Ein Fahrgeschäft für die Wohnung: Mann baut Kirmes-Raupe

Michael Wolf baut in Kleinstarbeit ein Modell der legendären Feldmann-Raupe.

Ekkehard Hufendiek

Die Lichter einer kleineren Raupenbahn sind voll funktionstüchtig - klar, dass die große Feldmann-Raupe ebenfalls mit viele farbigen LED-Lampen ausgestattet wird. - © Ekkehard Hufendiek
Die Lichter einer kleineren Raupenbahn sind voll funktionstüchtig - klar, dass die große Feldmann-Raupe ebenfalls mit viele farbigen LED-Lampen ausgestattet wird. (© Ekkehard Hufendiek)

Borgholzhausen/Halle. Modellbau ist ein beliebtes Hobby unter Männern. Aber warum baut jemand das Modell einer Kirmes-Attraktion? „Weil die Feldmann-Raupe Kult ist", sagt Michael Wolf. Er hat auf dem ehrwürdigen Fahrgeschäft seinerzeit ein Jahr lang als Kassierer gearbeitet. Außerdem ist er generell Kirmesfan. Im kleinen Maßstab hat er schon viele Fahrgeschäfte nachgebaut. Bisher alle im Verhältnis 1:87 – passend zur Größe einer Märklin-Eisenbahn H0. Jedes seiner Modelle ist mit voll funktionstüchtiger Lichttechnik ausgestattet. Das soll bei seinem größten Projekt auch so sein.

Trotzdem ist das, was er jetzt baut, etwas völlig anderes: Die Feldmann-Raupe ist aus Holz und sein erstes Modell im Maßstab 1:10. „Ich hab mir gedacht: Jetzt baust du mal richtig was Großes", erklärt Michael Wolf. Seine Lust auf Nostalgie im großen Maßstab hat noch einen anderen Grund, den er beim kleinen Pressetermin erst später nennt: Die Augen des 66-jährigen ehemaligen Trockenbauers können die kleinen Teile nicht mehr so gut erkennen.

Als Vorlage dient Michael Wolf ein Zeitungsfoto. - © Ekkehard Hufendiek
Als Vorlage dient Michael Wolf ein Zeitungsfoto. (© Ekkehard Hufendiek)

Im Original misst die Feldmann-Raupe 18 mal 22 Meter. Sie ist seit Jahren die Attraktion des Christkindlmarktes in Borgholzhausen. Michael Wolfs Modell ist zehnmal kleiner. 1,80 mal 2,20 Meter misst seine Grundplatte. Der Rohbau steht in der Mitte seines Hobbykellers und beansprucht einen Großteil des Raumes. Neben dem Modell liegt ein Zeitungsfoto, das als Vorlage dient. Andere Pläne besitzt er nicht – außer den, den er im Kopf hat. Den jetzigen Besitzer Dirk Lotte hat er wegen der Original-Maße angerufen.

„Die Dame des Hauses hat schon gemeckert"

Beim Umschreiten seines Modells fällt ein loses Holzteil herunter. Michael Wolf hebt es vorsichtig auf und steckt es wieder an seinen Platz. Bislang ist wenig geleimt oder geklebt. Viele Holzteile an seiner Raupe sind einfach nur zusammengesteckt oder ineinandergeschoben. Meist liefern Schrauben und Nieten den Halt. Michael Wolfs Plan ist, das fertige Modell im Auto transportieren zu können. Deswegen hat er die Grundplatte in vier große Stücke aufgeteilt, damit sein Modell in den Kofferraum eines Autos passt. So kann er es beim nächsten Christkindlmarkt ausstellen.

Michael Wolf schiebt den Prototyp des ersten Wagens an. Das Modell soll später ebenso funktionstüchtig sein wie das Original. - © Ekkehard Hufendiek
Michael Wolf schiebt den Prototyp des ersten Wagens an. Das Modell soll später ebenso funktionstüchtig sein wie das Original. (© Ekkehard Hufendiek)

Die Ansichten der Metallteile zeichnet er zunächst auf einer Pappschablone vor und sägt sie anschließend nach der Schablone aus. „Da sitzt man etwas länger dran", sagt er und fügt leicht süffisant hinzu: „Die Dame des Hauses hat schon gemeckert." Im Schraubstock werden viele Teile zurechtgebogen. 20 Wagen muss er bauen. Die nennt er „Scheesen", den Stoff über den Wagen bezeichnet er als „Balg" und im Zentrum dreht sich der „Trichter". Mehr als tausend Stunden müsse er an seinem Modell bauen bis es fertig ist, sagt Michael Wolf. Zeit genug hat er jetzt.

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