Nackter Mann sticht auf Frau ein: „Ich habe gedacht, dass er mich umbringt“

Landgericht: Mann verletzt im »psychotischem Ausnahmezustand« eine Frau mit einer Scherbe

Peter Johnson

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Borgholzhausen/Bielefeld. Es war am 14. Februar kurz nach Mitternacht, als die 45-jährige Bewohnerin eines Einfamilienhauses an der Straße Am Jammerpatt verdächtige Geräusche im Flur vernahm. Was sie dann erleben musste, war so schockierend, dass sie bis heute unter den psychischen Folgen des Geschehens leidet. Ein völlig nackter Mann hatte die Terrassentür zertrümmert und ging mit zwei Glasscherben auf sie los.

Um ihr Gesicht zu schützen, streckte sie dem Eindringling abwehrend die Hände entgegen. Es kam zu einem Gerangel, in dessen Verlauf der Mann ihr drei Mal ins Gesicht schlug und sie so heftig gegen einen Türrahmen stieß,dass sie sich ein Schultergelenk auskugelte. Schließlich flüchtete der Täter durch die Haustür. Das Opfer wurde mit Schnitt-und Stichverletzungen an Brust und Händen ins Krankenhaus gebracht.

Die Polizei fasst den desorientierten Täter in der Nähe des Tatorts

Die inzwischen alarmierte Polizei entdeckte den 34-jährigen Martin S. (Name geändert) kurz darauf in unmittelbarer Nähe des Hauses. Er wirkte desorientiert und wies selbst erhebliche Verletzungen auf, so dass auch er ins Krankenhaus gebracht wurde. Wie sich später herausstellte, war er aus dem Fenster seiner eigenen Wohnung gestürzt.

Am Mittwoch begann vor der 20. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts ein sogenanntes Sicherungsverfahren gegen S., der unter einer „psychotischen Störung und Cannabisabhängigkeit" leiden soll. Bei Begehung der Tat soll er unter dem Einfluss von Marihuana und Amphetamin gestanden haben.

Die Staatsanwaltschaft geht aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens davon aus, dass er sich bei der Körperverletzung in einem „psychotischen Ausnahmezustand" befand und deshalb schuldunfähig war.

Das bedeutet, dass Martin S. nicht bestraft werden kann. Die Staatsanwaltschaft verfolgt seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Das Gericht vertritt die Auffassung, dass auch eine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie in Frage kommen könnte, so Vorsitzender Carsten Glashörster zu Verhandlungsbeginn.

"Ich habe bis heute unter diesem Vorfall zu leiden"

Der Beschuldigte gab an, sich an den Fenstersturz und an sein Erwachen im Krankenhaus, nicht aber an die Zeit dazwischen erinnern zu können. Er habe damals täglich drei, am Wochenende bis zu fünf Joints geraucht, dazu Amphetamin und starke Schmerzmittel konsumiert. Er habe Stimmen gehört, die sich negativ über ihn geäußert hätten und auch öfter einen sogenannten Filmriss, also einen totalen Verlust der Erinnerung, gehabt.

Am Tag vor der Tat war Martin S. in Borgholzhausen bereits aufgefallen und von der Polizei nach Hause gebracht worden. Zurzeit befindet er sich in der Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn.

„Ich habe noch immer unter diesem Vorfall zu leiden", erklärte die Geschädigte als Zeugin vor Gericht. Sie habe ihre Arbeitsstelle aufgeben müssen und in der ersten Zeit auch nicht mehr Auto fahren können. „Dieser Blick – ich habe gedacht, dass er mich umbringt", erinnerte sich die 45-Jährige. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.