Straßen.NRW schafft es nicht, giftige Pflanzen rechtzeitig zu mähen

In Holtfeld wuchert zurzeit Jakobskreuzkraut. Anwohner befürchten Gefahr für Mensch und Tier. Doch Straßen.NRW sieht keine Möglichkeit, rechtzeitig zu mähen

Heiko Kaiser

Mähen, bitte: Katrin Bockstette (links) und Heike O’Brien können nicht verstehen, warum Straßen.NRW das hochgiftige Jakobskreuzkraut wie hier an den Straßenrändern wuchern lässt. - © Heiko Kaiser, HK
Mähen, bitte: Katrin Bockstette (links) und Heike O’Brien können nicht verstehen, warum Straßen.NRW das hochgiftige Jakobskreuzkraut wie hier an den Straßenrändern wuchern lässt. (© Heiko Kaiser, HK)

Borgholzhausen. Heike O’Brian ist sauer. Sie leitet einen Pferdehof am Eschweg in Holtfeld und fühlt sich von Straßen.NRW nicht hinreichend unterstützt. Gegenstand des Ärgers ist eine Schönheit. In ihrem leuchtenden Gelb setzt sie Farbtupfer an Wegrändern und auf Wiesen und löst bei Spaziergängern den spontanen Impuls aus, einen Strauß davon zu pflücken. Das aber sollten sie tunlichst lassen. Denn das Jakobskreuzkraut (JKK) ist giftig und schädigt die Leber.

Besonders gefährdet durch die Pflanze, die auch Jakobs-Greiskraut genannt wird, sind jedoch Pferde und Rinder. Zwar enthält die Pflanze eine so hohe Menge an Bitterstoffen, dass Weidetiere sie normalerweise meiden. Wenn sie aber nacht der Mahd ins Trockenfutter kommen, werden die Bitterstoffe der Pflanze abgebaut, nicht aber die giftigen Substanzen.

Schön, aber giftig: Das Jakobskreuzkraut. - © Heiko Kaiser, HK
Schön, aber giftig: Das Jakobskreuzkraut. (© Heiko Kaiser, HK)

„Es kommt immer mal wieder vor, dass sich Pferde durch das Fressen der Pflanze Leberschäden zuziehen", sagt Katrin Bockstette. Die Harsewinkelerin ist an diesem Tag auf dem Hof am Eschweg. Als Pferde-Osteopathin und Fütterungsberaterin hat sie einen besonderen Blick auf die Thematik.

Zwei Mähfahrzeuge für 600 Kilometer Randstreifen

Da das am Wegrand wuchernde Kraut sich auch auf die angrenzenden Wiesen aussät, fordert sie, wie auch Heike O’Brien, Straßen.NRW müsse es vor der Blüte mähen.

Alexander Kröger, stellvertretender Betriebsdienststellenleiter beim Landesbetrieb in Halle, kann den Wunsch der Pferdehalter verstehen, das Jakobskreuzkraut zu bekämpfen. Allerdings sieht er nur wenige Chancen, es in der Konsequenz zu tun, wie gefordert. „Wir haben zwei Mähfahrzeuge zur Verfügung und müssen damit insgesamt 600 Kilometer Randstreifen im gesamten Altkreis und bis nach Leopoldshöhe pflegen. Wir mähen zweimal im Jahr: im Mai und Anfang August."

„Dann ist es zu spät. Dann haben die Pflanzen bereits ihre Samen verbreitet", sagt Heike O’Brien. Doch Alexander Kröger sieht keine Möglichkeiten, individuell zu reagieren. „Irgendwo sind uns halt Grenzen gesetzt, zeitlich und personell", sagt er.

Beim Entfernen unbedingt Handschuhe tragen

Er empfiehlt Eltern, ihre Kinder auf die Giftigkeit der Pflanze hinzuweisen und den Kontakt zu meiden. Außerdem: „Hier ist auch jeder selbst gefordert, die Pflanzen zu entfernen. Dabei müssen jedoch Handschuhe getragen werden." Heike O’Brien hat das bereits getan, will aber dennoch Straßen.NRW nicht aus der Verantwortung entlassen.

Das sieht auch Katrin Bockstette so. „Wenn nicht gemäht werden kann, dann sollte versucht werden, Blutbären dort anzusiedeln. Die Raupe, aus der ein Schmetterling wird, ist ein natürlicher Feind des Jakobskreuzkrautes."

Sie weist zudem darauf hin, dass mit der Verbreitung des JKK giftige Bestandteile auch in den Honig gelangen könnten. Untersuchungen darüber haben bislang jedoch noch keine eindeutigen Ergebnisse erbracht.

Info
Das sagt der NABU

Während Landwirte und Pferdehalter eine konsequente Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes fordern und auf die Gefährdung von Mensch und Tier hinweisen, hält der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Diskussion für überzogen. Auch das vorzeitige Mähen sei sinnlos: „Wird die Pflanze vor ihrer Blüte gemäht, wird ihr späteres Absterben unterbunden. Entweder schiebt sie im selben Jahr einen neuen, kleineren Blütenstand nach, oder sie überdauert ein weiteres, drittes Jahr, um dann zur Blüte zu gelangen. Durch alljährliche Mahd kann das eigentlich zweijährige Jakobskreuzkraut also zur ausdauernden Staude werden, wenn der übliche Absterbeprozess nach der Samenbildung unterbrochen wird. Die deshalb gegebene Empfehlung, erst gegen Ende der Blütezeit zu mähen, hilft so auch nicht weiter. Abgemähte Blütenköpfe entwickeln ihre Samen über eine Notreife", heiß es auf der Internetseite. Die Aufforderung an Straßenbauämter, öfter zu mähen, sei daher unsinnig.

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