Prozess wegen versuchten Totschlags in Borgholzhausen

Prozess: Der Angeklagte hatte in Borgholzhausen einen 26-jährigen Mann attackiert und schwer verletzt. Das Opfer arbeitete in der Firma der Frau des mutmaßlichen Täters

Nils Middelhauve

Prozessauftakt im Verfahren gegen Murat K. vor der I. großen Strafkammer - © Andreas Zobe
Prozessauftakt im Verfahren gegen Murat K. vor der I. großen Strafkammer (© Andreas Zobe)

Borgholzhausen/Bielefeld. Weil er ihn für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich machte, lauerte Murat K. (36) im Mai des vergangenen Jahres einem 26-jährigen Mann auf einem Firmengelände in Borgholzhausen auf und verletzte diesen mit einem Messer. Nun muss sich der aus Warendorf stammende Täter wegen des Verdachts des versuchten Totschlags sowie der gefährlichen Körperverletzung vor dem Bielefelder Landgericht verantworten.

Am 29. Mai 2018 hielt sich Murat K. in den Abendstunden in seinem Auto vor dem Gelände der an der Straße Am Teuto gelegenen Firma in Borgholzhausen auf. Dort wartete er, bis um 22.39 Uhr der 26-jährige Jörn F. (Name geändert) sich daran machte, den Unternehmenskomplex zu verlassen. Murat K. lief auf F. zu.

Als dieser den Mann bemerkte, flüchtete er in den Personaleingang – jedoch nicht rechtzeitig. Durch die noch halb geöffnete Eingangstür versetzte K. seinem Opfer mit einem Messer einen etwa 15 Zentimeter langen und drei bis vier Zentimeter tiefen Schnitt in die rechte Oberkörperseite. Sodann zogen die beiden Männer – K. von draußen, F. innerhalb des Gebäudes – an der Tür, bis es dem Angegriffenen schließlich gelang, diese zu schließen. „Ich flüchtete dann in die Kantine, dort verständigte ich die Polizei. Erst dann bemerkte ich das Blut an meiner Seite", berichtete Jörn F. als Zeuge vor Gericht.

Täter sagt, er wollte nicht töten

Das Motiv des Täters war wohl Eifersucht. Über eine Erklärung seines Verteidigers Detlev Binder räumte K. vor Gericht den Angriff ein. Er habe F. jedoch weder töten, noch schwer verletzten wollen. Er habe, so hieß es in der Erklärung, den 26-Jährigen seinerzeit für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich gemacht.

Jörn F. ist Mitarbeiter eines von der Ex-Frau des Angeklagten geleiteten Unternehmens. Die Firma in Borgholzhausen, auf deren Gelände sich die Tat ereignete, gehört zu den Kunden der Frau. Bereits vor dem Messerangriff hatte es bei einem anderen Kunden des Unternehmens in Verl einen Angriff des Angeklagten auf F. gegeben – seinerzeit hatte er sich diesem von hinten genähert und F. einen Faustschlag auf den Hinterkopf verpasst. Vor Gericht verneinte Jörn F., der neue Mann im Leben der Ex-Frau des Angeklagten zu sein: „Er hatte nicht nur mich in Verdacht. Auch ein Kollege von mir war von ihm bedroht worden."

Der Prozess wird am 22. Mai fortgesetzt.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.