Betonflut: Bauern sind wegen Erweiterung des Gewerbegebiets alarmiert

Wachsender Widerstand: Beim Interkommunalen Gewerbegebiet arbeiten Borgholzhausen und Versmold eng zusammen. Angesichts der geplanten Erweiterung protestieren die Landwirte beider Städte

Andreas Großpietsch

Bewahrung schöner Landschaft: Der grenzüberschreitende Widerstand der Landwirte formiert sich – von links: Dieter Vahrenbrink, Ortsvereinsvorsitzender Borgholzhausen, und sein Stellvertreter Holger Spiekerkotte, Ingo Haßheider, Gerd Meier, Klaus Strothmann, stellvertretender Kreisvorsitzender, Ute Höving, Landfrauen Versmold, Ulrich Holz, Sabine Potthoff, Martin Bohle, Jürgen Brömmelsiek, Anne Brömmelsiek und Joachim Klack, der Ortsvereinsvorsitzende von Versmold. - © Andreas Großpietsch
Bewahrung schöner Landschaft: Der grenzüberschreitende Widerstand der Landwirte formiert sich – von links: Dieter Vahrenbrink, Ortsvereinsvorsitzender Borgholzhausen, und sein Stellvertreter Holger Spiekerkotte, Ingo Haßheider, Gerd Meier, Klaus Strothmann, stellvertretender Kreisvorsitzender, Ute Höving, Landfrauen Versmold, Ulrich Holz, Sabine Potthoff, Martin Bohle, Jürgen Brömmelsiek, Anne Brömmelsiek und Joachim Klack, der Ortsvereinsvorsitzende von Versmold. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Gegen die geplante Erweiterung des Industriegebiets an der Autobahnauffahrt formieren sich Gegner auf beiden Seiten der A 33. Am kommenden Sonntag findet auf Versmolder Gebiet ein »Muttertag für Mutter Erde« statt. Doch auch Landwirte in Borgholzhausen kritisieren die Pläne. Obwohl fast ausschließlich Flächen auf Versmolder Gebiet unterhalb der Autobahn betroffen sind, wollen sie davor nicht die Augen verschließen.

„In 20 Jahren sind der Landwirtschaft im Kreis Gütersloh 5.500 Hektar Fläche verloren gegangen", sagt zum Beispiel der Borgholzhausener Ortsvereinsvorsitzende der Landwirte, Dieter Vahrenbrink.

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Streifzüge, Referate und Naturquiz

Unter dem Motto »Muttertag für Mutter Erde« laden am Sonntag, 12. Mai, rund 65 Aktive aus Versmold und Borgholzhausen zu einem Informationstag ein, an dem jeder Interessierte erfahren kann, was bei der Erweiterung geplant ist. „34 Hektar groß sind die Suchgebiete sieben und acht, welche die Politik nun auf der anderen Seite der Autobahn ins Auge gefasst hat", sagt Ingo Haßheider. „Viele können sich gar nicht vorstellen, wie riesig das ist." Ab 11 Uhr gehts direkt an der Autobahnauffahrt los. Dr. Stefan Hinck von der Firma Farmsystem Osnabrück wird zum Thema »Lebensgrundlage Boden« referieren. Zudem gibt es geführte Streifzüge durch die Suchgebiete mit fachkundiger Begleitung aus der Initiative. Ein Naturquiz für Groß und Klein mit einer Heißluftballonfahrt als Gewinn ist ebenfalls organisiert. Es gibt Essen und Trinken, Musik von Dirk Tabor und Attraktionen für die Kinder. (anke)

Aus Sicht der Bauern sind auch Ausgleichsflächen Verluste des immer knapper werdenden Gutes Boden. Der Flächenverbrauch der Autobahn hat die Gegend stark belastet. „Und man hat den Eindruck, dass es im Kreis Gütersloh mit dem Flächenverbrauch immer schneller vorangeht", sagt Vahrenbrinks Versmolder Kollege Joachim Klack. „Wir müssen innehalten, um die Zukunft unserer Kinder nicht zu verbauen", ist auf einem gemeinsamen Positionspapier der beiden Landwirte-Vertretungen zu lesen. Natürlich teilen auch die Landfrauen den Standpunkt, dass zu viele Fläche in viel zu kurzer Zeit verbraucht wird.

Landwirte sehen die Kulturlandschaft gefährdet

Eine der am Mittwoch vorgestellten Thesen lautet, dass der Flächenverbrauch landwirtschaftliche Betriebe vernichtet. Zugleich werde der Arbeitsmarkt nicht gestärkt, sondern eher geschwächt. Die Bauern sind nicht fremdenfeindlich eingestellt, sehen aber die Beschäftigung immer neuer Menschen aus dem EU-Ausland sehr kritisch.

Auch weitere negative Folgen seien zu erwarten: „Wir verlieren unsere gewachsene Kulturlandschaft im Ravensberger Land. Touristen besuchen aber keine Gewerbegebiete", stellen die Landwirte fest. Sehr kritisch sehen sie auch die direkten Umweltauswirkungen – von Klimawandel über Artensterben bis Grundwasserneubildung.

"Wir Bauern haben Angst, euch nicht mehr satt zu bekommen"

Man habe in der Vergangenheit zu intensiv gearbeitet und die Böden zu sehr belastet, sieht Joachim Klack auch Fehler bei seinem Berufsstand. Doch um diese Fehler zu korrigieren, brauche man in der Zukunft eben eher mehr als weniger Felder. „Wir Bauern haben Angst, euch nicht mehr satt zu bekommen", steht deshalb auch auf dem großen Banner, das jetzt auf die Forderungen aus der Landwirtschaft aufmerksam macht.

Was die Zukunft der gewerblichen Entwicklung in Versmold anbelangt, so seien entgegen der Behauptung von Bürgermeister Michael Meyer-Hermann noch genügend Brachflächen vorhanden, die genutzt werden könnten, sagt Joachim Klack. Das mache allerdings mehr Mühe als die Nutzung neuer Flächen.

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