Was Jugendliche nachts in Borgholzhausen treiben

Treffpunkte: Der Sozialausschuss beschäftigt sich mit der aufsuchenden Jugendarbeit. Borgholzhausens Heranwachsende sind keine Stubenhocker, sondern vielfältig aktiv

Andreas Großpietsch

Treffpunkte junger Menschen - © Andreas Großpietsch
Treffpunkte junger Menschen (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Handys und Spielkonsolen können nicht das einzige sein, was junge Menschen in Borgholzhausen zur Freizeitgestaltung nutzen. Denn dann würde Marcel Kays Job nicht existieren. Der Streetworker ist Angestellter der Städte Borgholzhausen, Versmold und Werther und soll dahin gehen, wo die Jugendlichen sich treffen. Im Sozialausschuss zog er jetzt eine erste Bilanz seiner im Sommer begonnenen Arbeit. Aus der Politik kommen ermutigende Kommentare.

Die »829er«

Es gibt sie noch, so viel ist sicher. Einzelne aus diesem Kreis hatten sich vor einigen Monaten mit Sachbeschädigungen und Graffiti-Attacken hervorgetan, inzwischen scheint es ruhiger zu sein. „Rund 50 bis 60 junge Menschen", so die Erkenntnis von Marcel Kay, können zu dieser Gruppe gezählt werden. Und es sei ihm gelungen, unter ihnen eine gewisse Akzeptanz zu erlangen. „Aber es ist eine sehr heterogene Gruppe", erklärt der Sozialarbeiter.

So sei der Zugang zu den jungen Menschen – 90 Prozent davon sind junge Männer – leichter bei denen, die 18 Jahre und älter sind. Das Hüttenbauprojekt sei eine erfolgreiche Aktion gewesen, die durchaus noch weiter ausgebaut werden könne, erklärte Kay. An ihr wird deutlich, wie er seine Arbeit zwischen verschiedenen Polen ausrichten muss.

Treffpunkte junger Menschen - © Andreas Großpietsch
Treffpunkte junger Menschen (© Andreas Großpietsch)

Denn Marcel Kay verfügt über den kurzen Draht zur Verwaltung. So kann er den jungen Menschen bei der Verwirklichung von Ideen helfen. Allerdings ist es dabei nicht das Ziel, dass die Stadt den Bauhof in Bewegung setzt. Die Hütte zum Beispiel haben einige Jugendliche zusammen mit einem Fachunternehmen selbst errichtet. Und auch bei ergänzenden Maßnahmen geht es darum, ihnen Material zur Verfügung zu stellen und sie selbst machen zu lassen.

Zahlreiche Treffpunkte

Die Hütte ist ein gut besuchter Treffpunkt in der Stadt – aber bei weitem nicht der einzige. So sei auch der New Haven Platz bei jungen Menschen sehr beliebt. Ähnliches gilt für den Spielplatz an der Sundernstraße. Aber auch am Rathausplatz, an der Gesamtschule und am Spielplatz an der Sundernstraße kann man immer wieder einmal Gruppen junger Menschen beobachten. Vorwiegend allerdings in den Abend- und Nachtstunden

Der Wunsch, sich zu treffen, war vermutlich auch bei früheren Generationen nicht weniger stark ausgeprägt. Allerdings sorgt der Jugendschutz dafür, dass Kneipen oder Diskotheken als Treffpunkte ausfallen. Streng wird kontrolliert, ob die gesetzlichen Altersvorgaben eingehalten werden.

Jugendzentrum für Junge

Das JuZ hat eine durchaus verlässliche Besucherstruktur – aber eben auch strikte Regeln. Keine Zigaretten, kein Alkohol sind solche Forderungen an die Besucher, die von Uwe Stöcker und seinem Team nicht zu diskutieren sind. Was im Umkehrschluss dazu führt, dass die meisten älteren Jugendlichen Angebote im Jugendzentrum am Kampgarten nicht wahrnehmen. Deshalb richtet man die Arbeit dort auch konsequent an den Bedürfnissen von recht jungen Menschen aus.

Modellprojekt weckt Interesse

Die Zusammenarbeit von Borgholzhausen, Versmold und Werther im Bereich der Jugendarbeit abseits von Jugendzentren zieht kreisweit Aufmerksamkeit auf sich. Die Arbeit an einem neuen Jugendförderplan für den Kreis Gütersloh hat begonnen und die Zusammenarbeit der drei Städte hat das Zeug, Nachahmer zu finden.

Rechtliche Struktur

Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass Marcel Kay nicht bei einer Stadt, sondern bei der AWO angestellt ist, die seine Arbeit weiterverkauft. Das ist eine hilfreiche Konstruktion bei kleineren Regelverstößen, bei denen Kay eben gerade nicht wie ein offizieller städtischer Mitarbeiter reagieren muss. Das bedeutet im Zweifel nicht, dass er schwere Straftaten decken soll. Er ist aber auch nicht verpflichtet, jede Straftat anzuzeigen. „Er kann da so handeln wie eine Privatperson", erläutert Ralf Vieweg den Vorteil dieser rechtlichen Konstruktion.

Vertrauen erwerben

Denn ein Streetworker muss sich das Vertrauen der jungen Menschen erarbeiten, um erfolgreich zu sein. Der erhobene Zeigefinger allein reicht da in den seltensten Fällen aus. Die jungen Menschen zu gesetzeskonformen Handlungen zu ermutigen ist die Aufgabe. Aber gerade um erfolgreich zu sein, klappt das nicht mit konkreten Zielvorgaben. Die Arbeit der Ordnungskräfte soll weiter die Arbeit der Ordnungskräfte bleiben.

Vertrauen von jungen Menschen kann aber auch eine Stadt erwerben. Die Stadt Borgholzhausen beweist jetzt die Fähigkeit zu unbürokratischen Handeln mit einer Mountainbikestrecke am Spielplatz Sundernstraße. Jugendliche hatten eine solche Einrichtung angefragt und nach kurzer rechtlicher Prüfung war klar, dass ein weitläufiger Spielplatz dazu gute Möglichkeiten bietet.

Billig sind sie außerdem. Die Stadt schüttete einfach vier Erdhügel auf den Rasen, die durch Benutzung zu einer spannenden Strecke für mutige Fahrradfahrer werden sollen. Die haben sich bereits auf den Weg gemacht.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.