Westcrown in Dissen: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Corona-Ausbruchs

Ein Politiker der Grünen hat Strafanzeige erstellt und den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung erhoben. Dass die Infizierten in keiner Statistik auftauchen, sorgt für zusätzlichen Streit.

Andreas Großpietsch

Massiver Corona-Ausbruch im Fleischcenter Dissen - doch wer trägt die Verantwortung? Das soll sogar juristisch geklärt werden. - © Andreas Großpietsch
Massiver Corona-Ausbruch im Fleischcenter Dissen - doch wer trägt die Verantwortung? Das soll sogar juristisch geklärt werden. (© Andreas Großpietsch)

Dissen. Es war eine der ersten Feststellungen in der Pressemitteilung der Firma Westcrown in Dissen zu dem massiven Ausbruch der Krankheit in ihrer Belegschaft, dass es an den Arbeitsbedingungen in dem Zerlegebetrieb nicht gelegen haben könnte. Alle Regeln von Abstand über Mundschutz bis Hygienebelehrung seien eingehalten worden. Warum aber ziemlich genau die Hälfte der 300-köpfigen Belegschaft mit Corona infiziert ist, wusste das Unternehmen auch nicht zu erklären.

Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung wird erhoben

Vielleicht bringen ja die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück ein wenig Licht ins Dunkel. Diese Ermittlungen wurden am Dienstag aufgenommen, nachdem Johannes Bartelt, der Kreis-Geschäftsführer der Grünen im Kreis Osnabrück, Anzeige gegen Unbekannt erstattet hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz zum Nachteil der betroffenen Werkvertragsarbeiter.

In seiner Strafanzeige hatte Johannes Bartelt sogar den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung erhoben. Offensichtlich seien bei Arbeit, Transport und Unterkunft der betroffenen Menschen die verbindlichen Schutzbestimmungen nicht eingehalten worden, begründet er sein Vorgehen. Und gibt wörtlich zu Protokoll: „Für Billigfleisch und Profit müssen Menschen mit ihrer Gesundheit bezahlen."

Gerangel um Infizierte: Warum tauchen sie in keiner Statistik auf?

Währenddessen tauchen etliche der Infizierten in keiner offiziellen Statistik auf. Denn das Unternehmen Westcrown hat schnell gehandelt, nachdem der Ausbruch bekannt wurde, und eine zentrale Sammelunterkunft in Niedersachsen organisiert, in der Betroffene die Quarantänezeit verbringen können. Das gilt auch für einige Menschen aus dem Kreis Gütersloh, vor allem aus Borgholzhausen.

Denn dort haben viele der Westcrown-Mitarbeiter ihren Wohnsitz und sind auch dort gemeldet. Jetzt sind sie allerdings dort nicht anzutreffen und deshalb argumentiert der Kreis Gütersloh, dass sie auch nicht in die amtliche Statistik gehören. Allerdings zeigt man sich auch im Landkreis Osnabrück spitzfindig und betont, dass die Betroffenen nur vorübergehend in Niedersachsen wohnen und deshalb dort auch nicht gezählt werden.

Für beide Kreise ist es natürlich besonders wichtig, die Zahl der Neuinfektionen möglichst gering zu halten. Denn wo das nicht gelingt, werden die Schutzmaßnahmen durch das Land wieder hochgefahren. Davon sind die aktuellen Zahlen zwar noch weit entfernt, doch der Abstand ist geringer geworden. Und wie viele Menschen am nächsten Corona-Hotspot infiziert sein werden, weiß niemand.

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