Gestrandet im Paradies: Familie sitzt auf Mauritius fest

Familie Langewitz sitzt auf Mauritius fest und wartet auf einen Rückholflug der Regierung. Die drei machen sich viele Gedanken darüber, wie das Leben zu Hause in den kommenden Wochen sein wird.

Anke Schneider

Kerstina, Christoph und Lena-Sophie Langewitz sind dankbar für die geschenkte zeit. Zu Hause wird das Leben ein anderes sein als das, was sie verlassen haben. - © Anke Schneider, HK
Kerstina, Christoph und Lena-Sophie Langewitz sind dankbar für die geschenkte zeit. Zu Hause wird das Leben ein anderes sein als das, was sie verlassen haben. (© Anke Schneider, HK)

Borgholzhausen. Immer noch sitzen tausende deutsche Urlauber im Ausland fest. Christoph Langewitz, Leiter des DRK-Haus Ravensberg, und seine Familie sind drei von ihnen. Außenminister Heiko Maas hat vorgestern Probleme bei der Rückholung dieser Menschen eingeräumt. Eine Absprache unter den Europäern soll die Heimkehr nun beschleunigen.

Am 6. März sind Christoph, Kerstina und Lena-Sophie Langewitz in den Urlaub geflogen. Mauritius war das Ziel – ein Inselstaat im Indischen Ozean mit 1,3 Millionen Einwohnern. „Die Reise haben wir im Januar gebucht", so Langewitz. Am Tag des Abflugs gab es in Deutschland gerade mal 640 Fälle. Die rasante Entwicklung, welche die Ausbreitung der Krankheit nahm, war für die Familie nicht abzusehen.

Am vergangenen Samstag sollte es zurück nach Deutschland gehen. Christoph Lange-witz verfolgte die Nachrichten und sah kommen, dass der Rückflug gecancelt werden würde. Alle Versuche, schon Tage vor der Heimreise eine Auskunft beim Reiseveranstalter oder bei der Fluggesellschaft Eurowings zu bekommen, waren vergeblich. „Wir haben nicht mal die Internetseite erreichen können", erzählt Christoph Langewitz.

Registrierung am Flughafen

Auch über die deutsche Botschaft in Pretoria habe er es versucht. Dort gab man der Familie zwei Telefonnummern von Ansprechpartnern, die auch nicht erreichbar waren. So ging die Familie am Samstag planmäßig zum Flughafen, um dort zu erfahren, dass der Flieger nicht abheben wird.

Nun begann die Suche nach Möglichkeiten, nach Hause zu kommen. „Am Flughafen gab man uns Registrierungsformulare für einen Rückholflug der Regierung. Die haben wir ausgefüllt. Wann der Rückflug stattfinden wird, wissen wir aber nicht", sagt Christoph Langewitz. Die drei begaben sich zurück in die kleine Ferienanlage, in der sie inzwischen die einzigen Gäste sind.

„Auf Mauritius gab es erst vor einer Woche den ersten bestätigten Corona-Fall", so der Leiter des DRK-Haus Ravensberg weiter. Von da ab habe die Regierung die Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt. Es gibt eine Ausgangssperre, Geschäfte wurden geschlossen, es gab Eingangskontrollen in den Supermärkten und Kontrollen auf den Straßen. An den Strand dürfe man auch nicht mehr. „Wenn ich mir dagegen die Situation in Deutschland anschaue, kann ich mir die Diskussion um die Maßnahmen dort kaum vorstellen", so Langewitz.

Familie Langewitz will der Fels in der Brandung sein

Die Familie versucht trotz ihrer derzeitigen Situation ihre gute Laune zu bewahren. „Wir sind dankbar für die zusätzlich geschenkte Zeit", sagt Kerstina Langewitz. „Alle sagen uns, dass wir ein total verändertes Deutschland vorfinden werden", so Christoph Langewitz. Kerstina Lange-witz, die in der Psychiatrie arbeitet, ist gespannt, was auf sie zukommt. „Das Kontaktverbot ist für Menschen mit Depressionen ganz und gar nicht zuträglich", sagt sie. „Das wird eine Herausforderung."

Die Familie hat sich in den vergangenen Tagen Gedanken darüber gemacht, was in Deutschland das Wichtigste ist. Optimismus verbreiten wollen sie, der Fels in der Brandung sein – jeder in seinem Bereich. Die drei haben Zeit, auch die eigene Position zu reflektieren. „Ist diese beschleunigte Welt, die wir bisher hatten, wirklich die Welt, die wir haben wollen?", fragt der Leiter des DRK-Seniorenheims. Er sieht in der Krise auch Chancen, dass nun Werte wichtig werden, welche die Menschen vergessen hatten. Und die gelte es festzuhalten.

„Es ist ein Privileg, das Ganze mit Abstand zu verfolgen", sagen Christoph und Kerstina Langewitz. Die derzeitige Situation schenkt der Familie die Gelegenheit, sich gut auf die Rückkehr in die Heimat vorzubereiten. „Ich möchte zurückkommen und ein Friedens- und Hoffnungsträger sein", so Christoph Lange- witz. Er ärgert sich über die Angriffe im Internet auf alte Menschen und Jugendliche. „Die Alten würden nun die Quittung dafür kriegen, dass sie den Planeten zu Grunde gerichtet haben", nennt er ein Beispiel. „Wir sind doch nicht im Kriegszustand. Sowas darf nicht sein." Klare Regeln würden die Situationen vereinfachen, kritisiert Langewitz die Politik. Diskussionen um das Wenn und Aber müsse man unterbinden. „Nun ist Führung gefragt", findet er.

Tochter Lena-Sophie bleibt gerne länger

„Wir haben keine Angst vor unserer Heimkehr", so das Statement der ganzen Familie. „Und wenn wir noch drei Wochen hier festsitzen, dann ist das eben so", sagt Christoph Langewitz. Tochter Lena-Sophie findet diesen Gedanken sogar sehr angenehm. „Ich sitze lieber noch drei Wochen bei 30 Grad am Pool als zu Hause in der Isolation", so die Schülerin.

„Ich vermisse allerdings meine Kollegen, die nun Fantastisches leisten", gibt Christoph Langewitz zu. Er stehe in ständigem Kontakt mit dem Haus Ravensberg. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft", sagt er und möchte sich auf diesem Weg bei allen bedanken, die nun mutig in vorderster Reihe stehen.

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