Das ist die neue Attraktion auf dem Wanderweg in Borgholzhausen

Die neue Attraktion auf dem Wanderweg Hermannshöhen ist jetzt in Betrieb.

Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. Der Raureif der Nacht verwandelt sich in silberne Tröpfchen, die in unendlicher Fülle an den Ästen der niedrigen Bäume hängen. In der Sonne des späten Vormittags glitzern sie wie kleine Diamanten, ehe die steigende Wärme sie spurlos verdampfen lässt. Der letzte Märzmorgen dieses Jahres präsentiert sich oben am Luisenturm so schön, wie man es sich nur wünschen kann, wenn man Werbung für das Wandern im Teuto machen will.

Tamara Kisker macht das sozusagen hauptberuflich für die Stadt und deshalb hat sie trotz Corona eingeladen, um die neueste Attraktion in Borgholzhausen vorzustellen. Der Termin findet natürlich draußen statt, und so ist es leicht, alle nötigen Sicherheitsabstände zu wahren. Auch, als sich noch Ernstfried Schaefer dazu gesellt, der im Augenblick viel mehr Zeit hat, als ihm lieb ist.

Keine Bank für Lümmel, sondern ein zum Lümmeln: Tamara Kisker und Ernstfried Schäfer halten hhier am neuen Luisenturm-Hörpunkt den gebotenen Abstand und genießen die herrliche Morgenstimmung. - © Andreas Großpietsch
Keine Bank für Lümmel, sondern ein zum Lümmeln: Tamara Kisker und Ernstfried Schäfer halten hhier am neuen Luisenturm-Hörpunkt den gebotenen Abstand und genießen die herrliche Morgenstimmung. (© Andreas Großpietsch)

Zusammen mit seiner Frau Ute Schaefer betreibt er die Luisenturmhütte, in der Wanderer normalerweise Speis und Trank finden, die aber jetzt, wie alle Gaststätten, geschlossen hat. Doch dass Wandern nicht nur in Zeiten von Corona ein echter Hit ist, hat er natürlich im Blick. „Seit die vier Wege hier ausgeschildert sind, hat es sich noch einmal gesteigert", lautet seine Beobachtung.

Durch das Marketing der Ostwestfalen GmbH hat gerade der Weg über die namensgebenden „Hermannshöhen" rapide an Aufmerksamkeit gewonnen. Längst nicht mehr kommen die Wanderer nur aus der näheren Umgebung. Damit das Interesse hoch bleibt, wird einiges investiert. Wie jetzt in Borgholzhausen am Luisenturm zu sehen – und vor allem zu hören ist.

„Diese Sitzgelegenheit nennt sich Lümmelbank"

„Diese Sitzgelegenheit nennt sich Lümmelbank", erklärt Tamara Kisker. Das Outdoor-Möbel aus rohen Stämmen bietet sich zum Anlehnen bei einer Rast im Stehen an. Wer sitzen möchte, darf das auch, allerdings etwas anders als gewohnt: Der gern ungefragt gegebene Hinweis „Machst du das zu Hause auch"?, verbunden mit einem vorwurfsvollen Blick, verbietet sich an der Lümmelbank. Denn die ist genau dafür gemacht.

Und sie bietet noch einen zusätzlichen Nutzen: Man kann sich von ihr ein wenig über Borgholzhausens Sehenswürdigkeiten erzählen lassen. Wer es unbedingt will, der kann die kurzen Hörstücke mit Anna, der Großstadtpflanze, zu Besuch am Teuto, und ihrem Großvater Hermann, mit seinem Handy abspielen. Das geht sogar im eigenen Heim, ohne auch nur einen Schritt vor die Tür zu setzen.

Viele Weg führen am Luisenturm entlang. - © Andreas Großpietsch
Viele Weg führen am Luisenturm entlang. (© Andreas Großpietsch)

Das geht aber auch ganz analog und altbewährt, indem man einen kleinen Knopf an der Lümmelbank drückt. „Insgesamt gibt es 25 dieser Geschichten aus dem Teutoburger Wald", weiß Tamara Kisker, die das Drehbuch für den kleinen Dialog geschrieben hat. Damit hat sie dafür gesorgt, dass weder die Hinweise auf die weltgrößte Platte mit Riesenammoniten im Heimathaus noch die Ravensburg fehlen.

Denn der Hermannsweg, der auf 226 Kilometern Wanderstrecke den Teutoburger Wald erschließt, verlässt in Borgholzhausen die Höhen und führt die Wanderer hinab ins Tal. Genauso wie die beiden Protagonisten der kleinen Geschichte, deren Fortsetzungen an vielen Stationen mit Hilfe der sogenannten Hörmöbel angeboten werden. Doch vor dem Weg bergab geht es noch ein Stück in die Höhe.

Denn eigentlich gehört auch der Aufstieg auf den Luisenturm dazu. Von oben bietet sich gerade an so strahlenden Frühlingstagen wie am Dienstag eine fantastische Fernsicht. „Man sieht aber immer wieder Wanderer, die den Turm einfach links liegen lassen", staunt Ernstfried Schaefer. Der Luisenturm, benannt nach der legendären preußischen Königin, ist übrigens ganzjährig geöffnet.

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