Mehrheit ist für rechts vor links am Jammerpatt

Andreas Großpietsch

Vorfahrt ändern: Sollen sowohl die Bäume als auch dei Ausfahrt Jammerpatt erhalten bleiben, müsste hier auf die Rechts-vor-links-Regel umgestellt werden. - © Andreas Großpietsch
Vorfahrt ändern: Sollen sowohl die Bäume als auch dei Ausfahrt Jammerpatt erhalten bleiben, müsste hier auf die Rechts-vor-links-Regel umgestellt werden. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Karen van Laak (BU) fand am Ende einer langen, intensiven Debatte die Formel, der fast alle zustimmen konnten: „Wenn es keine Förderung für den Erhalt der Bäume gibt, dann diskutieren wir noch mal", schlug sie als Kompromiss vor. Wenn das Land allerdings bereit ist, 65 Prozent von 140.000 Euro zu bezahlen, dann wird eine aufwendige Rettungsaktion für die beiden Linden an der Einmündung des Jammerpatts auf die Freistraße in Gang gesetzt.

Die beiden fraglichen Bäume sind gesund und haben sich so prächtig entwickelt, dass sie regelmäßig das Pflaster des Bürgersteigs in eine Buckelpiste verwandeln und außerdem besonders den Autos die Sicht nehmen, die vom Edeka-Parkplatz über die Straße Jammerpatt zurück auf die Freistraße wollen. Aber es gibt eben nicht nur Autos

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Kommentar: Mehr nachdenken

Es ist eine Stärke der Borgholzhausener Politik, dass dort auch sehr unterschiedliche Meinungen ohne persönliche Verunglimpfungen der Gegenseite diskutiert werden können. Das macht selbst eine solche Debatte wie jetzt um den Jammerpatt hörenswert. Und führt nicht selten zu unerwarteten, aber guten Lösungen – siehe Bauhof. Angesichts der vielen Probleme und hohen Kosten sollte man vielleicht noch intensiver über Alternativen nachdenken. Zum Beispiel könnte der Jammerpatt im Bereich des Baus der Stiftung Ummeln als Sackgasse mit Fußweg zur Freistraße enden und eine neue Zufahrt für den Edeka-Parkplatz ein Stück entfernt von den beiden erhaltenswerten Bäumen gebaut werden. Nur mal so als Idee.

„Die Verwaltung geht nahezu täglich dort hin und zählt die Leute, die dort zu Fuß gehen", sagte Bauamtsleiterin Kerstin Otte. Und meinte damit sich selbst auf dem Weg zum Einkaufen, wie ihn so viele Borgholzhausener nutzen. Und weil dort immer viele Verkehrsteilnehmer zu erwarten sind, fahren alle vorsichtig.

Hier passiert pro Jahr nur ein Auffahrunfall

Die Statistik der Polizei spricht Bände: Ein Auffahrunfall bei niedrigen Geschwindigkeiten ist dort registriert – pro Jahr. Also kein Unfallschwerpunkt und damit kein Handlungsbedarf? So einfach ist es nicht. Denn ein Antrag der CDU, an dieser Stelle für mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu sorgen, hat zu intensiven Gesprächen mit den übergeordneten Behörden geführt. So dass man die Augen jetzt nicht mehr vor dem Problem verschließen kann.

„Wenn eine Ausschussmehrheit beschließt, nichts zu tun, dann ordne ich am nächsten Tag die Fällung höchstpersönlich an", ging Bürgermeister Dirk Speckmann in die Offensive. Er hatte ohnehin das Fällen als kostengünstigste Alternative empfohlen, damit aber keine Mehrheit gefunden. Wenn aber an einer breit diskutierten Gefahrenstelle keine Veränderungen durchgeführt werden, dann gilt im Falle eines Unfalls die unmittelbare Verantwortung der Stadt als erwiesen.

Wegen der hohen Kosten hatte der Grüne Markus Kemper sich auch am Mittwoch wiederum für das Fällen ausgesprochen und Jürgen Aufderheide (FDP) rechnete süffisant vor, dass man für 21.000 Euro leicht einen Hektar Ackerfläche kaufen und mit einem Buchenwald bepflanzen könnte. Was der Umwelt und dem Klimaschutz vielleicht mehr helfen würde.

„Es ist zu teuer, die Bäume zu erhalten"

Doch die Mehrheit im Ausschuss war weiterhin erkennbar für die Variante, die eine Verlegung des Fußweges der Freistraße auf die andere Seite der Bäume vorsieht. Diese Variante wurde mit dem Straßenverkehrsamt und der Polizei diskutiert. „Im Prinzip haben die uns für verrückt erklärt, dass wir hier eine solche Lösung anstreben", sagte Bürgermeister Speckmann.

Doch wenn die Stadt das tun wolle, dann müsse zwingend eine Rechts-vor-links-Regel an der Einmündung Jammerpatt eingeführt werden. Die Reaktionen der Politik auf diese Festlegung waren sehr unterschiedlich: „Ich finde das gut. Für mich wäre diese Regelung charmant", meinte Helmut Lepper (CDU).

Silke Koch (SPD) allerdings gab eine ganz andere Ansicht zu Protokoll: Sie habe für den Erhalt der Bäume gestimmt, sich die Sache aber danach noch einmal gründlich angeschaut: „Und ich will die Bäume jetzt auch weghaben, weil es zu teuer ist, sie zu erhalten", sagte sie. Das sah aber die Mehrheit im Ausschuss ganz anders.

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