Bundeskartellamt prüft: Heristo will bei B+S in Borgholzhausen einsteigen

Marc Uthmann

Vielleicht bald mit neuem, starken Partner: Die B+S Logistik und Diensleistungen GmbH mit Stammsitz in Borgholzhausen. - © Marc Uthmann
Vielleicht bald mit neuem, starken Partner: Die B+S Logistik und Diensleistungen GmbH mit Stammsitz in Borgholzhausen. (© Marc Uthmann)
Borgholzhausen. Das Bundeskartellamt ist seit dem 8. November mit dem Fusionskontrollverfahren befasst. Die Heristo-Holding will mittelbar 50 Prozent der Anteile an der B+S-Logistik und Dienstleistungen GmbH erwerben, heißt es da formal. Mittelbar bedeutet, dass der Konzern nicht direkt als Käufer auftreten will, sondern zu diesem Zweck eine Tochtergesellschaft gründen möchte.

Die Behörde hat zunächst einen Monat Zeit, um den Zusammenschluss zu prüfen. Erweist sich das Vorhaben als unproblematisch, wird der Deal formlos freigegeben. Wäre es möglich, dass eine marktbeherrschende Stellung des neuen Unternehmens droht, die den Wettbewerb behindert, würde das Kartellamt ein sogenanntes Hauptprüfverfahren einleiten. Dann hätte die Behörde vier Monate Zeit, zu entscheiden.

Die Geschichte von B+S Logistik ist äußerst erfolgreich: Erst 2001 wurde das Unternehmen als Drei-Mann-Betrieb gegründet, 2017 verlegte der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Brinkmann den Verwaltungssitz mit 35 Mitarbeitern ins Interkommunale Gewerbegebiet Borgholzhausen-Versmold. Hinzu kam eine Logistikanlage von 12.000 Quadratmetern mit zwölf Rampen für die Be- und Entladung von Lkw.

Wichtiger Kunde gehört zum Konzern

Das Hochregallager bietet Platz für bis zu 18.000 Paletten. 100 Menschen arbeiten in Pium für B+S, insgesamt hat der rasant wachsende Logistiker bundesweit 500 Mitarbeiter an sieben Standorten, 180.000 Quadratmeter Lagerfläche und 60 eigene Lkw. Stark ist das Unternehmen im Bereich E-Commerce und E-Logistik, was nicht zuletzt die Gründung der IT-Tochter Sys-con dokumentiert, die ebenfalls in Borgholzhausen sitzt.

Der Jahresumsatz des Unternehmens lag 2017 bei 40 Millionen Euro. Und wird maßgeblich getragen durch die beiden Großkunden Saturn und Animonda. Letzteres Unternehmen produziert Tierfutter – was aber vor dem Hintergrund der aktuellen Pläne viel spannender ist: Es gehört zum Heristo-Konzern. Der geplante Erwerb der Anteile soll die enge Lieferbeziehung also offenbar zu einer Partnerschaft machen, die Rothenfelder wollen ihren Einfluss auf den Logistik-Partner ausbauen.

Die Mitarbeiter sind über die Pläne informiert worden

Die Heristo AG verfügt über zahlreiche Beteiligungen und ist im Bereich Wurstwaren, Feinkost, Tiernahrung, Groß- und Außenhandel sowie vegane Produkte unterwegs. Keimzelle des Unternehmens ist der Fleischwarenhersteller Stockmeyer, der 1913 in Versmold entstand und in den 1970er Jahren nach Füchtorf umsiedelte. B+S hätte mit einer so großen Unternehmensgruppe im Rücken also andere Möglichkeiten bei der Kapitalbeschaffung, die Expansion ginge womöglich noch reibungsloser voran. Beide Seiten wollten zu den Plänen auf Anfrage des HK keine detaillierte Stellungnahme abgeben, nur so viel: „Die Information ist korrekt, das Unternehmen möchte sich jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu dem Thema äußern", hieß es von Heristo. Auch bei B+S wollte Stefan Brinkmann die Beweggründe und die nächsten Ziele der geplanten Fusion noch nicht erläutern. Das Fusionsverfahren befinde sich noch in der Probe, ließ er mitteilen. Die Mitarbeiter des heimischen Logistikers waren vor wenigen Tagen über die Pläne informiert worden.

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