Trauer um die Buche: Was soll jetzt auf dem Platz passieren?

Ende und Anfang: Nach dem Fall des Baumriesen gibt es bereits Ideen für den New-Haven-Platz

Anke Schneider

Ein denkwürdiger Tag: Stück für Stück kürzten die Mitarbeiter der Firma von Hoff die Krone der alten Trauerbuche ein, bevor der Baum gefällt werden konnte. - © Anke Schneider, HK
Ein denkwürdiger Tag: Stück für Stück kürzten die Mitarbeiter der Firma von Hoff die Krone der alten Trauerbuche ein, bevor der Baum gefällt werden konnte. (© Anke Schneider, HK)

Borgholzhausen. Überall in der Stadt war sie Thema – die 130 Jahre alte Trauerbuche am New Haven Platz. Jetzt ist sie gefällt worden. „Schade ist es, ein Jammer, da wird uns was fehlen", so der Tenor auf der Straße und in den Piumer Geschäften. Zwei Weltkriege hat der Baum überstanden. „520 Tonnen Sauerstoff hat er in seinem Leben produziert", hat Hendrik Schaefer ausgerechnet.

Verständnis für die Maßnahme hatten die Menschen aber auch. Schließlich ist die Krone schon seit Jahren durch Gurte und Seile gesichert worden, denn der Baum war schon lange von einem Pilz befallen. Dass er die längste Zeit an seinem Platz gestanden hat, war vielen offensichtlich klar.

Ein letztes Aufleuchten am Abend davor

Am Dienstagabend hat Bürgermeister Dirk Speckmann in die City eingeladen. Um 20 Uhr wird dann noch einmal die traditionelle Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet, die seit vielen Jahren stets in der Adventszeit geleuchtet hat. Erst im vergangenen Jahr ist sie erneuert worden. „670 Meter Lichterkette haben wir in den Baum verlegt", sagt Dierk Bollin. „Die bekommen wir da auch jetzt nicht mehr raus", fügt er hinzu. Denn das würde Tage dauern, da das Lichterband an vielen Stellen festgebunden ist. Und noch einmal in die Krone zu steigen wäre zudem viel zu gefährlich.

Abschied: Am Abend vor der Fällung wurde die Beleuchtung der Trauerbuche noch einmal eingeschaltet. Über 150 Menschen waren gekommen. - © Anke Schneider, HK
Abschied: Am Abend vor der Fällung wurde die Beleuchtung der Trauerbuche noch einmal eingeschaltet. Über 150 Menschen waren gekommen. (© Anke Schneider, HK)

150 bis 200 Menschen sind es, die sich mit Einbruch der Dunkelheit an der Absperrung versammeln. Unzählige Male erklärt Speckmann, warum die Buche nicht zu retten ist. „Der Baum zeigt in der Gabelung der drei Hauptäste einen frischen, sehr tiefen Riss", sagt er. „Das Holz klafft oben ungefähr zehn Zentimeter auseinander", fügt Dirk Bollin an, der sich zusammen mit Mitgliedern des Heimat- und Verkehrsvereins sowie verschiedenen Fraktionsmitgliedern das Malheur am Mittag angesehen hat. „Ohne die Gurte und Seile, die inzwischen extrem unter Spannung stehen, wäre die Krone schon längst auseinandergebrochen."

Festgestellt worden war der Riss am Morgen von Baumkontrolleur Christian Niemeyer. „Ich wurde um 9.30 Uhr aus einer Besprechung geholt", berichtet Speckmann den Anwesenden. Ein Ortstermin habe deutlich gemacht: Hier besteht Handlungsbedarf – und zwar sofort. Als erstes seien die Straßen rund um die Buche abgesperrt worden.

Bänke, Baum oder Baumgruppe

Eine drängende Frage ist nun auch, was jetzt mit dem Platz passieren wird. „Da soll auf jeden Fall etwas gepflanzt werden", so Speckmann. Vielleicht ein Baum, vielleicht eine Baumgruppe, vielleicht aber auch ganz was anderes. In diesem Herbst jedoch nicht mehr – dazu ist es viel zu trocken. Im Rat werde man in Zukunft ausführlich darüber sprechen.

Der Bürgermeister kann sich ebenso vorstellen, nach Ideen zu suchen, die den Platz wiederbeleben. Seit es die Eisdiele nicht mehr gäbe, sei er ungenutzt und das sei schade. Schöne Ideen kommen auch aus den Reihen der Anwesenden. „Vielleicht kann man aus dem Stamm der Buche Bänke fertigen lassen und sie dort aufstellen", schlägt Rian Koops vor. Daraus aber wird wohl nichts werden – wie die Begutachtung des Holzes später zeigen wird.

Der Beweis: Nach der Fällung wurde das Ausmaß der Fäulnis im gesamten Stamm deutlich. - © Anke Schneider
Der Beweis: Nach der Fällung wurde das Ausmaß der Fäulnis im gesamten Stamm deutlich. (© Anke Schneider)

Mittwochmorgen rückt dann die Firma von Hoff mit schweren Gerät und Motorsägen an, um den Baum zu fällen. Zunächst wird die Krone entfernt, anschließend geht es an die drei schweren Äste. Dazu wird ein Kran benutzt, der das Gewicht sichert und die schwere Fracht langsam zu Boden transportiert. Stück für Stück wird der Stamm eingekürzt. Bei den Fällarbeiten finden sich immer wieder Zaungäste ein, die die Arbeiten verfolgen. Am Ende sehen sie, wie notwendig die Fällung war. Der gesamte Stamm ist bereits inner verfault.

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