Schwimmen in bis zu vier Schichten: Montag startet der Freibad-Versuch

Förderverein und Stadtverwaltung haben lange diskutiert und sind zu kreativen Lösungen gekommen, um Badespaß in Borgholzhausen zu ermöglichen. Allerdings steht das Konzept unter Bewährung. Das Verhalten der Badegäste ist entscheidend.

Andreas Großpietsch

Das Freibadvergnügen in Borgholzhausen startet früher als in den Nachbarkommunen.  - © Andreas Großpietsch
Das Freibadvergnügen in Borgholzhausen startet früher als in den Nachbarkommunen.  (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Dass Desinfektionsmittel Viren den Garaus machen, hat sogar schon US-Präsident Donald Trump ins Grübeln gebracht. Und Chlor, so viel steht fest, ist eine ziemlich starke Chemikalie, die für solche Zwecke genutzt wird. Selbst, wenn sie mit vielen tausend Litern Wasser verdünnt wird wie im Freibad, beseitigt sie zuverlässig Erreger aller Art. Deshalb braucht man im Becken des Piumer Freibads auch ab Montag keine Maske. Doch viele andere Freibad-Regeln werden durch Corona ganz anders als gewohnt sein.

Jeder Badegast muss sich immer wieder neu in die Listen eintragen

Wie zum Beispiel die neue Obergrenze bei der Besucherzahl. 350 könnten es laut den geltenden Regeln im Höchstfall sein. „Doch wir haben uns darauf geeinigt, dass es nicht mehr als 200 Menschen gleichzeitig sein sollen", erklärt Bürgermeister Dirk Speckmann. Am Dienstag hat er mit Vertretern des Freibadfördervereins und der Verwaltung lange an einer Nutzungsordnung getüftelt, die Spaß und Sicherheit in Einklang bringen soll.

Abstand bleibt wichtig – von links: – Horst-Günther Brune, Hermann Ludewig, Lars Kattner, Biljana Geades da Luz und Dirk Speckmann stellen das Konzept vor, mit dem das Freibad in Borgholzhausen auch in Corona-Zeiten offen ist. - © Andreas Großpietsch
Abstand bleibt wichtig – von links: – Horst-Günther Brune, Hermann Ludewig, Lars Kattner, Biljana Geades da Luz und Dirk Speckmann stellen das Konzept vor, mit dem das Freibad in Borgholzhausen auch in Corona-Zeiten offen ist. (© Andreas Großpietsch)

Was natürlich Grenzen hat. „Wir können und wollen das Toben von Kindern nicht völlig verbieten", sagt zum Beispiel Schwimmmeister Lars Kattner, auf den viele neue Aufgaben zukommen. „Mehr Personal können wir aber natürlich nicht einstellen", sagt Hermann Ludewig vom Freibad-Förderverein. Dessen Mitglieder wollen sich in diesem Jahr deshalb noch stärker ehrenamtlich einbringen, um zum Beispiel den Schwimmbetrieb in drei oder vier Schichten pro Tag zu ermöglichen.

Deshalb werden sie in der neuen Corona-Badeordnung ausdrücklich erwähnt und mit Weisungsbefugnis ausgestattet. Wie zum Beispiel beim Eintrag in die Liste, der für alle Besucher – auch Inhaber von Jahreskarten – verbindlich ist. Dabei geht es um die Nachvollziehbarkeit möglicher Infektionsketten.

Die Kapazität des Bades ist begrenzt

Das führt im Zweifel zu Wartezeiten, die vor allem ab Montag befürchtet werden. Denn das Borgholzhausener Freibad öffnet früher als die Bäder in Werther und Versmold. Die Möglichkeit, nur Jahreskartenbesitzern Einlass zu gewähren, wurden aus sozialen Erwägungen verworfen.

Doch die Kapazität des Bades ist natürlich begrenzt. Zum Beispiel durch die Einschränkungen bei Duschen, Umkleiden und Toiletten, die immer nur von zwei Menschen zur gleichen Zeit benutzt werden dürfen. Wenn sich Badegäste entschließen, nach dem Baden erst zu Hause zu duschen, würde das sicher für Entzerrung sorgen.

Einbahnstraße statt Durcheinander ist die neue Grundregel

Schwimmen im Einbahnstraßen-Modus ist eine der Ideen, mit denen die Badegäste geschützt werden sollen.  - © Stadt Borgholzhausen
Schwimmen im Einbahnstraßen-Modus ist eine der Ideen, mit denen die Badegäste geschützt werden sollen.  (© Stadt Borgholzhausen)

Der Kiosk soll natürlich geöffnet sein. Die Warteschlange wird sich mit Abstand und Maske hinter den Startblöcken aufstellen. Speisen und Getränke sollen auf der Liegweise verzehrt werden. Und auch im Becken sollen die Begegnungen so sehr reduziert werden wie möglich. Der Schwimmerbereich wird deshalb in zwei Hälften geteilt. Die langsameren Schwimmer sollen möglichst in der Mitte unterwegs sein. Weniger Begegnungsverkehr ist das Ziel.

Allen Verantwortlichen ist bewusst, dass die Öffnung des Freibads ein Experiment mit ungewissem Ausgang ist. Die Ausweitung der Badezeiten, häufigeres Reinigen und Desinfizieren – all das soll zu einer Entzerrung beitragen. Wie stark aber zum Beispiel die Nachfrage sein wird, ist kaum zu abzuschätzen. Doch natürlich gilt hier das Rezept, mit dem Deutschland in der Corona-Krise bislang gut gefahren ist: Alle Maßnahmen und Regeln immer wieder prüfen und da rasch ändern, wo es nötig ist.

Eintrittspreise und Schwimmzeiten

Wegen der Beschränkung der Badezeit wird auch der Eintritt verbilligt. Das Einzelticket gilt höchstens drei Stunden lang und kostet 3 Euro (Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen 1,50 Euro). Die Zehner-Karte gibt es für 25 Euro, Kinder zahlen die Hälfte. Die Jahreskarte kostet 50, ermäßigt 20 Euro. Jahreskarten für Familien kosten 140 Euro.Schwimmen in bis zu vier Schichten gibt es täglich im Piumer Freibad – bei gutem Wetter. Einzeltickets gelten nur für eine dieser Schichten.Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag ist Frühschwimmen von 6.30 bis 8.30 Uhr.Allgemeine Badezeiten sind täglich von 11 bis 14 Uhr sowie von 14.30 bis 17.30 Uhr. Spätschwimmen (nur für Schwimmer) ist täglich von 18 bis 19.30 Uhr geplant. Die Ausweitung der allgemeinen Badezeit soll ein kleiner Ausgleich dafür sein, dass viele Kinder und Jugendliche derzeit so selten in die Schule gehen.

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