusammen mit dem Eigentümer des umgebenden Nachbargrundstücks entwickeln. Ganz bewusst riskiert sie, dass sie bei dem Geschäft ein wenig Geld zuschießt – einfach, um den Schandfleck am Bahnhof zu beseitigen und nicht länger abzuwarten, ob das Gebäude nicht eines Tages von selbst umfällt.

Theoretisch hätte die Stadt das Gebäude auch kaufen können. Doch die Zwangsversteigerung eröffnet die Möglichkeit, eine ganze Vielzahl alter Hypotheken loszuwerden, die für Banken darauf eingetragen sind. Bei einem schlichten Kauf wäre das ungleich schwieriger geworden.

Aber selbst, um es abreißen zu können, muss sich die Stadt mit dem Eigentümer der rund 2.000 Quadratmeter großen Nachbarparzelle verständigen. Denn nicht einmal die Zufahrt gehört zum Grundstück des alten Lagergebäudes.

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