Borgholzhausen: Weniger Gewerbe findet größere Mehrheit

Gewerbe Am Stadtgraben: Die Diskussion mit den Bürgern, die den Plänen für Hamlingdorf ablehnend gegenüberstehen, war lang. Deutlich länger als die Auseinandersetzung im Bauausschuss, der dann mit 10:1 Stimmen dem Plan für Piums Süden zustimmt

Andreas Großpietsch

Borgholzhausens Süden: Im Bauauschuss sind einige Entscheidungen über seine Zukunft gefallen. - © Ulrich Fälker
Borgholzhausens Süden: Im Bauauschuss sind einige Entscheidungen über seine Zukunft gefallen. (© Ulrich Fälker)
Protest per Plakat: Rund 40 Gegner des Gewerbegebiets Am Stadtgraben waren im Ratssaal dabei. Foto: Andreas Großpietsch - © Andreas Großpietsch
Protest per Plakat: Rund 40 Gegner des Gewerbegebiets Am Stadtgraben waren im Ratssaal dabei. Foto: Andreas Großpietsch (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Vermutlich ist es der erste Redebeitrag von Astrid Schütze, der sachkundigen Bürgerin von den Unabhängigen, der das Dilemma des Mittwochabends am besten auf den Punkt bringt: „Herrn Tischmanns Planung ist in Ordnung, da macht man juristisch und planerisch nichts falsch", erklärte sie. „Aber ich kann die Bürger und ihren Unmut gut verstehen", fuhr sie fort. Die Angesprochenen hatten sich zuvor vielfach kritisch geäußert – in Details, aber vor allem in grundsätzlichen Gegenargumenten von Klimaschutz bis Flächenverbrauch.

Dass Borgholzhausen in der Kategorie Gewerbefläche pro Einwohner Kreismeister ist, wurde auch von den Befürwortern der Entwicklung in Hamlingdorf nicht bestritten. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass es am Donnerstag im Stadtrat darum ging „diese Führung noch auszuweiten", wie Besucher Ingo Hassheider erklärte. Dort wurde über die Erweiterung des interkommunalen Industriegebiets an der A 33 abgestimmt – wir berichten in der Samstagsausgabe.

Am Mittwoch ging es um einen Bereich, der den meisten Borgholzhausenern sehr viel näher ist als die Erweiterung jenseits der Autobahn – sowohl emotional als auch räumlich. Bei rund 9.000 Einwohnern sind 190 ablehnende Stellungnahmen schon eine ganze Menge, wenngleich vielfach nur eine vorgefertigte Erklärung eingereicht wurde.

In vielen Details wird die Kritik der Bürger im Plan umgesetzt

Mehr Grün, weniger Grau: Das Gewerbegebiet Am Stadtgraben soll etwas kleiner geplant werden. - © Planungsbüro Tischmann Loh
Mehr Grün, weniger Grau: Das Gewerbegebiet Am Stadtgraben soll etwas kleiner geplant werden. (© Planungsbüro Tischmann Loh)

Doch es gibt auch viele Einwendungen, die deutlich mehr Substanz aufweisen. Und der Gesetzgeber hat unmissverständlich festgelegt, wie mit solchen Einwendungen der Bürger umzugehen ist. Die Verwaltung muss zu jedem einzelnen Argument detailliert Stellung beziehen und die Politik muss darüber abstimmen Der erste Schritt dazu wurde am Mittwoch gemacht.

Planer Dirk Tischmann trug umfangreich den aktuellen Stand der Planung vor. Sein Entwurf hat auf viele der eingebrachten Kritikpunkte bereits reagiert. So wird das Plangebiet im Süden nun 21 Meter kleiner als anfangs vorgesehen. Dadurch verschiebt sich auch die Planstraße, die das Gebiet durchzieht, ein wenig nach Norden. Und diese Straße soll jetzt inklusive Radweg nur noch 10,5 Meter breit werden – zwei Meter weniger als ursprünglich geplant. Und die Höhen der Gebäude wurden noch einmal eingeschränkt.

Was den Ausschussvorsitzenden Arnold Weßling zu einer persönlichen Äußerung veranlasste: „Mit tut die Rücknahme von 6.000 Quadratmetern an dieser Stelle weh. Und auch die Höhenbegrenzung ist falsch: Wer Fläche sparen will, muss in die Höhe bauen", sagte er. Am Ende stimmte er allerdings genau wie seine CDU-Parteikollegen, die SPD, die FDP und sogar die Grünen und die BU (mit Ausnahme von Astrid Schütze) für die Fortsetzung der Planung.

Sie alle hatten Verständnis für die grundlegenden Kritikpunkte der Bürger geäußert, dann aber die Interessen der Stadt an Bauland für kleine heimische Gewerbebetriebe höher bewertet. Helmut Lepper (CDU) fand die Formel, dass es sich um eine Bedarfs- und nicht um eine Angebotsplanung handele – und traf damit auf viel Zustimmung.

Eloxierabteilung von Schüco soll im Süden neu gebaut werden

Im Klartext sind damit Firmen aus den Nachbarorten vom Kauf ausgeschlossen. Das Gewerbegebiet Am Stadtgraben soll ausschließlich heimischen Unternehmen dienen. Eines dieser Unternehmen ist zwar gar nicht klein, hat es aber besonders eilig, dort bauen zu können. Die Rede ist von der Firma Schüco, die praktischerweise auch schon über die nötigen Grundstücke verfügt.

Und dieses Unternehmen ist es auch, das durch die Neuordnung seiner mittelfristigen Planungen die Aufstellung des Bebauungsplans erst möglich macht. Denn ein guter Teil der überplanten Bereiche befindet sich im Besitz des Unternehmens und kann von der Stadt erworben werden. Außerdem ist noch ein weiteres Stück der Fläche verplant: der Schützenplatz soll am heutigen Standort (schraffierte Fläche in der Karte links) gesichert werden und profitiert zugleich von der großzügigen Eingrünung. Genau durch diesen Grünzug soll künftig auch der Hermannsweg geführt werden. In alten Plänen war dort noch eine breite Straße angedacht.

Es sind diese alten Planungen, die juristischen Widerstand gegen die neuen Pläne so riskant machen. Denn im Regional- und im Flächennutzungsplan sind sie schon sehr lange als Gewerbebereiche ausgewiesen. Die Stadt ist in diesem Punkt deshalb auf der sicheren Seite.

Wie weit sie das auch bei einem globaleren Ansatz ist, bei den Fragen nach Flächenfraß und Klimaschutz, muss jedes einzelne Ratsmitglied am Ende für sich selbst entscheiden. Für zahlreiche der rund 40 Besucher wäre die Sache klar – doch entscheiden müssen die Ratsmitglieder. Die Mehrheit scheint aber eher zu wachsen als zu schrumpfen.

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