Politischer Gegenwind: Betreiberin kritisiert harte Bedingungen für Windkraftanlagen

Hollandskopf: Jahr für Jahr wird hier Strom in einem Umfang erzeugt, dass damit 1.600 Vier-Personen- Haushalte versorgt werden könnten. Doch die Windkraftenergie sieht schweren Zeiten entgegen. Grund dafür sind politische Entscheidungen

Heiko Kaiser

Anlagen-Betreiberin: Susanne Ihde. - © Heiko Kaiser, HK
Anlagen-Betreiberin: Susanne Ihde. (© Heiko Kaiser, HK)

Borgholzhausen. An diesem Tag sind die Bedingungen für die Windkraft optimal. Eine frische Brise weht von Südwest über den Hollandskopf. „Ich glaube, die Anlage fährt fast Volllast", sagt Susanne Ihde beim Betreten der Kommandozentrale oberhalb der Sockelplattform. Der Eindruck trügt nicht. Das Display zeigt eine Windgeschwindigkeit von exakt elf Metern pro Sekunde. „Bei 15 Meter haben wir Volllast", sagt Susanne Ihde. Dann produziert die Enercon-Anlage 2300 Kilowatt pro Stunde.

Doch das Bild täuscht. In Deutschland, dem Vorreiter in Sachen regenerative Energien, hat die Windkraft zunehmend mit schlechten Rahmenbedingungen zu kämpfen, und das liegt nicht am Klimawandel und dem ausbleibenden Wind. Ein Paradigmenwechsel in der Energiepolitik und ein stark verändertes Fördersystem haben die Bedingungen für den Windkraftanlagen bau dramatisch verschlechtert. SPD und CDU verständigten sich im Koalitionsvertrag zudem auf Obergrenzen beim Ausbau von erneuerbaren Energien

NRW hat praktisch den Ausbaustopp für Windenergie beschlossen

Mit dem Beschluss der gelb-schwarzen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, den Mindestabstand von Windrädern zu bebauten Gebieten auf 1.500 Meter zu vergrößern, hat man praktisch den Ausbaustopp für Windenergie beschlossen. In einer aktuellen Studie hat das Umweltbundesamt ermittelt, dass bei einem pauschalen Abstand von 1.500 Metern nur noch 15 – 40 Prozent der bisherigen Flächenkulisse für Windenergie übrig bleiben. Ein Zubau an Windkapazität gegenüber dem Status Quo wäre schon bei einem Abstand von 1.000 Meter nicht mehr möglich.

Doppelt CO2 gespart: Susanne Ihde »tankt« ihr Elektroauto mit Strom aus der Windenergieerzeugung. 1996 errichtete sie auf dem Hollandskopf die erste Windkraftanlage. 2012 löste das heutige Windrad die beiden kleineren Aggregate ab. - © Heiko Kaiser, HK
Doppelt CO2 gespart: Susanne Ihde »tankt« ihr Elektroauto mit Strom aus der Windenergieerzeugung. 1996 errichtete sie auf dem Hollandskopf die erste Windkraftanlage. 2012 löste das heutige Windrad die beiden kleineren Aggregate ab. (© Heiko Kaiser, HK)

Susanne Ihde ist davon derzeit nicht betroffen. Die 2012 auf dem Hollandskopf errichtete Anlage fällt vorerst noch nicht aus der Förderung heraus. „Heute", so sagt sie, „würde sie unter den jetzigen Bedingungen nicht noch einmal so ein Projekt realisieren können." Und das liegt keineswegs daran, dass ihr der Elan verloren gegangen ist. Verantwortlich dafür seien vielmehr gesetzliche Rahmenbedingungen und ein Planverfahren, dass es Privatleuten quasi unmöglich macht, Windkraftanlagen zu errichten. „Heute muss man ein Projekt bis zur Baugenehmigungsreife entwickeln und viele Gutachten erbringen. Das war früher zwar auch so. Doch seit 2017 wird erst dann in einem Ausschreibungsverfahren ermittelt, ob eine Anlage tatsächlich errichtet werden darf oder ob der von der Bundesregierung festgelegte maximale Zuwachs an Windkraftleistung schon erreicht worden ist." Die Politik fördere damit vor allem die großen Player im Markt, sagt Susanne Ihde. „Denn normale Menschen wie ich, können dieses finanzielle Risiko nicht tragen."

Borgholzhausener Beitrag zur Klimarettung

An diesem Tag weht der Wind über dem Hollandskopf. „Die letzen beiden Jahre waren nicht so gut", sagt Susanne Ihde. Das aber sei normal, denn Winderträge seien nicht nur saisonal sondern auch im Jahresvergleich schwankend.

Gleichbleibend, so die 62-Jährige, sei aber der Gegenwind, der Windkraftbetreibern von besorgten Menschen entgegenbläst. Wirklich verstehen kann sie die Bedenken nicht. „Ich beschäftige mich seit 40 Jahren mit Energiefragen. Dass so etwas, wie der Klimawandel, den wir heute erleben, auf uns zukommt, war schon vor 40 Jahren bekannt. Ich sage den Menschen immer nur: Diese Anlage ist unser Beitrag, den wir leisten können."

Und der ist messbar: Die 2.300-Watt-Anlage auf dem Hollandskopf liefert Energie für etwa 1.600 Vier-Personen-Haushalte mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden pro Jahr. Bei der Erzeugung der gleichen Menge Strom in einem Braunkohlekraftwerk werden 5.000 Tonnen CO 2 freigesetzt, mit denen man gute eine Milliarde Luftballons füllen könnte. Seit Errichtung der Anlage im Jahr 2012 hat Windkraftenergie vom Hollandskopf somit dazu beigetragen, dass über 30.000 Tonnen CO 2 eingespart werden konnte. Borgholzhausens Beitrag zur Klimarettung.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.