Ins Borgholzhausener Seniorenheim könnten bald Kinder einziehen

Viele Senioren hatten Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. Der Umzug klappte dank der guten Planung aber reibungslos. Für die Nachnutzung des alten Gebäudes ist nun sogar der Offene Ganztag der Violenbachschule im Gespräch – zumindest zeitweise.

Anke Schneider

Mareike Michel (links) und Sabine Klose checken die neuen Bewohner am Boarding-Gate ein. - © anke schneider
Mareike Michel (links) und Sabine Klose checken die neuen Bewohner am Boarding-Gate ein. (© anke schneider)

Borgholzhausen. „Entschuldigen Sie ... bin ich hier richtig?“, war ein Satz, den man am Wochenende im neuen Haus Ravensberg öfter hörte. Nicht nur die ungewohnten Räume, auch das rege Treiben, das an ein Ameisennest erinnerte, machten es den alten Leuten nicht leicht, sich in der neuen Umgebung zu orientieren. „Das war uns auch klar“, so Heimleiter Christoph Langewitz. Daher hätten die Planungen für einen möglichst reibungslosen Umzug schon im Frühjahr 2019 begonnen.

Edith Bönnemann (links) und Reante Upmeyer sind in ihren neuen Zimmern angekommen. Heimleiter Christoph Langewitz fragt, ob alles gut gelaufen sei. Foto: anke schneider - © anke schneider
Edith Bönnemann (links) und Reante Upmeyer sind in ihren neuen Zimmern angekommen. Heimleiter Christoph Langewitz fragt, ob alles gut gelaufen sei. Foto: anke schneider (© anke schneider)

23 Doppelzimmer und 24 Einzelzimmer galt es zu räumen. „Das Gesetz, dass es in Seniorenheimen nur Einzelzimmer geben darf, finde ich persönlich nicht glücklich. Manchmal haben wir ja auch Paare“, so Langewitz. Die müssten dann zwei Zimmer belegen, eines womöglich als Schlafzimmer, das andere als Wohnzimmer. „Was aber nur geht, wenn die Belegungssituation zulässt, dass die Zimmer nebeneinander liegen.“

Auch Edith Mönnemann und Renate Upmeyer sind nicht ganz glücklich mit der neuen Situation. Sie haben sich angefreundet, hatten vorher ein gemeinsames Zimmer. „Unsere Zimmer liegen jetzt aber zum Glück direkt gegenüber“, sind sie froh, dass der Weg weiterhin kurz ist.

„Wenn sich jeder hätte ein Zimmer aussuchen dürfen, das wäre im Chaos geendet“

Der Fahrstuhl war das Nadelöhr, durch das sämtliches Equipment transportiert werden musste. Fotos: Anke Schneider - © anke schneider
Der Fahrstuhl war das Nadelöhr, durch das sämtliches Equipment transportiert werden musste. Fotos: Anke Schneider (© anke schneider)

„Darauf haben wir geachtet“, so Langewitz. Wohngruppen sollten möglichst zusammenbleiben, befreundete Senioren nah beieinander wohnen. Das habe Vorrang vor den Wünschen einzelner Bewohner gehabt, was die Etage angeht. „Wenn sich jeder hätte ein Zimmer aussuchen dürfen, das wäre im Chaos geendet“, sagt der Heimleiter.

Am Samstag zogen die Senioren aus der ersten Etage des Altbaus in das erste und zweite Obergeschoss des Neubaus, am Sonntag die Bewohner der zweiten Etage ins Erdgeschoss und ins Untergeschoss. Für jeden Bewohner war eine Zeit von 45 Minuten eingerechnet worden, die der Fahrstuhl als Nadelöhr des Umzugs vorgab. Möbel, Koffer, Rollatoren, Rollstühle und die Bewohner selbst, alles musste damit transportiert werden. Die Zeitplanung stellte sich als Volltreffer heraus – alles lief wie am Schnürchen.

Bei Christoph Langewitz lief alles zusammen. - © anke schneider
Bei Christoph Langewitz lief alles zusammen. (© anke schneider)

Die Bewohner hatten zuvor einen »Boarding-Pass« ausgehändigt bekommen, mit dem sie sich am »Boarding-Gate« im Eingang des Neubaus anmelden mussten. Dort bekamen sie ihr Schild für die Tür ihres Zimmers ausgehändigt. „Das macht es unseren Mitarbeitern leichter zu sehen, welche Zimmer schon bewohnt sind, und welche nicht“, so Langewitz.

Es bleibt noch viel zu tun.

Da die erst vor zwei Jahren neu angeschaffte Rufanlage, umgangssprachlich »Klingel«, mit umziehen musste, patrouillierten Tag und Nacht Mitarbeiter des DRK auf den Fluren und gingen in die Zimmer, um zu sehen, ob jemand Hilfe braucht. „Nachts stand hier ein Rettungswagen in Bereitschaft auf dem Hof“, machte der Heimleiter deutlich, dass die Sicherheit der alten Menschen über allem stand.

Für den Umzug waren externe DRK-Einsatzeinheiten angerückt – das eigene Team des DRK Hauses hatte Urlaubssperre. „Wir hatten stellenweise doppelt so viel Personal als sonst.“ Zum Transport der schweren Pflegebetten war eine Transporteinrichtung angefordert worden, mit denen sich die Betten problemlos manövrieren ließen. „Die Angehörigen haben vorbildlich mit angefasst“, lobte Langewitz das Engagement der Verwandten.

Die Zimmer sind nun bezogen, „und manche sind richtig schön geworden“, so der Heimleiter. Nun gelte es, die Flure und Aufenthaltsräume „hübsch“ zu machen. Bilder, Pflanzen, Sitzgelegenheiten, Bücherregale – es gebe noch viel zu tun.

„Im Sommer zieht hier wohl erst mal die OGS ein"

Und der alte Teil? „Im Sommer zieht hier wohl erst mal die OGS ein, die ja umgebaut wird“, so Langewitz. Wie berichtet sollen an beiden Grundschulstandorten Arbeiten stattfinden. Schon mehrere Ausweichstandorte für den Offenen Ganztag waren im Gespräch.

Und was ist mit dem Gerücht, dass der Bau abgerissen werden soll? „Das könnte passieren“, drückt sich der Heimleiter vorsichtig aus. Das alte Gebäude müsste wegen des Brandschutzes kernsaniert werden. Und das sei teurer als neu zu bauen. „Ich bin aber sicher, dass hier etwas Gutes entstehen wird. Vielleicht ein Begegnungszentrum, das fände ich persönlich gut.“

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