Erfindung aus Borgholzhausen soll Fohlen vor schlimmen Erfahrungen schützen

Anke Schneider

Bettina Stenzel-Schminkal hat dieses Kunststofffohlen anfertigen lassen , um ihr Führ-Anlerngeschirr zu präsentieren. - © Anke Schneider
Bettina Stenzel-Schminkal hat dieses Kunststofffohlen anfertigen lassen , um ihr Führ-Anlerngeschirr zu präsentieren. (© Anke Schneider)

Borgholzhausen. Bettina Stenzel-Schminkal ist Pferdewirtin mit 30 Jahren Berufserfahrung. Dabei hat die Piumerin auch oft mit Fohlen gearbeitet und einen ganz besonderen Draht zu ihren vierbeinigen Schützlingen entwickelt. „Mich hat oft der Umgang mit den Tieren, insbesondere mit den Fohlen gestört", sagt sie. Direkt nach der Geburt würden die Pferdebabys in den Schwitzkasten genommen und tierärztlich untersucht. „Da haben sie schon das erste Trauma weg", sagt Bettina Stenzel-Schminkal. Irgendwann bekommen sie dann ein Halfter um den Kopf geschnallt und müssen sich damit anfreunden, ob sie nun wollen oder nicht.

„Anfangs laufen die Fohlen beim Führen hinter ihrer Mutter her", so die Fachfrau. Dann aber werden die Kleinen zunehmend neugieriger, gehen ihre eigenen Wege und kommen vom Kurs ab. Also werden sie an die Leine genommen, und da machen sie natürlich nicht freiwillig mit. „Wenn sie den Zug durch die Führleine spüren, heben sie den Kopf und sperren sich gegen die Führung", sagt Bettina Stenzel-Schminkal. Ein Klaps auf den Hintern bewirkt in diesem Fall, dass die Kleinen durch die führende Person ruckartig zum Stehen gebracht werden. „Schlimmstenfalls steigen sie und fallen hintenüber auf den Boden", so die Piumerin. Nicht selten verletzten sich die Tiere dabei an der Wirbelsäule, was man oft erst später beim Einreiten merkt.

„Das Geschirr kann man in jeder Situation benutzen"

Bettina Stenzel-Schminkal mit ihrem Führ-Anlerngeschirr für Fohlen. - © Anke Schneider, HK
Bettina Stenzel-Schminkal mit ihrem Führ-Anlerngeschirr für Fohlen. (© Anke Schneider, HK)

Mit dem Führ-Anlerngeschirr können schon die Jüngsten sicher gehalten und geführt werden. Das Geschirr besteht im Wesentlichen aus zwei Riemen. Einer geht vom Rücken aus über die Brust und wieder zum Rücken zurück, der andere wird um das Hinterteil gelegt. Die Gurte sind gepolstert, entweder mit Schaumstoff oder Fell, so dass sie nicht einschneiden oder drücken. Will das Pferchen nicht mehr weiter, kann man den hinteren Gurt an einem Griff fassen und das Tier sanft nach vorne ziehen. Den Brustgurt benutzt man, wenn die Fohlen zu schnell unterwegs sind und nach vorne preschen wollen.

„Das Geschirr kann man in jeder Situation benutzen", so Bettina Schminkal-Stenzel. Beispielsweise, wenn der Tierarzt oder der Hufschmied kommt. Auf verschiedenen Pferdehöfen hat sie ihr Geschirr während ihrer Arbeit bereits getestet und für sehr nützlich befunden. 2015 hat sie es patentieren lassen.

„Ich habe das Geschirr entwickelt, um den kleinen Pferden schlimmer Ersterfahrungen mit ihren zweibeinigen Besitzern zu ersparen und so zu einer guten körperlichen und seelischen Entwicklung zu verhelfen", sagt sie. Denn Fohlen, die in den ersten Lebenswochen durch Zerrungen und Verschiebungen in der Wirbelsäule Schäden davontragen, würden sich später nur unter Schmerzen reiten lassen. „Das wird oft als Ungehorsam gedeutet, was die Sache noch viel schlimmer macht."

Am Freitag, 6. Dezember, und Samstag, 7. Dezember, stellt sie das Geschirr erstmals öffentlich im Raiffeisenmarkt in Jöllenbeck vor. Im Rahmen eines Aktionstages wird sie ab 10 Uhr mit einem Stand vor Ort sein und die Funktionsweise ihrer Erfindung erklären.

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