BorgholzhausenVillenviertel am Blömkenberg? Nach Pium ziehen wird in Zukunft teurer

Im kreisweiten Vergleich können Hauskäufer und Bauherren in Borgholzhausen noch ein Schnäppchen machen. Rund 230.000 Euro kostete das Durchschnittshaus hier im vergangenen Jahr. Aber die Nachfrage steigt.

Jonas Damme

Dank ausreichender Nachfrage ist Bauen in Borgholzhausen bisher durchaus bezahlbar. Auch verkaufte Immobilien waren im Durchschnitt günstiger als zum Beispiel in Halle. Die Nachfrage könnte aber steigen, und damit der Preis.  - © Ulrich Fälker
Dank ausreichender Nachfrage ist Bauen in Borgholzhausen bisher durchaus bezahlbar. Auch verkaufte Immobilien waren im Durchschnitt günstiger als zum Beispiel in Halle. Die Nachfrage könnte aber steigen, und damit der Preis.  © Ulrich Fälker

BorgholzhausenDerzeit stehen rund 50 Bauwillige auf der Warteliste des Rathauses. Die Bewerber hoffen auf Plätze in den Erweiterungsgebieten am Blömkenberg, an der Heidbrede oder in der Erweiterung des Baugebietes Enkefeld am Ortseingang. „Die Nachfrage ist derzeit deutlich größer als zuletzt", bestätigt Bürgermeister Dirk Speckmann.

In den vergangenen Jahrzehnten hatte die Stadt Stück für Stück neue Gebiete erschlossen, Angebot und Nachfrage hielten sich die Waage. Erst in der jüngsten Zeit war das Angebot geschrumpft. „In den vergangenen zwei Jahren hatten wir einen Rückstau", erklärt Speckmann.

Ein Haus kostet im Durchschnitt 230.000 Euro

Insgesamt wurden in Pium im vergangenen Jahr 27 Ein- und Zweifamilienhäuser, 13 Wohnungen und 21 Bauplätze verkauft. Das waren etwas weniger als in den beiden Vorjahren. 6,3 Millionen Euro brachten allein die Hausverkäufe den jeweiligen Eigentümern ein. Der Durchschnittspreis für ein Haus lag somit bei rund 230.000 Euro.

Im Vergleich zu den Nachbarstädten sind das Schnäppchenpreise: Der Haller Durchschnitt liegt bei 280.000 Euro, der von Werther bei 270.000 Euro. Die Bauplätze lagen preislich ebenfalls deutlich unter Kreisdurchschnitt, rund 125 Euro kostete der Quadratmeter, Privatverkäufe waren tendenziell etwas teurer. Käufer, die bereit waren, sich auf die Vorgaben der Klimaschutzsiedlung des Enkefeldes einzulassen, wurden dafür mit Preisen schon ab 100 Euro belohnt.

Die Nachfrage wird hoch bleiben

Wegen der gestiegenen Nachfrage könnten aber auch in Pium die Preise anziehen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass vor allem der wirtschaftliche Erfolg für den Bedarf maßgeblich ist. „Das IBV schafft viele Arbeitsplätze", so Speckmann zum interkommunalen Gewerbegebiet. Der Logistiker B+S zöge ebenso solvente Arbeitnehmer und ihre Familien an wie das Borgholzhausener Traditionsunternehmen Westfalia Europe. „Die Nachfrage wird in den nächsten zehn Jahren hoch bleiben", prognostiziert er. Zumindest dann, wenn die Corona-Krise nicht zu dauerhaft schweren Verwerfungen auf dem Grundstücksmarkt führt.

Kreisweit ist der Wert von Ein- und Zweifamilienhäusern innerhalb des vergangenen Jahres um respektable zehn Prozent gestiegen. Oder wie es im sogenannten „Grundstücksmarktbericht" heißt: „Der Grundstücksmarkt im Kreis Gütersloh ist im Berichtszeitraum insgesamt weiterhin geprägt durch Preissteigerungen in den marktbestimmenden Teilmärkten." Und die Preise steigen immer schneller. 2015 waren es erst acht Prozent, 2011 sogar nur drei.

„So etwas wie Borgholzhausens neues Villenviertel"

Grund dafür sind nach Einschätzung der sachverständigen Architekten, Vermesser und Ingenieure, die am Bericht mitarbeiten, die gute wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Kreises und die niedrigen Zinsen bei den Banken, die zum Kaufen anregen.

Ein besonderes Filetstück bilden in Pium die acht Baugrundstücke, die am Blömkenberg verkauft werden sollen. Wie berichtet gibt es dafür schon etliche Interessenten. Allein schon wegen der komplizierten Erschließung werden die Grundstücke dort nicht billig, die Lage ist allerdings sehr gut. „Ich könnte mir vorstellen, dass das so etwas wie Borgholzhausens neues Villenviertel wird", spekuliert Dirk Speckmann deshalb. Am Dienstag (12. Mai) wird sich der Bauausschuss mit dem Blömkenberg befassen.

Viele Grundstücke gehen an junge Familien

Das Borgholzhausener Rathaus ist natürlich daran interessiert, junge Familien in den Ort zu locken, um eine Überalterung der Stadt zu verhindern. Beim Verkauf von öffentlichen Bauplätzen kann die Kommune eigene Kriterien festlegen. Im Enkefeld verzichtete sie darauf, weil die Nachfrage nicht sehr hoch war und vor allem der Klimaschutz vorangetrieben werden sollte.

Sollte die hohe Nachfrage aber bestehen bleiben, will der Bürgermeister das Instrument wieder ins Spiel bringen. Aber auch ohne Selektion wurde in den vergangenen Jahren ein Großteil der Grundstücke in Borgholzhausen an junge Familien verkauft, berichtet der Verwaltungschef.

Laut Grundstücksmarktbericht sind kreisweit die 30- bis 40-Jährigen in fast allen Bereichen die Hauptkäufer. Vor allem bei den Bestandshäusern machen sie fast die Hälfte der Gesamtkäufe aus. Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, setzt sich der Bürgermeister für das kontrovers diskutierte Baugebiet in Hamlingdorf ein. „Es drängt sich auf", sagt Dirk Speckmann. Schon mit einem Blick auf die Karte könne man erkennen, dass dort die passende Erweiterungsfläche liege. „Es ist das letzte große Gebiet, das wir haben."

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