Freibad soll wieder öffnen, Senioren bekommen wieder Stadtwasser

Pools dürfen nicht befüllt werden und auch das Bewässern von Gärten ist verboten. Die Stadt droht mit hohen Bußgeldern. Seit Sonntag ist das Schwimmbad geschlossen – und das Seniorenheim muss zwischenzeitlich mit Hilfe von Wassertanks versorgt werden

Anke Schneider, Melanie Wigger

Die THW-Einsatzkräfte versorgten das Seniorenheim am Wochenende mit Wasser. - © Melanie Wigger
Die THW-Einsatzkräfte versorgten das Seniorenheim am Wochenende mit Wasser. (© Melanie Wigger)

Borgholzhausen. Die letzten Tage der Sommerferien sind angebrochen, es ist 35 Grad warm und nun das: In Pium wird das Wasser knapp. Die Speicher sind am Limit und es wird mehr verbraucht, als gepumpt werden kann. Die Stadt griff daher am Wochenende zu weiteren drastischen Maßnahmen.

Bereits am Freitag hatte Bürgermeister Dirk Speckmann zu rigorosem Wassersparen aufgerufen. Das Befüllen von Pools und das Bewässern von Gärten wurde verboten, Bußgelder wurden angedroht (das Haller Kreisblatt berichtete). Am Samstag fuhr das Ordnungsamt durch die Stadt, um das Einhalten der Verordnung zu kontrollieren. „Es ist wichtig zu verstehen, dass es gerade unsere Bürgerinnen und Bürger sind, die mit Gartenbewässerung und Pools zu den Spitzenverbräuchen beitragen", kommentiert Speckmann. Zudem soll es mit Hilfe der Feuerwehr weitere Durchsagen für die Borgholzhausener geben – „damit nicht der Eindruck entsteht, alles wäre schon wieder völlig entspannt", so Speckmann. Ordnungsamt und Sicherheitsdienst hätten jedoch bislang keine Verstöße festgestellt.

Bürgermeister hofft Freibad am letzten Ferientag öffnen zu können

Zudem kündigte er in den sozialen Netzwerken an, das Freibad ab Sonntag bis auf Weiteres zu schließen. Die Trinkwasserverbräuche waren weiterhin deutlich hoch. Am Sonntagvormittag wäre eine turnusmäßige Spülung des Filters des Freibades notwendig gewesen, die große Mengen an Wasser aus dem städtischen Trinkwassernetz verbraucht hätte. Um die dramatisch knappen Trinkwasserreserven nicht noch weiter zu minimieren, sei eine vorübergehende Schließung des Freibades unausweichlich, so Speckmann.

Gleichzeitig wurden am Samstag für das Seniorenheim vom THW Wassertanks installiert, die von außen befüllt werden können und die Versorgung der Senioren sicherstellen. Durch Schläuche, die mit Sandsäcken gegen die Hitze gesichert sind, wird das Wasser aus fünf Tanks gepumpt – und versorgt damit das Haupthaus und die Küche auf der Rückseite des Heims. Vier der Tanks wurden Samstag mit etwa 800 bis 900 Litern befüllt, berichtet der THW-Einsatzleiter Dirk Schemmel.

Dieser Wassertank versorgte die für die DRK-Küche. - © Melanie Wigger
Dieser Wassertank versorgte die für die DRK-Küche. (© Melanie Wigger)

Und Bürgermeister Speckmann lobt: „Die TWO Halle haben uns die ganze Nacht über erhebliche Mengen bereitstellen können, viel mehr als an den Vortagen."Der Pegelstand habe im Hochbehälter Sonntagfrüh rund 2,5 Meter betragen. „Somit ist der Hochbehälter zwar nicht – wie eigentlich erstrebenswert – morgens komplett gefüllt (drei Meter), hat aber einen deutlich höheren Stand zum Beginn der wesentlichen Tagesverbräuche als zuletzt", erläutert der Bürgermeister.

Am Sonntagabend trifft dann die vorläufige Entwarnung ein – dank der TWO Halle wurde der Hochbehälter komplett gefüllt: „Wir sind glücklich, dass wir kurzfristig Schlimmeres vermeiden konnten, und danken der TWO für die Unterstützung", sagt Speckmann.

Dadurch konnte die Notversorgung im Seniorenheim bereits gestern beendet werden. Die Einrichtung bekommt wieder Stadtwasser. Die vorübergehende Schließung des Freibads bleibt jedoch bestehen – aus technischen Gründen sei die Öffnung Montag noch nicht möglich, so Speckmann. Rechtzeitig zum letzten Ferientag am Dienstag soll jedoch wieder geöffnet werden.

Damit wirkt die Lage erstmal entspannt – auch wenn die Industrie heute wieder das Stadtwasser benötigt. Speckmann erklärt, dass Borgholzhausens Unternehmen im Vergleich zu den Privatleuten nur einen geringen Anteil des Verbrauches ausmachen: „Die Top 3 – Bartling, Nagel und Düpmann – haben einen Jahresverbrauch von gerade mal grob sieben Prozent unserer Liefermenge, und dann kommt schon als viertwichtigster Abnehmer das DRK-Haus Ravensberg."

Der Bürgermeister habe dennoch Kontakt zu den Verantwortlichen einiger Betriebe aufgenommen, um den sparsamen Umgang an den kommenden Produktionstagen zu besprechen. „Ein wesentlicher Treiber sind dort auch die Kühlanlagen, die natürlich in diesen Tagen stärker in Anspruch genommen werden." Ein Lichtblick sei auch, dass der Notverbund zwischen Halle und Steinhagen ab Montag wieder betriebsbereit sein solle. „Dann können auch die Gemeindewerke Steinhagen unterstützen. Aber alle fördern derzeit an ihrer Kapazitätsgrenze", so Speckmann.

„Problem war lange bekannt" – Im Netz wird scharf geschossen

Borgholzhausen ist nicht die einzige Stadt der Umgebung, die mit der akuten Wasserknappheit kämpft. Auch Melle hat eine Wasserwarnung herausgegeben und im Landkreis Osnabrück gibt es schon seit Wochen tagsüber Einschränkungen bei der Gartenbewässerung. „Wir sind also nicht allein, haben nur den besonderen Effekt, dass bei uns ein wichtiger Grundwasserleiter offenbar inzwischen wirklich bei weitem nicht mehr so leistungsfähig ist wie früher – aber das wirklich im Detail so vorauszusehen, bedarf schon hellseherischer Fähigkeiten", sagt Speckmann und knüpft damit an laufende Diskussionen an.

Denn in den sozialen Netzwerken wird teilweise auch scharf geschossen. Das Problem sei lange bekannt gewesen, die Folgen des Klimawandels seien ignoriert worden, heißt es da unter anderem. Schließlich seien die Piumer schon im vergangenen Sommer zum Wassersparen aufgerufen worden.

Am 17. August wird das Thema Wasser ganz oben auf der Tagesordnung des Betriebsausschusses stehen. Denn eines steht fest: Es ist Eile geboten. Eine Lösung muss her, denn Regen ist weiterhin nicht in Sicht.

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