Warum Trecker monatelang Bauschutt durch Borgholzhausen transportierten

Sanierung einer Altlast: In monatelanger Arbeit wurden das Tal des Pustmühlenbachs von großen Mengen Bauschutt befreit. Ganz bewusst soll hier jetzt der natürlichen Entwicklung Freiraum gegeben werden

Andreas Großpietsch

Aus der Luft: Noch ist das frisch ausgebaggerte Bachtal gut zu erkennen. Die Natur braucht noch Zeit. - © Ulrich Fälker
Aus der Luft: Noch ist das frisch ausgebaggerte Bachtal gut zu erkennen. Die Natur braucht noch Zeit. (© Ulrich Fälker)

Borgholzhausen. „Am Anfang war die Erde wüst und leer" heißt es in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Und im Augenblick liefert das obere Pustmühlenbachtal eine gute Vorstellung davon, was damit gemeint sein könnte. Im monatelangen Dauereinsatz wurde hier direkt am südlichen Rand der Stadt eine Altlast beseitigt. In einer Art Endlosschleife transportierten Treckergespanne 25.000 Kubikmeter menschlicher Hinterlassenschaften ab, bis der ursprüngliche Talboden wieder zum Vorschein kam.

„Es wurde gegraben, bis das alte Niveau wieder erreicht war", sagt Dirk Nolkemper, der städtische Umweltbeauftragte. Das lässt sich so genau feststellen, weil ehemals verfüllte Gräben ebenso wiedergefunden wurden wie alte Drainagen, mit deren Hilfe das Siektal vor der Verfüllung landwirtschaftlich nutzbar gemacht wurde.

Was für Pflanzen dort früher einmal gewachsen sind, ist allerdings nicht genau bekannt – obwohl die Bauschuttablagerung erst in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnen wurde. Erkenntnisse darüber werden Pflanzenkundler jetzt aber indirekt sammeln können, denn im Boden müssten sich noch viele Pflanzensamen finden, die jetzt nach Jahrzehnten keimen können.

Erlen und Weiden sollen sich ansiedeln

Am Steinhagener Heideweiher, einem Gewässer, das rund 100 Jahre lang verfüllt war und erst vor wenigen Jahren wieder renaturiert wurde, stellten sich viele seltene Pflanzen wieder ein, die dort laut alten Berichten schon vor 100 Jahren heimisch waren. Es wird sehr spannend zu beobachten, wie sich die Vegetation hier am Südrand von Borgholzhausen entwickeln wird.

„Wir nehmen ganz bewusst keine Bepflanzung vor", sagt Dirk Nolkemper. Das hat nicht nur finanzielle Vorteile. Als Erstes erwartet er an den Bachläufen und an den beiden neu angelegten Teichen Erlen und Weiden, die sich selbst ansiedeln. Aber es gibt noch viele weitere Arten, die als sogenannte Pionierpflanzen freie Fleckchen Erde besiedeln. Klatschmohn, Margeriten und Löwenzahn gehören dazu.

Freie Fleckchen gibt es derzeit noch auf einer Fläche von rund 12.000 Quadratmetern. Das ist sogar etwas mehr als ursprünglich geplant, doch die Altlast war etwas größer als vermutet. Zum Glück war sie aber auch deutlich harmloser als befürchtet. Ein wenig Metallschrott und etliche nicht verrottete Eichenbalken wurden ans Tageslicht befördert und ordnungsgemäß entsorgt.

Außerdem blieben einige Stümpfe von gerodeten Büschen und Bäumen zurück, die kleine Inseln zum Besiedeln der Ödnis bilden sollen. „Man muss es eben auch aushalten, wenn dort ein paar Jahre lang die Disteln blühen", sagt Dirk Nolkemper.

Ein Zaun schützt die Pflanzen vor Rehen und Menschen

Ein solches Stadium ist Teil der natürlichen Entwicklung einer Brachfläche. Diese natürliche Entwicklung kann man in den nächsten Jahren und vielleicht Jahrzehnten wie unter einem Brennglas beobachten. Damit gerade am Anfang nicht zu viele Störungen vorkommen, ist das Gelände eingezäunt.

Das Drahtgeflecht ist Bestandteil der Einzäunung, die den Neuanpflanzungen in der benachbarten Waldbrücke Schutz bieten soll. Nicht so sehr vor Menschen, sondern vor Rehen, die am allerliebsten die Blätter und Blüten von jungen Pflanzen fressen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.