Gigantisches Bodenlager sorgt noch für viel Dreck und möglicherweise Ärger

Vor der Sanierung der Straßen im Bereich Westbarthausen sollen erst noch die gigantischen Bodenlager abgefahren werden. Straßen.NRW will das Material verkaufen. Der Bauboom macht das nicht einfacher.

Andreas Großpietsch

Berge von Boden: In Westbarthausen warten 60.000 Kubikmeter auf Interessenten. - © Andreas Großpietsch
Berge von Boden: In Westbarthausen warten 60.000 Kubikmeter auf Interessenten. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Es war schon eine Menge Gras gewachsen über die Bodenlager in Westbarthausen. Schließlich wurden sie mit Material angelegt, das beim Ausbau des Abschnitts von Dissen nach Borgholzhausen angefallen ist – und der wurde im Jahr 2001 eröffnet. Doch als dann das letzte Teilstück der Autobahn von Borgholzhausen nach Halle gebaut wurde, war es endlich so weit und die kluge Bevorratung der großen Bodenmengen sollte die Kosten im letzten Abschnitt in Grenzen halten. Zum Teil hat dieser Plan auch funktioniert.

Mit 40.000 Kubikmetern aus den Bodenlagern ist dieser Teil auch schon ziemlich groß. Die üblichen Kippanhänger hinter den schweren Traktoren, die bei dieser Aufgabe eingesetzt wurden, bestimmten viele Tage lang die Verkehrslage auf den Straßen in Westbarthausen. Besonders der Holzweg und die Westbarthauser Straße haben erheblich unter dem Schwerlastverkehr gelitten und müssen saniert werden.

Schon die bisherige Abfuhr schaffte Nerven und Straßen

Heißer August 2016: Nur etwa 1.300 Meter lang ist das Stück A33 zwischen Hesselteicher und Versmolder Straße. Doch um es zu bauen, mussten gewaltige Mengen Boden abgefahren werden. - © Andreas Großpietsch
Heißer August 2016: Nur etwa 1.300 Meter lang ist das Stück A33 zwischen Hesselteicher und Versmolder Straße. Doch um es zu bauen, mussten gewaltige Mengen Boden abgefahren werden. (© Andreas Großpietsch)

Ungefähr 12 Kubikmeter werden pro Fuhre abgefahren – und da sind für die bislang abtransportierten 40.000 Kubikmeter schon einige Kilometer zusammengekommen. Doch das war offenbar nur ein kleiner Vorgeschmack, was Anwohnern und Nutzern dieser Straßen in diesem Jahr bevorsteht. Wenn Straßen.NRW seine Pläne umsetzen kann.

Das ist allerdings noch nicht klar. Denn die A 33 ist fertig und der restliche Boden wird definitiv nicht mehr gebraucht. Als die vier Bodenlager angelegt wurden, war solches Füllmaterial ein begehrtes Gut. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Die rege Bautätigkeit sorgt für ein Überangebot. Aus dem Markt für Verkäufer könnte eher ein Markt für Entsorger geworden sein. Das steht zwar noch nicht fest, aber der Landesbetrieb macht jetzt die Probe aufs Exempel. „Wir machen eine Ausschreibung", sagt Dietmar Stölting. Im Visier hat der Landesbetrieb dabei Firmen, die im Rahmen großer Bauprojekte auch Boden liefern müssen und sich auf diese Weise das Material beschaffen wollen.

Finden sich Interessenten für diese Bodenmengen?

Allerdings scheint es derzeit ein Überangebot auf dem Bodenmarkt zu geben. Der Käufer müsste zudem das Material zeitnah wegschaffen, denn eigentlich will Straßen.NRW die Aktion noch in diesem Jahr abschließen. Bei geschätzten 100.000 Kubikmetern Boden bräuchte ein Käufer dafür bis zu 9.000 Fahrten von voll beladenen Treckergespannen – und genauso viele Leerfahrten zurück.

Das dürfte für die Anwohner, aber auch für die ohnehin nur mühsam reparierten Straßenabschnitte, eine echte Herausforderung bedeuten. Der Plan ist grundsätzlich aber trotzdem sinnvoll, weil solche ländlichen Straßen wie der Holzweg nie dafür konzipiert werden, solche Mengen an Schwerverkehr aufzunehmen.

Würde man die beiden betroffenen Abschnitte vor der großen Abfuhr sanieren, wären sie danach wieder kaputt. Die spannende Frage ist, wie lange man mit der Sanierung noch warten kann, falls sich kein Interessent für die Bodenberge in Westbarthausen finden sollte.

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