Mehr Arbeit statt Kurzarbeit: An diesem Unternehmen geht die Corona-Krise vorbei

Bei Westfalia Europe in Borgholzhausen stehen die Zeichen nicht auf Krise, sondern auf Rekordjagd. Der geplante Neubau an der Autobahnauffahrt verzögert sich auch, weil in neuen Dimensionen gedacht werden muss.

Andreas Großpietsch

Ein luftiger Blick auf das interkomunale Gewerbegebiet von Borgholzhausen und Versmold. Noch ist die Autobahn die Begrenzung nach Süden. Links der B476 im Wesentlichen die gebäude der Nagel-Group einschließlich Kindergarten und Imbiss-Pilz. Rechts davon die gro0e Feifläche zwischen den Gebäuden und der Autobahn, auf der die Wortmann-Gruppe ihre Pläne verwirklichen will. - © Ulrich Fälker
Ein luftiger Blick auf das interkomunale Gewerbegebiet von Borgholzhausen und Versmold. Noch ist die Autobahn die Begrenzung nach Süden. Links der B476 im Wesentlichen die gebäude der Nagel-Group einschließlich Kindergarten und Imbiss-Pilz. Rechts davon die gro0e Feifläche zwischen den Gebäuden und der Autobahn, auf der die Wortmann-Gruppe ihre Pläne verwirklichen will. (© Ulrich Fälker)

Borgholzhausen. Im Frühjahr, spätestens im Sommer sollten die Bagger für die Neubau rollen – so lautete der Plan, der Ende 2018 verkündet wurde. Gemeint war übrigens das Jahr 2019, doch auf den gut sechs Hektar tut sich bis heute nichts. Grund zur Sorge sei das aber nicht, erklärt die Wortmann AG. Zu der gehört das Unternehmen aus Borgholzhausen jetzt seit zehn Jahren und die Planung für den Bau am neuen Standort gehe weiter, versichert deren Pressesprecher.

Der heißt Meik Blase und nennt noch einen weiteren Grund, warum auch in diesem Jahr noch nichts von einem Baubeginn zu sehen ist. „Wir haben an Corona nicht teilgenommen", fasst er leicht pointiert die aktuelle Geschäftsentwicklung bei den Unternehmen der Wortmann-Gruppe zusammen. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen verzeichnen viele der Firmen, die dem Unternehmer Siegbert Wortmann gehören, positive Zahlen.

Der positive Trend gilt für die ganze Wortmann-Gruppe

Da ist zum Beispiel die Computersparte, die durch Homeoffice und EDV-Beschulung plötzlich mit Nachfragerekorden zurecht kommen muss. Das gilt aber auch für Westfalia Europe, den Hersteller von automatischen Logistiksystemen, zu dem auch ein Schwesterunternehmen in den USA gehört.

Das Bürogebäude der Westfalia Europe im Gewerbegebiet am Bahnhof. - © Andreas Großpietsch
Das Bürogebäude der Westfalia Europe im Gewerbegebiet am Bahnhof. (© Andreas Großpietsch)

Mit der wachsenden Bedeutung des Online-Handels, längst nicht nur durch die Corona-Krise, steigt auch die Nachfrage nach Logistiksystemen, wie Westfalia sie produziert. Mit Zahlen ist man bei der Wortmann-Gruppe relativ zurückhaltend, doch gerade Freitag wurde eine Ausnahme gemacht. Die ersten beiden Quartale hätten einen Gruppenumsatz von 800 Millionen Euro erbracht. Am Ende des Jahres werde eine Umsatz deutlich über 1,5 Milliarden Euro erwartet.

Dazu wird auch die Borgholzhausener Abteilung einen guten Teil beitragen. 25 Millionen Euro hat das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte umgesetzt, teilte die Wortmann AG mit. Zum Vergleich: 2017 gilt als Rekordjahr in der Unternehmensgeschichte. In diesem Jahr wurden Umsätze von 40 Millionen Euro erzielt.

Es falle nicht leicht, sich nebenbei auf die Planung für den Neubau des Firmengeländes zu konzentrieren

Folgerichtig ist Kurzarbeit für die rund 200 Beschäftigten von Westfalia Europe ein Phänomen, das sie nicht aus eigener Anschauung kennen. Für sie gibt es höchstens Mehrarbeit, um die Wünsche der Kunden erfüllen zu können.

Da falle es nicht leicht, sich nebenbei noch auf die Planung für den Bau eines neuen Firmengebäudes zu konzentrieren, erklärt das Unternehmen. Zumal in den ersten Entwürfen nur davon ausgegangen wurde, zunächst einmal knapp die Hälfte der erworbenen Fläche zu nutzen.

Diese Absicht ist unter dem Druck der positiven geschäftlichen Entwicklung doch noch einmal überdacht worden. Trotzdem soll es bald losgehen mit dem Neubau, ist man bei Borgholzhausens Stadtverwaltung zuversichtlich. „Ich rechne täglich damit, dass von Westfalia ein Bauantrag eingereicht wird", sagt zum Beispiel Bürgermeister Dirk Speckmann.

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