Volksbank schließt am Borgholzhausener Bahnhof

Zum Jahreswechsel wird jetzt auch der Selbstbedienungs-Standort aufgegeben. Das Ende des Autobahnverkehrs hat die Geschäftsaussichten dort deutlich verschlechtert.

Andreas Großpietsch

Die Volksbank-Vorstände Harald Herkströter (links) und Rainer Peters (rechts) machen den Weg frei, damit die Firma M-Soft Netzwerktechnik - hier Vertreten durch geschäftsfüghrer Stefan Becker wachsen kann. Sie schließen den Selbstbedienungsstandort zum Jahresende. - © Andreas Großpietsch
Die Volksbank-Vorstände Harald Herkströter (links) und Rainer Peters (rechts) machen den Weg frei, damit die Firma M-Soft Netzwerktechnik - hier Vertreten durch geschäftsfüghrer Stefan Becker wachsen kann. Sie schließen den Selbstbedienungsstandort zum Jahresende. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. „Man kann jetzt nach links abbiegen", sagt Stefan Becker und lächelt. Wenn man weiß, dass sein Unternehmen im ehemaligen Gebäude der Volksbank am Borgholzhausener Bahnhof sitzt, wird sofort klar, was er damit meint. Seit dem »Tag X« am Montag ist der Standort für ihn und seine Mitarbeiter um Klassen attraktiver geworden. Für die Volksbank Halle ist allerdings die gegenteilige Feststellung zutreffend.

Denn auch, wenn die Selbstbedienungsfiliale wohl noch nie in der Gewinnzone war, so ist mit Freigabe der Autobahn ihr bisheriges Geschäftsfeldmodell fast vollständig zusammengebrochen. Denn für nicht wenige Menschen, die in Borgholzhausen-Bahnhof in der einen oder der anderen Richtung im Stau standen, war der Geldautomat ein willkommenes Angebot. Und da Kunden anderer Kreditinstitute nicht geringe Gebühren zahlen, wenn sie fremde Geldautomaten benutzen, war das SB-Angebot vor allem aus Sicht der Volksbank eine ganz attraktive Sache.

Filiale würde 35.000 Euro pro Jahr kosten

Jetzt allerdings wird die kleine Filiale nur noch von Menschen aus der Umgebung des Bahnhofs betreten. Und wenn sie, wie das meistens der Fall ist, Volksbank-Kunden sind, dann ist Geld abheben eine kostenlose Dienstleistung der Bank – zumindest für die Kunden. Für die Bank sieht die Sache allerdings ganz anders aus.

„Optimistisch geschätzt würden wir hier jährlich etwa 35.000 Euro Verlust machen", sagt Vorstand Rainer Peters. Wobei der zwar nicht abgerissene, aber ziemlich überschaubare Verkehr draußen auf der Bundesstraße eher noch schlechtere Zahlen vermuten lässt. „Irgendwann muss man auch an die Bilanz denken", drückt Verstand Harald herkströter es noch ein wenig freundlicher aus.

Geräte müssten im Jahr 2020 erneuert werden

Die Entscheidung wurde auch durch die technische Entwicklung leichter gemacht. Denn die Sicherheitsanforderungen an den Selbstbedienungsbereich steigen stetig. „Im Jahr 2020 hätten wir hier alle Geräte erneuern müssen", sagt Peters.

Das Gebäude ist bereits seit dem Jahr 2015 im Eigentum der Firma M-Soft. Die Volksbank war seitdem nur noch Mieterin. Der Eingangsbereich der Bank wird künftig der Haupteingang sein. Nachgedacht wird noch über die Eröffnung eines Shops in Verbindung mit Telefon-Providern, sagt Stefan Becker. Wichtiger ist für ihn aber der versprochene Glasfaseranschluss. Zusammen mit dem nahegelegen Autobahnanschluss eine ideale Kombination für den Standort eines Unternehmens, das Firmenkunden in der Region mit Soft- und Hardware versorgt. Die Firma M-Soft un dBorgtholzausen

Die Firma M-Soft und Borgholzhausen

1985 beginnt die Firmengeschichte der M-Soft-Gruppe – und zwar in Borgholzhausen. Software für Handwerk, Handel und Industrie findet sehr rasch viele Kunden. Als sich in Borgholzhausen keine passenden Gebäude finden, zieht das Unternehmen nach Dissen, wo die alte Schule das neue Stammhaus wird. Heute hat das Unternehmen 110 Mitarbeiter, die 5.500 Firmenkunden betreuen. Es gibt mehrer Tochterunternehmen. Eines davon ist die M-Soft Netzwerktechnik GmbH. Sie hat 15 Mitarbeiter und ihren Firmensitz wieder in Borgholzhausen – am Bahnhof.

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