Erfolgloser Kampf: Darum wird der »Westmarkt« geschlossen

Genossenschaft agritura: Geschäftsführung erklärt ihre Beweggründe für die Schließung. Bei der Generalversammlung findet ihr »Maßnahmenplan zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit« eine Mehrheit

Andreas Großpietsch

Genossenschafsturm: Auch die Tage dieses markanten Gebäudes scheinen gezählt zu sein. Zunächst soll die Nutzung für die Kunden aus der Landwirtschaft beibehalten werden. - © Andreas Großpietsch
Genossenschafsturm: Auch die Tage dieses markanten Gebäudes scheinen gezählt zu sein. Zunächst soll die Nutzung für die Kunden aus der Landwirtschaft beibehalten werden. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. „Für den Erhalt des Westmarkts haben wir bis zuletzt noch eine gewisse Hoffnung gesehen", sagt Arnold Weßling. Und das galt nach seiner Aussage sogar noch nach der Generalversammlung der agritura Raiffeisen eG am Montagabend, bei der die beiden Geschäftsführer Jürgen Aumann und Jan-Bernd Krieger ihren Maßnahmenplan vorstellten. Doch spätestens mit der Veröffentlichung einer Pressemitteilung am Freitagmorgen waren alle Hoffnungen dahin.

Der Feiertag zur Deutschen Einheit hat die Fronten beim Kampf um den Standort Borgholzhausen nicht entschärft – im Gegenteil. Allerdings ist der wirtschaftliche Druck, der auf dem jungen Unternehmen lastet, auch erheblich: Der Umsatz ist im Jahr 2018 regelrecht zusammengebrochen. Er sank von 67,9 Millionen auf 63,8 Millionen Euro. das entspricht einem Rückgang um 4,1 Millionen Euro gleich 6 Prozent gegenüber 2017.

„Die Schließung unrentabler Standorte ist unausweichlich"

Geschäftsführer Aumann sprach von einem schwierigen Jahr 2018, bei dem die Genossenschaft in allen Geschäftsbereichen Umsatzeinbußen zu verzeichnen hatte. Mit Ausnahme der Raiffeisenmärkte übrigens, zu denen auch der von den Kunden oft so genannte Westmarkt in Borgholzhausen zählt.

Doch trotzdem wurde der Markt bei der Generalversammlung ausdrücklich genannt. Denn zusammen mit den Geschäftsstellen in Hopsten und Bad Iburg fällt er unter das Kapitel »Verschlankung von Prozessen« im Maßnahmenplan. „Auch die Schließung unrentabler Standorte ist unausweichlich", heißt es dazu in der Pressemitteilung.

Über das Thema Rentabilität, so ist von allen Beteiligten zu hören, ist im Vorfeld der Schließung viel gesprochen worden. Die eine Seite verwies dabei stets auf die schwarze Null, die am Standort erwirtschaftet worden sei. Und das unter wirklich schwierigen Bedingungen. Nach der Freigabe der Autobahn am 18. November wird sich die Verkehrssituation am Bahnhof allerdings grundlegend ändern.

agritura plant Investitionen unter anderem am Standort in Loxten

Doch auch wenn dadurch die Geschäfte aufblühen würden, so läge der Standort Borgholzhausen noch weit von den Zielen der Genossenschaft entfernt. Das wäre selbst bei einer Verdoppelung der Umsätze der Fall, sagen Eingeweihte. Und die wäre ohne erhebliche Investitionen nicht zu haben.

Weiter genutzt werden soll zunächst das Gebäude im hinteren Teil des Grundstücks. Dort können sich Landwirte mit Saatgut und Düngemitteln versorgen. Doch das geht in Zukunft auch am Standort Loxten, der bei der Generalversammlung ebenfalls Erwähnung fand.

In Zukunftsstandorte soll investiert werden, sagte die agritura-Geschäftsleitung. Sie nennt dabei an erster Stelle den Standort Loxten, wo die Bereiche Düngermischanlage und Getreidelager ausgebaut werden sollen. Für Borgholzhausen-Bahnhof scheint eher die Suche nach einem Käufer das Zukunftsthema zu sein. Davor sind aber noch viele Fragen zu klären.

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