46 Jahre bei der Volksbank: Angela Köhn geht in den Ruhestand

Angela Köhn geht in den Ruhestand – 46 Jahre und sechs Monate im Dienst der Volksbank sind genug. Allerdings ist sie auch immer gern arbeiten gegangen. Und hat sich deshalb auch mit moderner Technik angefreundet.

Andreas Großpietsch

Angela Köhn war viele Jahrzehnte lang das Gesicht der Volksbank in Borgholzhausen. Sie kennt jeden und weß viel über ihre Kunden. Vor allem weiß sie, wie wichtig das bankgeheimnis ist. heute ist ihr letzter Arbeitstag nach 46,5 Dienstjahren. - © Andreas Großpietsch
Angela Köhn war viele Jahrzehnte lang das Gesicht der Volksbank in Borgholzhausen. Sie kennt jeden und weß viel über ihre Kunden. Vor allem weiß sie, wie wichtig das bankgeheimnis ist. heute ist ihr letzter Arbeitstag nach 46,5 Dienstjahren. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Hinter ihr auf dem großen Wandbild prangt das Haus Brincke im Abendsonnenschein. Das friedliche Bild scheint perfekt zum Anlass gewählt zu sein, denn heute wird Angela Köhn zum letzten Mal davor sitzen. Jedenfalls in offizieller Funktion, denn heute hat sie ihren letzten Arbeitstag – nach genau 46 Jahren und sechs Monaten im Dienst der Volksbank Halle. Von diesen vielen Jahren hat die allermeisten in Borgholzhausen verbracht.

Doch das friedliche Bild der Fast-Ruheständlerin täuscht. Es wird eigentlich erst komplett mit den beiden Computerbildschirmen rechts und links von ihrem Arbeitsplatz auf dem leicht erhöhten Podest in der Volksbank Borgholzhausen, in der sie ihre Kunden heute zum letzten Mal als das Gesicht der Bank sitzend, aber auf Augenhöhe begrüßt.

Gelernt hat sie ihren Beruf als Bankkauffrau in einer Zeit, als der Chef noch fragen durfte, warum sie zehn Mark von ihrem ersten selbst verdienten Geld am Tag der Überweisung vom Konto abheben wolle. „Ich wollte mit meinem damaligen Freund ins Kino“, erinnert sich Angela Köhn noch ganz genau an diese Szene am Anfang eines ungewöhnlich langen Arbeitslebens.

Der Chef riet ihr zur Zurückhaltung gegenüber unüberlegten Geldausgaben. Die gerade 16-Jährige war beeindruckt, denn sie fühlte sich an zu Hause erinnert: „Mein Vater hat auch immer gefragt, was ich mit dem Geld mache“, beschreibt sie.

1973 war die Welt anders als heute

Diese Szene würde bei selbstbewussten Auszubildenden von heute (hoffentlich) wohl zum ersten Konflikt mit dem Arbeitgeber führen, aber 1973 war die Welt noch eine andere. Dabei war das Geld ziemlich gut angelegt: „Mein damaliger Freund ist heute mein Ehemann“, sagt Angela Köhn. Das Paar hat eine erwachsene Tochter.

Mit ihrem Mann will sie jetzt ein wenig öfter in Urlaub fahren als bislang. Mehr Einheiten im Fitnessstudio stehen auch auf ihrer kurzen Liste von möglichen Beschäftigungen im Ruhestand. Und sie ist seit ein paar Monaten Mitglied der Landfrauen. „Mal schauen, was noch so geht“, hat sie sich vorgenommen. Aber auf keinen Fall will Angela Köhn „zu Hause sitzen und auf den Tod warten. Das wäre doch schrecklich“, sagt sie. Die Entschlossenheit in ihrem Blick macht deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit dafür ziemlich gering ist. Vermuten darf man, dass sie etwas machen wird, bei dem der Kontakt zu Menschen eine große Rolle spielt. Denn das ist der rote Faden, der sich durch ihr ganzes Berufsleben zieht.

Immer war sie die Frau am Schalter, das vertraute Gesicht in der Volksbank-Filiale in Borgholzhausen. Die mehrfach in Angela Köhns Berufsleben den Standort gewechselt hat, aber dabei immer die Bank geblieben ist, in der sie ihre ersten Schritte in den Beruf gemacht hat. „Hausbank – das Wort gefällt mir“, erklärt sie diese besondere Beziehung.

Eigentlich sollte der Ruhestand schon am Jahresende beginnen. Aber Angela Köhn blieb freiwillig noch einen Monat länger im Dienst. „Ich wollte noch gerne vier Wochen mit den tollen Mädels zusammenarbeiten“, erklärt sie ihre Motivation. Direkt einarbeiten musste sie ihre Nachfolgerinnen nicht, denn „die sind alle so toll ausgebildet.“ Ein Vorbild kann Angela Köhn ihnen auch heute noch beim Thema Einsatz für die Bank sein.

Die letzten Tage besonders genossen

Den letzten Monat, das gibt sie jederzeit zu, hat sie besonders genossen. Den Abschied von den Kollegen, aber vor allem von den Kunden, die sie in den vielen Jahrzehnten kennengelernt hat. Viele, die als Kind mit ihren Eltern kamen, sind heute erwachsene Menschen in angesehenen Positionen. „Aber sie grüßen immer noch“, freut sie sich über die Kontinuität.

Die ist ihr im Berufsleben immer wichtig gewesen. Einen Einschnitt gab es: Die Fusion von Spar- und Darlehenskasse und der kleinen, eigenständigen Volksbank zur Volksbank Halle im Jahr 1983. „Für mich war das kein schönes Erlebnis“, zieht sie ein ebenso kurzes wie prägnantes Fazit, das keine Rückfragen duldet.

Die nach den heutigen Maßstäben wieder zu den kleinen Banken gehörende Volksbank Halle solle noch möglichst lange eigenständig bleiben, ist ihr Wunsch zum Abschied. „Dafür lohnt es sich zu kämpfen“, appelliert sie an ihre jungen Nachfolgerinnen und Nachfolger. Und weiß dabei natürlich auch, dass man Veränderungen nicht aufhalten kann. Aber mitgestalten kann man sie.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.