Borgholzhausen verliert ein Wahrzeichen: Baumriese wird gefällt

Heiko Kaiser

Trauerbuche wird gefällt - © Heiko Kaiser, HK
Trauerbuche wird gefällt (© Heiko Kaiser, HK)

Borgholzhausen. Ungläubiges Kopfschütteln, betretene Mienen, bange Fragen. Rund 30 Borgholzhausener versammeln sich am Fuße eines Schwerkranken. Die Diagnose ist niederschmetternd. „Da ist nichts mehr zu machen", sagt Hartmut Achterberg kopfschüttelnd. Er muss es wissen. Er ist der Fachmann, der Sachverständige für Baum und Wald und zählt die Fakten auf: „An einer Stelle klafft über knapp einen Meter ein offener Riss. Der lässt sich nicht schließen und bedeutet akute Gefahr." Gefahr, dass der gesamte Arm abbrechen und dabei möglicherweise Passanten unter sich begraben könnte. Es ist das Todesurteil für die etwa 130 Jahre alte und 20 Meter hohe Trauerbuche.

Fixierung der Äste - © Heiko Kaiser, HK
Fixierung der Äste (© Heiko Kaiser, HK)

„Könnte man den Ast nicht mit einem Seil sichern? Und haben wir nicht Zeit, ein zweites Gutachten einzuholen?", fragt Charly Beune vom Heimatverein hoffnungsvoll. „Der Baum ist in den vergangenen Jahren bereits massiv gesichert worden. Wenn das nicht geschehen wäre, hätte es bereits die Katastrophe gegeben. Es besteht jetzt Gefahr für Leib und Leben. Das geht nicht anders", sagt Achterberg erneut.

„Da geht ein Stück Borgholzhausen verloren"

Wie es um den Baum steht, zeigt auch die Tatsache, dass die Stadt die Kaiserstraße und die Schulstraße gestern kurzentschlossen komplett gesperrt hat. „Unser Baumkontrolleur Christian Niemeyer hat den neuen Riss vor etwa einer Woche entdeckt. Heute morgen hat dann der Gutachter den Baum untersucht und erklärt, es sei akute Gefahr in Verzug", erklärt Bürgermeister Dirk Speckmann den Anwesenden. Er hatte Vertreter der Verwaltung, der heimischen Parteien, des Heimatvereins und des Verkehrsvereins zu einem Lokaltermin eingeladen, um über die schwierige Lage zu berichten. Für viele von ihnen war der der Baum ein Leben lang ein Begleiter. Ein Fixpunkt des Stadtbildes, ein markantes Kennzeichen der Jahreszeiten, ein Träger hundertfachen Lichterglanzes zur Weihnachtszeit.

Riss im Ast - © Heiko Kaiser, HK
Riss im Ast (© Heiko Kaiser, HK)

„Da geht ein Stück Borgholzhausen verloren. Mit diesem Baum sind viele Menschen hier groß geworden", bringt es der stellvertretende Bürgermeister Hermann Ludewig auf den Punkt.

Dann begeben sich alle unter den Baum. „Auf eigene Gefahr", wie Bürgermeister Dirk Speckmann noch einmal betont. Die Menschen lassen sich davon nicht abhalten. Sie wollen sich selbst ein Bild machen, sich vergewissern, dass hier wirklich nichts mehr zu machen ist. „Hier ist der Riss, dort massiver Pilzbefall und oben die Krone ist bereits stark gesichert", erklärt Achterberg. Der ein oder andere nickt. Die Trauer bleibt.. „Für viele, die zum Weihnachtsmarkt gekommen sind, war es ein echter Anziehungspunkt", sagt Friedhelm Piel. „Man wird erst sehen was man hatte, wenn der Baum weg sein wird", ergänzt Ludewig. Morgen ist es soweit, dann rückt gegen 7.15 Uhr der Baumfäller an.

„Es muss auf jeden Fall wieder ein Baum hierhin", sagt Dierk Bollin von der BU. Die Umstehenden nicken als er fortfährt: „Und zwar einer, der bereits eine gewisse Größe hat."

Zustimmung und doch ist zu spüren, dass alle wissen: Egal was neu kommt, ein Stück Piumer Vergangenheit geht damit endgültig verloren.

Gutachter prüft Schaden - © Heiko Kaiser, HK
Gutachter prüft Schaden (© Heiko Kaiser, HK)

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