Rassistische Beleidigungen: Angeklagter rastet auch vor Gericht mehrfach aus

Acht Monate auf Bewährung für Körperverletzung und rassistische Beleidigungen

Herbert Gontek

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Borgholzhausen. „Ich verlange von Ihnen Respekt und nehmen sie bitte das Kaugummi aus dem Mund", forderte die Richterin am Haller Amtsgericht am Donnerstag von einem 34-jährigen Angeklagten aus Borgholzhausen. Ihm wurde gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen sowie Beleidigung vorgeworfen. Mitte Februar 2018 soll der Angeklagte eine dreiköpfige türkischstämmige Familie vor deren Haustür attackiert und mit ausländerfeindlichen Parolen verbal überschüttet haben. Zur Zahlung von über 5.000 Euro an Schadensersatz ist der Mann bereits rechtskräftig verurteilt.

Der in der Sowjetunion geborene, arbeitsuchende Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit zeigte sich auch vor Gericht eher aggressiv und herausfordernd. So belächelte er amüsiert mit verschränkten Armen den Verlauf der Verhandlung. Zuvor hatte er einen Wutausbruch, der die Richterin veranlasste, einen Wachtmeister zum Schutz anzufordern.

Der Angeklagte beleidigte und attackierte den 65-Jährigen

Nach Darstellung der Zeugen kam es am frühen Abend vor dem Wohnhaus der geschädigten Familie zu dem angeklagten Zwischenfall. Der Angeklagte habe vor der Tür auf der Treppe gesessen und den 65-Jährigen verbal und körperlich attackiert. Er habe ihn unter anderem als „Scheiß-Türken" bezeichnet, ihn angegriffen und getreten. Dabei sei unter anderem das Gebiss des Mannes zerstört worden. Auch die Ehefrau und später der Sohn des Geschädigten seien attackiert worden.

Gegen 11.45 Uhr verließ der Mann den Gerichtssaal mit der Begründung, dass er auf die Toilette müsse. Er blieb dann aber auf dem Flur. Sein Anwalt folge ihm, machte ihm klar, dass er durch sein Verhalten seine Position nur weiter verschlechtere.

Gegen 12 Uhr kamen Anwalt und Angeklagter zurück in den Saal. Der Anwalt erklärte, die Tat habe so stattgefunden wie angeklagt, gefährliche Werkzeuge, also festes Schuhwerk, sei nicht zum Einsatz gekommen. Der Angeklagte bestätigte dann ebenfalls, dass die Tat mehr oder weniger wie von den Zeugen geschildert abgelaufen sei.

Bewährungsstrafe und 1.800 für die geschädigte Familie

Die Staatsanwältin forderte eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten, eine Geldstrafe von 1.000 Euro zu Gunsten des Geschädigten. Außerdem soll dem Angeklagten ein Bewährungshelfer beigeordnet worden. Eine günstige Sozialprognose sah die Juristin nicht. Die Beleidigungen seien rassistisch gewesen, das Verhalten während der Verhandlung „völlig daneben".

Der Nebenkläger der Familie stellte fest, das die Gerichtsverhandlung nicht zur Witzveranstaltung wurde, wie es der Angeklagte gern gehabt hätte. Zudem forderte der Nebenkläger, die Strafe um 500 Euro zugunsten der geschädigten Ehefrau zu erhöhen.

Der Anwalt des Angeklagten äußerte Zweifel, ob von einer gefährlichen Körperverletzung ausgegangen werden könne. Das Urteil: Acht Monate Haft auf Bewährung und Übernahme der Kosten. Von der angeklagten gefährlichen Körperverletzung ging die Richterin nicht aus.

Als Bewährungsbeschluss wurde ihm ein Bewährungshelfer auferlegt sowie die Zahlung von 1.800 Euro an die geschädigte Familie.

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