Imbiss-Koch wird freigesprochen: Warum ein weiteres Verfahren droht

Der Vorwurf des Diebstahls war nicht zu beweisen. Doch es droht ein weiteres Verfahren.

Anke Schneider

Wegen des Vorwurfs des Diebstahls freigesprochen - nun folgt der nächste Prozess. - © CC0 Pixabay
Wegen des Vorwurfs des Diebstahls freigesprochen - nun folgt der nächste Prozess. (© CC0 Pixabay)

Halle/Borgholzhausen. Mit einem Freispruch endete der Prozess gegen einen 37-jährigen Mann und eine 27-jährige Frau, die in einem Imbiss im Frühjahr 2016 Geld aus der Kasse genommen haben sollen. Um den Diebstahl zu vertuschen, sollen sie sogenannte Nullbons gedruckt haben – so die Anklage.

Schon in der ersten Verhandlung hatten die beiden Beschuldigten angegeben, dass mehrere Beschäftigte des Unternehmens teilweise oder ganz schwarz bezahlt wurden. Um dieses Schwarzgeld abzuzweigen, sei der Mitarbeiter angewiesen worden, Nullbons zu erstellen. Die Buchführung des Betriebes brachte das Gericht nicht weiter. Die Abrechnung für den Monat April fehlte, ebenso die Zettel, die der Angeklagte in die Kasse gelegt haben will, wenn er sich selbst schwarz Lohn auszahlte.

Dieses Vorgehen soll von der Chefin abgesegnet gewesen sein, was diese nun auch noch einmal bestätigte. Sie bezeichnete diese Praxis als „übliches Vorgehen". Der Angeklagte: „Die Zettelwirtschaft war sehr unübersichtlich." Unklar blieb, wie Mehrstunden tatsächlich bezahlt wurden, denn die Imbissinhaberin stritt vehement ab, ihren Beschäftigten angewiesen zu haben, Nullbons zu drucken. Wenn der Mitarbeiter mehr gearbeitet habe als vereinbart gewesen sei, sei der Lohn dafür in den nächsten Monat geschoben worden. Da die Abrechnungen jedoch lückenhaft vorhanden waren, konnte sie das nicht belegen.

Juristen kapitulierten vor abenteuerlicher Geschäftsführung

Am Ende konnten die Juristen vor der abenteuerlichen Geschäftsführung des Imbisses nur kapitulieren. „Ich muss Ihnen nachweisen, dass Sie Geld aus der Kasse entnommen haben, was Sie nicht nehmen durften", sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. „Und das kann ich so nicht. Daher bleibt mir nichts anderes übrig als Sie freizusprechen."

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft kündigte jedoch an, gegen die Inhaberin und auch gegen den Mitarbeiter ein Verfahren wegen Schwarzarbeit und damit wegen Steuerhinterziehung einleiten zu wollen. „Das nehme ich in Kauf", so der 37-Jährige. Das sei ihm allemal lieber, als wegen Diebstahls verurteilt zu werden.

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