Die Basis für Borgholzhausens Laufladen "ewy sports" wurde im Schulbus gelegt

Heiko Kaiser

Seit 18 Jahren führt Britta Ewert mit ihrem Mann Andreas das Laufgeschäft ewy sports in Borgholzhausen. „Heute sind die Schuhe bunter und leichter als 2001", sagt sie. - © Heiko Kaiser
Seit 18 Jahren führt Britta Ewert mit ihrem Mann Andreas das Laufgeschäft ewy sports in Borgholzhausen. „Heute sind die Schuhe bunter und leichter als 2001", sagt sie. (© Heiko Kaiser)

Borgholzhausen. Eigentlich wollte Britta Ewert gar nicht nach Borgholzhausen. Als sie dann doch in Ostwestfalen angekommen war, bekleidete sie einen Bürojob, der mit Laufen und Verkaufen gar nichts zu tun hatte. Und im Grunde genommen ist sie von Haus gar keine Läuferin, sondern Tischtennisspielerin.

Es bedurfte schon einiger Wendungen im Leben von Britta Ewert, ehe sie schließlich dort ankam, wo sie heute steht: Im Laufladen an der Mittelstraße in Borgholzhausen. Das hatte mit beruflichen Schicksalen zu tun, mit mobbenden Kollegen und überfüllten Schulbussen.

Dass sie nicht aus Ostwestfalen stammt, ist der Inhaberin von ewy sports irgendwie anzumerken. Nicht nur, dass ihre strohblonden Haare und die blauen Augen an eine skandinavische Herkunft denken lassen. Britta Ewert spricht auch viel. Mehr, als man es in diesem Landstrich gemeinhin gewohnt ist. Diese Wortpräsenz ist Ausdruck einer Energie, die ihr vermutlich geholfen hat, die genannten Wendungen im Leben zu meistern.

„Meine Kinder sagen, ich hätte etwas mit Marketing machen sollen", sagt die 53-Jährige und lacht, als sie hinzufügt: „Dafür aber hätte ich mich in der Schule mehr anstrengen müssen." Hat sie aber nicht, auch weil sich in einer entscheidenden Phase ihrer Jugend, das Leben komplett änderte.

Aus Hamburg nach Borgholzhausen

Mit ihrer Familie zog die damals 15-Jährige aus dem Hamburger Vorort nach Borgholzhausen. Der Beruf des Vaters machte den Umzug nötig. „Ich wusste, dass ich meine Freunde nicht mehr sehen würde. Ich habe meine Sachen aus dem Kleiderschrank genommen und die Schulsachen eingepackt. Der Rest ging in die Mulde", sagt sie. Auch all die Pokale und Urkunden, die die Bezirksmeisterin im Tischtennis bis dahin gewonnen hatte. Auch das ist Ausdruck einer Konsequenz, mit der Britta Ewert bislang durch ihr Leben gegangen ist.

In Halle besuchte sie die höhere Handelsschule. Wichtiger als der Unterricht wurde aber der Weg dorthin. „Andreas Ewert, den ich schon aus dem Piumer Jugendzentrum kannte, hat mir immer einen Platz im Bus frei gehalten", erinnert sie sich. Erst den Platz an seiner Seite im Bus, später im Leben.

„Lauf und mach nicht so viel Party"

Zum Laufen allerdings kam sie durch einen anderen Mann. „Friedhelm Boschulte arbeitete damals mit mir zusammen bei einem Rechtsanwalt. Ich hatte ja Rechtsanwalts- und Notariatsgehilfin gelernt", erzählt Britta Ewert und fügt hinzu: „Er sagte immer, ich solle laufen und nicht zu viel Party machen." Irgendwann beschlossen beide gemeinsam von der Arbeitsstelle in Halle heim nach Borgholzhausen zu joggen.

„Im Hesseltal war ich so fertig, dass ich aufhören wollte. Doch ich habe durchgehalten. Seitdem bin ich gelaufen." Und das nicht schlecht. Ihre Bestzeit über 10 Kilometer liegt bei 42,55 Minuten.

Zum Beruf wurde das Hobby jedoch erst, als sie gemobbt wurde. Von Kollegen, mit denen sie im Büro einer Berufsgenossenschaft arbeitete. „Ich habe sofort gekündigt", erinnert sich Britta Ewert. Wieder diese Konsequenz. Als sie anschließend erklärte, sie wolle einen Laufladen eröffnen, bekam sie viel Gegenwind zu spüren. „Viele haben mich wie Falschgeld angesehen. Nur wenige haben es mir zugetraut." Dennoch wagte sie 2001 mit 36 Jahren und als Mutter zweier kleiner Kinder diesen Schritt und bekam sofort den Konkurrenzkampf zu spüren. „Mitbewerber haben mir Testkunden geschickt, um zu überprüfen, was ich draufhabe", erinnert sie sich und ergänzt: „Das hörte auf, als die Testkunden zu Kunden wurden."

Leicht war es dennoch nicht. „Am Anfang hatte ich Angst, ob ich auch die richtigen Schuhe raussuche. Oft habe ich Andreas gefragt, der als Leistungssportler bei den Kunden ein hohes Ansehen genoss", so Britta Ewert. Heute entscheidet sie alleine. Auf ihre Weise. Mit einem Blick, der in Laufanalyseseminaren mit Dr. Thomas Wessinghage geschult wurde und dem sie durch technische Hilfe einen wissenschaftlichen Boden gibt.

Ein Viertel des Umsatzes im Internet

Mit Kamera und Tablett kommt sie dem Laufstil und den Fehlhaltungen ihrer Kunden auf die Spur und findet so den passenden Schuh, der die Defizite kompensiert. „Nicht alles aber muss ausgeglichen werden", sagt Britta Ewert. „Wer keine Beschwerden hat, dem werde ich auch nicht zu Veränderungen raten."

Ein Foto aus dem Jahr 2006. Andreas und Britta Ewert (hinten, von links) mit dem Dr. Thomas Wessinghage und den beiden Töchtern Jenny und Gina. - © Frank Jasper
Ein Foto aus dem Jahr 2006. Andreas und Britta Ewert (hinten, von links) mit dem Dr. Thomas Wessinghage und den beiden Töchtern Jenny und Gina. (© Frank Jasper)

18 Jahre besteht inzwischen ihr Geschäft. Heute macht ewy sports ein Viertel des Umsatzes im Internet. Dort, sagt sie, seien heute die wirklichen Konkurrenten, manchmal nennt sie sie auch Feinde. Und meint große Bestellplattformen, die über den Preis den Markt an sich gerissen haben. Britta Ewert kann hier nur durch Beratung punkten. Indem sie beispielsweise mindestens einmal im Monat ihren Stand auf Laufveranstaltungen aufbaut. „Da musst Du fit sein", sagt sie. Denn diese Aufgaben gilt es zusätzlich neben der wöchentlichen Arbeit zu erledigen. Genauso, wie ihre Präsenz in sozialen Netzwerken.

„Zu posten und hier aktiv zu sein, macht mir Spaß", sagt sie. Und auch das Netzwerken im realen Leben. Beispielsweise im Verein LC Solbad Ravensberg. „Das ist ein Geben und Nehmen. Ich unterstütze, indem ich dort Werbung mache und bekomme Kunden." Die Kinder hatten recht: Sie wäre im Marketing vermutlich gut aufgehoben gewesen.

Ob sie noch einmal ein Laufgeschäft eröffnen würde? Britta Ewert muss nur kurz überlegen. „Würde ich, doch nur mit dem Wissen von heute", antwortet sie. Und vermutlich eher in einer größeren Stadt. Denn eigentlich wollte sie ja gar nicht nach Borgholzhausen.

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