Seit 30 Jahren an der B68: Dieser Händler profitiert vom Fahrradboom

Horst Ratzow führt sein Fahrradgeschäft kurz vor der Grenze zu Niedersachsen bereits seit 30 Jahren. Seitdem die Autobahn eröffnet ist, herrscht vor seiner Tür weniger Verkehr. Doch das sieht er eher als Vorteil. Sein Unternehmen profitiert vom Fahrradboom.

Herbert Gontek

So sieht das gegenwärtig am besten verkaufte Modell aus. Ein kleiner leistungsfähiger Elektromotor, ein stangenloser Rahmen für alle Geschlechter und eine unauffällig verbaute Batterie im Rahmen. - © Herbert Gontek
So sieht das gegenwärtig am besten verkaufte Modell aus. Ein kleiner leistungsfähiger Elektromotor, ein stangenloser Rahmen für alle Geschlechter und eine unauffällig verbaute Batterie im Rahmen. (© Herbert Gontek)

Borgholzhausen. Die Ratzows leben und arbeiten in diesen Tagen 30 Jahre lang an der ehemaligen Bundesstraße 68. Ihr Anwesen ist das letzte Haus vor der Landesgrenze zu Niedersachsen. Seit mehr als fünf Jahren spüren sie die Verkehrslast der alten Tage nicht mehr. „Wir können jetzt bei der Probefahrt mit einem reparierten Fahrrad hören, wenn es irgendwo schleift," sagt Maschinenbaumeister und Chef Horst Ratzow. „Allerdings verwechseln jetzt viele Autofahrer die Straße mit dem Nürburgring. Die fahren viel zu schnell", sagt er. Sein Geschäft habe sich immer positiv weiter entwickelt – egal, ob mit B 68 oder ohne, stellt der Inhaber erfreut fest. „So beschränken wir uns seit einiger Zeit nur noch auf Fahrräder, um die erstklassige Arbeit in diesem stark wachsen Geschäftsfeld weiter leisten zu können."

1990 hat Ratzow das Geschäft von Heinrich Kaufhold übernommen. Damals arbeitete er im technischen Bereich der Lebensmittelherstellers Homann. Zehn Jahre lang betreute er nebenberuflich noch die Auszubildenden der Firma in den drei Berufen, für die er die Ausbildungsbefähigung besaß.

„Aber für mich hat von Beginn an in meinem Geschäft die Musik gespielt", erinnert sich der leidenschaftliche Mechaniker. „Zu Beginn haben wir neben den Fahrrädern auch Rasenmäher verkauft und gewartet, uns dann aber ausschließlich dem stark wachsenden Fahrradmarkt gewidmet. Heute betreuen wir nur noch die Altkunden im Mähersegment", erläutert Ratzow.

Es gibt nicht nur Elektroräder

Mechaniker Leif Dierking, Büroleiterin Magdalene Ratzow und Horst Ratzow. Im Hintergrund das Ersatzteillager. Foto: Herbert Gontek - © Herbert Gontek
Mechaniker Leif Dierking, Büroleiterin Magdalene Ratzow und Horst Ratzow. Im Hintergrund das Ersatzteillager. Foto: Herbert Gontek (© Herbert Gontek)

Neben seiner Frau Magdalena, die sich überwiegend um die Buchhaltung kümmert, gehört zum Team des 61-Jährigen der 39-jährige Leif Dierking. Er ist passionierter Rennradfahrer, leidenschaftlicher Mechaniker, seit 20 Jahren im Unternehmen aktiv und soll das Geschäft weiterführen. Ratzow: „Wir werden eine Gesellschaft gründen, in die Leif als gleichberechtigter Partner einsteigt." Darüber hinaus werden noch drei Aushilfskräfte beschäftigt.

Auch wenn beim Fahrradkauf der Run auf die Elektroräder ungebrochen ist: „Wir verkaufen immer noch zur Hälfte Räder, die nur mit Muskelkraft betrieben werden", berichtet der Händler. „Damit bedienen wir überwiegend Kinder und Jugendliche. Die nächste Generation der Elektrofahrradfahrer. Viele Kollegen haben sich aus diesem Geschäft zurückgezogen, weil die Gewinne dort schmaler sind."

Aber es gibt auch Fans der reinen Muskelkraft unter den Erwachsenen. Sie kaufen noch normale Räder und nehmen das Angebot des Radhändlers an, ihr Rad individuell aufzubauen und auszustatten. So können zum Beispiel Rahmenlänge und Einstieg bestimmt werden. Für den Händler ein wichtiges Angebot, denn nur ein maßgeschneidertes Rad verspricht optimalen und bequemen Sitz, ähnlich wie bei einem Anzug.

Bei den Elektrorädern hat es in den vergangenen fünf Jahren einen dramatischen Entwicklungsschub gegeben. Meist wird gegenwärtig das stangenlose Rad gekauft, in dessen Rahmen die Batterie eingebaut ist. Der Motor ist im Tretlager angeordnet, ist leise und leistungsstark und das Rad kann auch ohne Strom normal gefahren werden. Interessant ist die Nutzungsfrequenz. Ratzow: „Wir haben Kunden, die haben 25.000 Kilometer auf dem Tachometer, also absolute Vielfahrer. Dem stehen viele Wenigfahrer gegenüber, die jährlich sechs bis acht Ladezyklen für ihre Mobilität benötigen." Der Zweiradhändler vertreibt im Schwerpunkt die Marken des deutschen Fahrradherstellers Hartje aus Hoya an der Weser.

Während der Corona-Krise hilft der Telefonservice

„Auch in Coronazeiten können wir unseren Service und Verkauf telefonisch weiter anbieten", erläutert Leif Dierking. „Die Kunden stellen uns nach vorheriger telefonischer Absprache ihr Rad vor die Tür, beschreiben das Problem und bekommen es auf gleichem Wege ohne persönlichen Kontakt mit dem Mechaniker zurück", sagt er. „Auch das läuft ganz gut und wir haben ein umfangreiches Ersatzteillager, aus dem wir eigene Wochen schöpfen können", freut sich Horst Ratzow.

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