"Mimimi" statt Mitgefühl: Der Altkreis Halle streitet über A33-Lärm

Das Thema Lärmbelästigung durch die Autobahn schlägt hohe Wellen im Netz. Diejenigen, die unter der neuen Geräuschkulisse leiden, wünschen sich Mitgefühl. Auf Facebook wird diese Bitte eher belächelt. In Borgholzhausen wehrt sich ein Paar mit einem Dezibelmessgerät

Melanie Wigger

Der Straßenlärm beeinflusst das Leben vieler Anwohner der A33. - © Frank Jasper
Der Straßenlärm beeinflusst das Leben vieler Anwohner der A33. (© Frank Jasper)

Halle/Borgholzhausen. Nachdem wir Anlieger des letzten Teilstücks über ihren ersten Eindruck seit der Eröffnung des Autobahnschnittes befragt hatten, diskutiert jetzt auch die Facebook-Gemeinde über die Lärmbelästigung durch die A33. Die Meinungen polarisieren. Einige machen sich über den Ärger der anderen lustig, sprechen von Theater, „es gibt immer was zu heulen" und betonen, dass das Problem doch klar war.

„Nur Hohn und Spott für die Betroffenen!"

Andere, im Netz jedoch in der Unterzahl, bitten um Verständnis für die Lärmgeplagten: „Beschämend zu lesen wie hier die Belastung und die zu Recht vorgetragenen Beschwerden kommentiert werden – Mitgefühl? Nein! Stattdessen nur Hohn und Spott!"

Doch die Führung der Autobahn sei seit Jahrzehnten bekannt, wird einer A 33-Anliegerin mehrfach von anderen Facebooknutzern entgegnet. Es gebe keinen Grund, sich zu beschweren, betont eine Frau: „Vor 60 Jahren wurde es geplant. Also jeder, der danach in diese Gegend hingezogen ist, wusste es." Verkaufen, woanders bauen und Haussanierungen hätten das Problem vorab lösen können, wird mehrfach argumentiert. Wer günstig bauen wollte, sei nun selbst schuld.

Doch die Anliegerin zählt laut eigenen Angaben zu den Haller Familien, die sich schon vor der Autobahn dort verwurzelt haben. Es gehe ihr nicht um die Autobahnführung, sondern um den enormen Lärm und um Verständnis für ihre Situation. „Es ist erwiesen, dass steter Lärm krank macht", sagt sie. „Ich empfinde den nicht funktionierenden freiwilligen Lärmschutz der Stadt Halle als unzureichend." Statt darüber zu jammern, solle man das Thema mit der Stadt besprechen, kommentiert eine Frau. Eine andere relativiert: „Vorher war es an anderen Stellen laut und unerträglich voll. Irgendeinen trifft es nun mal immer. Der Verkehr lässt sich nicht stilllegen."

„Mimimi auf hohem Niveau"

Auch B 68-Anwohner, ebenfalls lärmgeplagt, melden sich zu Wort und sprechen bei den Schilderungen der Betroffenen von „Mimimi auf hohem Niveau". Schließlich werde die Autobahn gebraucht, heißt es an anderer Stelle: „Jeder, der mit seinem Auto fährt, verursacht Lärm. Da es immer mehr Autos gibt , weil ja keiner verzichten möchte, brauchen wir ein gutes Verkehrsnetz."

Wenn auch nur vereinzelt, gibt es trotzdem Menschen, die die Situation der A 33-Anwohner anders betrachten. Auf unserer Homepage kommentiert ein Mann: „Eine Autobahn durch eine Wohngegend zu bauen und auf ein Tempolimit zu verzichten ist 2019 nicht weniger als Körperverletzung."

Eine Frau schreibt: „Mein Mitgefühl liegt bei denen, die jahrelang gegen die A33 gekämpft haben und jetzt unter ihr leiden. Nicht bei denen, die sie forciert haben und sich nun beschweren."

Borgholzhausener wehren sich mit Messgerät

Aus Borgholzhausen erhielt die Redaktion ebenfalls Rückmeldungen. Eine Familie, die im Ortsteil Holtfeld wohnt, sei völlig fassungslos: „Gerade bei nasser Fahrbahn ist der Lärm erschreckend laut. Unsere Ruhe-Oase wird mit Rauschen und Sausen der Pkw und Lkw gestört," bedauert Christin Quest. „Auch im Haus hören wir die Autobahn. Besonders ärgerlich ist es aber draußen." Als Landmenschen genießen sie die Zeit im Garten normalerweise so sehr, dass sie nicht einmal in den Urlaub fahren.

Die Quests haben sich direkt ein Dezibelmessgerät bestellt und werden nun täglich zu verschiedenen Zeiten die Werte messen. „Nasse Straßen und wechselnde Windrichtungen hat man das ganze Jahr über verteilt. Daher sollten die Grenzwerte auch bei nasser Fahrbahn und egal bei welcher Windrichtung nicht überschritten werden", sagt Quest.

„Gerade die Grünbrücken, welche für die Tiere notwendig waren, erzeugen besonders viel Krach." In der Nähe der Quests befinden sich zwei dieser Brücken. „Vielleicht kann man dort bauliche Maßnahmen ergreifen um den Schall zu dämpfen." Sie appelliert: „Alle Anwohner sollten sich zusammen tun und sich für Nachbesserung des Lärmschutzes einsetzen.

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