Ladenschluss: Borgholzhausens Einzelhändler sind trotzdem für die Kunden da

Die Türen der Geschäfte in Borgholzhausen bleiben natürlich geschlossen, wenn es vom Land Nordrhein-Westfalen angeordnet wird. Doch die Einzelhändler sind trotzdem für ihre Kunden da. Die Krise schafft Raum für neue Ideen.

Andreas Großpietsch

Buchhändlerin Martina Bergmann und Postbote Antonio Alfano - © Andreas Großpietsch
Buchhändlerin Martina Bergmann und Postbote Antonio Alfano (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Sie haben sich nicht abgesprochen, aber sind beim Nachdenken über die Folgen der Krise alle zum gleichen Ergebnis gekommen. Buchhändlerin Martina Bergmann, Telekommunikationsanbieter Frank Stenzel und Elektrohändler Thomas Rohlmann werden ihre Läden pflichtgemäß schließen, wenn sie dazu aufgefordert werden, aber trotzdem für ihre Kunden da sein. „Wenn der Kühlschrank ausfällt, brauchen die Menschen sofort einen neuen. Und den können wir liefern und anschließen“, sagt Thomas Rohlmann.

Geöffnet sollen nur noch Apotheken, Tankstellen und natürlich Lebensmittelhändler sein. Kulturgüter wie Bücher sind aber für nicht wenige Menschen ebenfalls unverzichtbar. Und Telefonanschlüsse und Handys sind in ihrer Bedeutung noch einmal wichtiger geworden. Und werden das weiterhin tun, wenn der Kampf gegen die Coronakrise die Menschen zu noch mehr Aufenthalt in ihren Wohnungen zwingt.

Die Post zeigt Fantasie in Krisenzeiten

Thomas Rohlmann - © Andreas Großpietsch
Thomas Rohlmann (© Andreas Großpietsch)

Noch sind nicht alle Details zu Ende gedacht, wie dann am Ende die Ware vom Geschäft zum Kunden kommt. Aber die Post macht vor, dass sich mit Fantasie Probleme lösen lassen. „Wir fangen jetzt erst um 10 Uhr an“, sagt zum Beispiel Paketausträger Antonio Alfano. Die späte Startzeit wurde mit Kalkül gewählt, denn so hofft die Post, vor allem die Geschäftsleute in ihren Läden anzutreffen.

Frank Stenzel - © Andreas Großpietsch
Frank Stenzel (© Andreas Großpietsch)

„Wir dürfen selbst unterschreiben“, erklärt Alfano und macht ein Zeichen auf dem kleinen Bildschirmgerät in seiner Hand. Kundin Martina Bergmann hat die Buchsendungen des Tages entgegengenommen und wirft noch einen kurzen Blick auf das Display, ehe sie mündlich ihr Einverständnis erklärt, der Bote den Liefervorgang abschließt und sich mit einem fröhlichen „Bis morgen“ verabschiedet. „Der Buchgroßhandel ist lieferwillig und auch lieferfähig“, sagt Martina Bergmann. Denn auch die Verlage können in Krisenzeiten wie diesen nicht so einfach auf jeglichen Umsatz verzichten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Umso wichtiger ist natürlich, dass auch die Verbindungen der Menschen untereinander weiter funktionieren. Handys und Telefone sind vor allem da unverzichtbar, wo zum Beispiel ältere oder kranke Menschen ihre Wohnungen derzeit nicht verlassen wollen. „Wir bringen die Geräte mit Mundschutz zum Auto und notfalls liefern wird auch. Hilfe bei der Auswahl und Einrichtung gibt es jetzt vor allem in telefonischen Beratungsgesprächen.

Örtliche Einzelhändler leben vom Service

Gerade der Service zeichnet die örtlichen Anbieter aus und ist manchmal fast unverzichtbar. So könnten Menschen auf die Idee kommen, eine neue Waschmaschine selbst anzuschließen. Doch das ist gefährlich: Macht man dabei einen Fehler, der einen Wasserschaden nach sich zieht, wird die Versicherung sich weigern, für den Schadenaufzukommen. Für den Wechsel einer Glühbirne oder den Anschluss einer neuen Mikrowelle, bei der man nur den Stecker in die Steckdose schieben muss, kämen die Mitarbeiter von Elektro Rohlmann aber eher nicht in eine fremde Wohnung. Sicherheit geht eben auch hier eindeutig vor.

Buchhändlerin Martina Bergmann ist ebenso wie ihre Kollegen telefonisch zu erreichen, aber bedient auch elektronische Kanäle wie Facebook. Sie will ihre Kunden beraten und dann vereinbaren, wie ein Buch zu ihnen kommen kann. „Ich bin zu den normalen Geschäftszeiten hier im Laden“, sagt sie.

Die Tür zu ihrem Geschäft hat sogar noch einen alten Briefschlitz, durch den man aber auch gut ein Buch schieben kann. Und wenn der Bedarf nicht ganz so groß ist, dann hat Martina Bergmann noch einen entscheidenden Vorteil: Sie schreibt derzeit an ihrem zweiten Roman. Um die Corona-Krise geht es darin nicht.

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