Aus einer Bauschuttdeponie wurde ein spannendes Biotop für Borgholzhausen

Innerhalb von 18 Monaten ist aus einer ehemaligen Bauschuttdeponie eines der spannendsten Biotope Borgholzhausens geworden. Im Quelltal des Pustmühlenbachs erobert sich die Natur mit atemberaubender Geschwindigkeit die Flächen zurück.

Andreas Großpietsch

Frühlingsbilder aus dem neuen alten Tal des Pustühlenbachs. - © Andreas Großpietsch
Frühlingsbilder aus dem neuen alten Tal des Pustühlenbachs. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Zahllose kleine Weidenbäume bilden Inseln, die rot in der Sonne leuchten. Binsen liefern den dunkelgrünen Kontrast, während Huflattichblüten für gelbe Einsprengsel sorgen. Wo sich Wasser zeigt, spiegelt sich der klare blaue Himmel darin – die ehemalige Altlast am Ortseingang präsentiert nach knapp 18 Monaten einen lebendigen Farbenrausch, den auch Experten nur erhofft und nicht erwartet hatten.

„Der Huflattich muss sich schon im vergangenen Jahr angesiedelt haben. Und die Weiden dürften von Bäumen in der Nähe gesät worden sein. Sie stammen ebenfalls aus dem Jahr 2019“, versucht Dirk Nolkemper die Entwicklung zu erklären. Die größte Überraschung sind vielleicht die Binsen. Denn die Spezialisten für feuchte Standorte haben sich üppig entwickelt. Denkbar ist, dass sie aus Samen entstanden sind, die schon sehr lange im Boden gelagert haben.

Wo der Pustmühlenbach entspringt

Denn in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verfüllte die Stadt Borgholzhausen hier die Quellregion des Pustmühlenbachs. Damals dachte sich niemand etwas dabei, ein lebendiges Bachtal mit Bauschutt vollzukippen. Doch ganz tot war der Bach nie. Umweltberater Dirk Nolkemper stellte schon vor Jahren fest, dass er den Deponiekörper anknabbert und die Sünden der Vergangenheit wieder ans Tageslicht bringt.

Frühlingsbilder aus dem neuen alten Tal des Pustühlenbachs. - © Andreas Großpietsch
Frühlingsbilder aus dem neuen alten Tal des Pustühlenbachs. (© Andreas Großpietsch)

Seit Ende 2018 sind diese Sünden zum großen Teil beseitigt. 25.000 Kubikmeter Material wurden auf der 1,2 Hektar großen Fläche abgebaggert und auf eine alte Deponie in Berghausen gefahren. Die ehemalige Sandgrube war nur zur Hälfte verfüllt. Jetzt sieht die Landschaft dort schon in etwa so aus wie früher, nur die Bäume müssen noch wachsen.

Frühlingsbilder aus dem neuen alten Tal des Pustühlenbachs. - © Andreas Großpietsch
Frühlingsbilder aus dem neuen alten Tal des Pustühlenbachs. (© Andreas Großpietsch)

Was im Pustmühlenbachtal wachsen wird, soll nicht gepflanzt, sondern möglichst dem Spiel der Naturkräfte überlassen werden. „Selbst im trockenen Sommer 2019 ist hier immer ein wenig Wasser ins Bachtal gesickert“, hat Dirk Nolkemper beobachtet. Das freut ihn nicht nur, weil es deutlich macht, wie besonders das Tal unter der Bauschuttschicht eigentlich war, bevor es zerstört wurde.

Sondern auch, weil das viele Wasser für ganz besondere Lebensräume sorgt. Der erste Grasfrosch ist schon gesichtet, Kröten und Feuersalamander werden sich über Unterschlupf in den Totholzhaufen freuen. Auf dem kleinen Teich hat sich ein Pärchen Kanadagänse angesiedelt.

Auf der Fläche nebenan sieht das ganz anders aus. Dort hat die Stiftung Burg Ravensberg im Frühjahr 2019 Bäume und Büsche in großer Zahl auf ihrer neuen Fläche angepflanzt. Die meisten Gewächse haben das schwierige erste Jahr gut überstanden und stehen kurz davor, Blätter auszutreiben. Eichen, Buchen, Wildkirschen, dazu Wildapfel, Weißdorn und Schlehen am künftigen Waldsaum. „Im Herbst werden wir einen weiteren Hektar Acker oberhalb des Ba-renbergweges bepflanzen“, sagt Jürgen Upmeyer, der Vorsitzende der Stiftung Burg Ravensberg.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.