Hundert unentschlossene Briefwähler hätten das Ergebnis ändern können

Nicht erst seit Corona wird diese Art der Stimmabgabe immer wichtiger. Sie sorgt in Borgholzhausen dafür, dass die Bewerber sich nicht zu früh freuen sollten.

Andreas Großpietsch

Gut zu tun hatten die Briefwahl-Teams, die im Rathaus arbeiteten Unser Bild zeigt eins davon mit – von links: Mette Weitkamp, Arne Seelhöfer, Anke Kaufmann, Sandra Altenhöner, Detlef Weitkamp und Jennifer Gelln in Aktion. - © Andreas Großpietsch
Gut zu tun hatten die Briefwahl-Teams, die im Rathaus arbeiteten Unser Bild zeigt eins davon mit – von links: Mette Weitkamp, Arne Seelhöfer, Anke Kaufmann, Sandra Altenhöner, Detlef Weitkamp und Jennifer Gelln in Aktion. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. 1.711 Anträge auf Briefwahl sind in diesem Jahr im Rathaus eingegangen und bearbeitet worden. Doch das bedeutet nicht, dass auf diese Weise auch 1.711 Stimmen eingegangen wären. „Über 100 sind nicht zurückgekommen", weiß Claudia Brinkmann, in der Verwaltung eigentlich mit Personalfragen beschäftigt. An Wahlabend war sie Mitglied der Arbeitsgruppe, die aus Zählungen Wahlergebnisse machen. Und damit unfreiwillig für Spannung sorgten.

Vier Zählgruppen beschäftigten sich am Sonntagabend im Rathaus mit der Auszählung der Briefwahl. Rund 1.600 Umschläge mussten dafür geöffnet und ausgewertet werden – natürlich erst nach 18 Uhr am Abend.

Es würde zwar den zeitlichen Ablauf der Auszählung beschleunigen, wenn die Sechser-Gruppen ein wenig früher anfangen dürften – doch das ist natürlich im Rathaus genauso streng streng verboten wie im Wahllokal. Direkt nach Schließung der Wahllokale beginnt das große Zählen und alle Bürger dürfen jederzeit dabei sein.

Geduld und Pokerface

Eine Ratsbewerber machten in den Wahllokalen von diesem Recht Gebrauch und kamen mit einer starken Hinweis, wie das Ergebnis wahrscheinlich ausfallen könnte, zur Wahllobby. Dort brauchten sie zum einen Geduld und zum anderen ein wenig Pokerface. Denn wer sich zu früh über ein knappes Teilergebnis freute, konnte, konnte eine böse Überraschung erleben. Gleich mehrfach drehten die Briefwähler das Rennen.

Denn in Borgholzhausen gab es klare Ergebnisse – und ganz andere. An einen Wahlkreis, wo gleich alle fünf Bewerber um die 20 Prozent erzielen, können sich auch langgediente Kommunalpolitiker nicht erinnern. Zwei oder drei Stimmen gaben in vielen der 14 Stimmbezirke den Ausschlag.

Mal zwei, mal 114 Stimmen Vorsprung auf den zweiten Platz

So lag die parteilose Einzelbewerberin Nadine Knieling mit 58 nur um drei Stimmen hinter Dierk Bollin zurück, der den Bezirk direkt gewonnen hat. Jan Brüggeshemke holte sein Direktmandat sogar mit nur zwei Stimmen Vorsprung.

Man kann nur mutmaßen, wie die mehr als 100 unentschlossenen Briefwähler das Ergebnis beeinflusst hätten. Torsten Indiesteln hätte sich vermutlich keine Sorgen machen müssen: Er hatte 114 Stimmen mehr als seine schärfste Konkurrentin.

Die Knappheit vieler Entscheidungen führt auch zu einer Neuerung, die den Profis im Wahlteam noch ein wenig Überlegung abverlangen wird. Dank der neun Direktmandate der SPD gibt es zwei Überhangmandate. Der Rat wächst um zwei Personen und die Besetzung der Ausschüsse, die ja die Mehrheitsverhältnisse widerspiegeln sollen, wird ein wenig kniffliger.

Für Claudia Brinkmann ist ein wichtiger Aspekt, dass sich die Borgholzhausener Auszählung im Vergleich zu anderen Orten sehen lassen kann. Vielleicht auch eine Folge davon, dass die Stadt keine Probleme hatte, Wahlhelfer zu finden. „Viele junge Menschen waren zum ersten Mal dabei und haben erklärt, dass sie die Aufgabe gern noch einmal wahrnehmen möchten", freut sich Claudia Brinkmann.

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