BorgholzhausenHalle und Steinhagen helfen Borgholzhausen dauerhaft – Wasser bleibt knapp

Halle und Steinhagen helfen Borgholzhausen jetzt dauerhaft. Doch das Angebot wird vor allem an heißen Tagen geringer als die Nachfrage sein. Sparen bleibt angesagt.

Andreas Großpietsch

Alternative zu den Pools im eigene Garten: das Borgholzhausener Freibad. Die Wassersituation in der Stadt ist zwar leicht entspannt, aber keineswegs entspannt. - © André Schneider
Alternative zu den Pools im eigene Garten: das Borgholzhausener Freibad. Die Wassersituation in der Stadt ist zwar leicht entspannt, aber keineswegs entspannt. © André Schneider

Borgholzhausen. Alle sollen Wasser sparen und die Stadt gießt ihre Bäume – dieser Anblick ließ gestern bei vielen Menschen den Blutdruck in ungeahnte Höhen steigen. Dabei haben Stadt und Bauhof ihre Sache eigentlich gut gemacht: Sie bewahren das städtische Eigentum vor dem Tod durch Vertrocknen und verbrauchen dennoch kein kostbares Trinkwasser. „Das Wasser stammt aus dem Ablauf der Kläranlage“, erklärt Bauamtsleiterin Kerstin Otte.

Wenn es die Kläranlage durchlaufen hat, ist aus dem Abwasser noch kein Trinkwasser geworden – doch der allergrößte Teil der Verschmutzung ist dann entfernt. Um die städtischen Anpflanzungen zu retten, ist es sicherlich gut genug. Privatleute haben diese Möglichkeit nicht. Vor allem in den Neubaugebieten mit den frisch angelegten Gärten blickt man mit nachvollziehbarem Zorn darauf.

Das ist der Grund, warum die Stadt Wassereinsparung weiterhin zur wichtigsten Maxime erklärt, aber trotzdem den privaten Gartenbesitzern erlaubt, ihre Beete und Bäume vor dem Vertrocknen zu bewahren. „Rasenflächen dürfen aber nicht gesprengt werden“, erklärt Bürgermeister Dirk Speckmann. Und auch private Pools dürfen weiterhin nicht befüllt werden – schließlich habe das Freibad geöffnet, erklärt er.

Halle und Steinhagen liefern jetzt dauerhaft Wasser nach Pium

Die Fortsetzung der Einschränkungen zeigt, wie fragil die Situation der Trinkwasserversorgung bleibt. Zwar wurde noch gestern Morgen eine dauerhafte Vereinbarung mit den Gemeindewerken Steinhagen und den Technischen Werken Osning in Halle geschlossen, die für eine tägliche Lieferung von 300 Kubikmetern Frischwasser nach Borgholzhausen sorgt. Doch damit steht nicht für jeden denkbaren Verbrauch genug zur Verfügung.

Die Summe aus eigener Förderung und zugekauftem Wasser reicht zwar für die normalen Tage, aber nicht in Trockenphasen im Hochsommer. Denn dann steigt der tägliche Verbrauch über 1.000 Kubikmeter. Und damit sind die beiden städtischen Brunnen am Barenberg überfordert. Sie liefern zwar jetzt wieder Trinkwasser, aber deutlich weniger als zuletzt.

Um das dauerhaft zu ändern, sind verschiedene Ideen in der Diskussion. Südlich des Teutoburger Waldes scheint es deutlich mehr Grundwasser in geringeren Tiefen zu geben. Das behauptet jedenfalls ein Gutachter der Firma Storck. Doch um zum Beispiel in Cleve Wasser fördern zu dürfen, braucht man mehr als nur einen Brunnen.

Es gibt Wege zur Selbstversorgung mit Trinkwasser - doch die sind lang

Unabdingbar ist eine Pumpleitung zum Hochbehälter, aber auch ein Wasserschutzgebiet muss ausgewiesen, eine wasserrechtliche Genehmigung erwirkt werden. Alles in allem dürfte es mehrere Jahre dauern, bis Borgholzhausen wieder eigenes Wasser in ausreichender Menge fördern kann.

Eine weitere denkbare Alternative ist ein dauerhafter Verbund mit den Wasserwerken in Steinhagen und Halle. Den gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Das zeigt sich schon jetzt. Denn das gelieferte Wasser ist natürlich nicht kostenlos zu haben. Der Haushalt des Piumer Wasserwerks darf nicht mehr einnehmen, als er ausgibt – aber auch nicht weniger. „Der Wasserpreis wird steigen“, sagt deshalb auch Dirk Speckmann.

Themen für die nächste Sitzung des Betriebsausschusses der Stadt am Montag, 17. August, gibt es also genug. Punkt 1 der Tagesordnung ist die Trinkwasserversorgung. Beginn ist um 18 Uhr Ratsaal. Die Sitzung ist öffentlich.

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