Schlüsseldienst vor Ort: Vor diesem Fachmann kapitulieren sogar Tresore

Falk Kobusch öffnet nicht nur Haustüren. Er sagt, was im Notfall zu tun ist.

Heiko Kaiser

Geschafft. Nach acht Stunden Arbeit hat Falk Kobusch den Tresor eines Lebensmittelgeschäftes geknackt. - © Privat
Geschafft. Nach acht Stunden Arbeit hat Falk Kobusch den Tresor eines Lebensmittelgeschäftes geknackt. (© Privat)

Borgholzhausen. Der HK-Bericht über die junge Piumerin, die am Wochenende von einem Schlüsseldienst abgezockt wurde und schließlich für fünf Minuten Arbeit 400 Euro bezahlte, hat den Borgholzhausener Tischler Falk Kobusch auf den Plan gerufen. Er kennt sich mit verschlossenen Türen bestens aus, betreibt seit zehn Jahren auch einen Schlüsseldienst.

„Gehen Sie nicht ins Internet, sondern schauen Sie ins örtliche Telefonbuch", rät er Betroffenen. Doch was, wenn eben dieses Buch unerreichbar hinter der verschlossenen Tür liegt? „Meistens müssen die Betroffenen sowieso zum Nachbarn gehen, um Hilfe zu holen. Außerdem, wenn man sich ausgesperrt hat, bedarf es einer Person, die bezeugen kann, dass derjenige, dem ich die Tür öffne, tatsächlich dort wohnt", sagt Kobusch.

Im Internet haben es örtliche Anbieter indes schwer, sich durchzusetzen. "Wenn ich dort meinen Eintrag bezahlt habe, bin ich vielleicht zwei Wochen oben auf der Liste, dann pusten die Großen mich weg, wie ein kleines Blättchen", sagt er. Um besser gelistet zu werden, bedarf es weiterer Zahlungen, die er nicht leisten will und kann. Denn der Schlüsseldienst ist für ihn lediglich ein Nebengeschäft. „Wenn es windig ist und die Türen schneller zufallen, häufen sich die Fälle, manchmal aber passiert wochenlang nichts", erklärt Kobusch.

Die meisten Türen sind nach weniger als einer Minute geöffnet

Für den überwiegenden Teil der Türöffnungen berechnet er 50 Euro plus zehn Euro für die Anfahrt. „Die meisten kriegen ich in einer Zeit von unter einer Minute auf", sagt er. Und auch für etwas schwierigere Fälle steigen die Kosten nicht in schwindelnde Höhen, wie jüngst vom Essener Schlüsseldienst berechnet. „Man muss sich anschließend ja beim Brötchenkaufen noch ins Gesicht schauen können", sagt Kobusch.

Manchmal allerdings wird es auch für den Profi eng: Zum Beispiel, als sich der Tresor eines heimischen Lebensmittelmarktes nicht mehr öffnen ließ. „Es war zwar nicht viel Geld darin, aber die Kasseneinsätze", erinnert er sich. Und die wurden gebraucht. „Diese Tresore sind wirklich schlau gemacht. Die Panzerung war drei Zentimeter dicker als die größte Flexscheibe", sagt Kobusch. Erst nach acht Stunden Arbeit schaffte er es, durch ein Loch auf der Rückseite die Einsätze herauszuholen. „Ich war richtig erschöpft", gibt er zu. Wie er es gemacht habe? Der 56-Jährige überlegt kurz, bevor er antwortet: „Das verrate ich nicht."

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.